Weltmodelle

AMD kauft Fei-Fei Lis World Labs um 8,2 Milliarden Dollar

Team of World Labs. © World Labs
Team of World Labs. © World Labs

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Erst Geldgeber, jetzt Eigentümer: AMD holt sich die KI-Pionierin Fei-Fei Li samt ihrem Weltmodell-Startup World Labs ins Haus und bezahlt dafür rund 8,2 Milliarden Dollar (etwa 7 Milliarden Euro) in eigenen Aktien.

Der US-Chiphersteller hat soeben eine verbindliche Vereinbarung zur Übernahme von World Labs bekannt gegeben. Der Deal wird vollständig in AMD-Aktien abgewickelt und soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein, vorbehaltlich der Zustimmung der Behörden. Fei-Fei Li wird nach dem Closing Executive Vice President und Chief Scientist bei AMD und berichtet direkt an CEO Lisa Su. Das Team von World Labs soll weiter an KI-Modellen forschen.

Was World Labs macht

World Labs mit Sitz in San Francisco entwickelt sogenannte Weltmodelle, also KI-Systeme, die dreidimensionale Umgebungen aus Text, Bildern oder Videos erzeugen, rekonstruieren und simulieren können. Dazu kommt Technologie für das Training und die Simulation von Robotern. Fei-Fei Li, die mit dem Bilddatensatz ImageNet eine der Grundlagen der modernen Bilderkennung geschaffen hat, nennt das Ziel „räumliche Intelligenz“: KI soll die physische Welt verstehen und in ihr handeln können, statt nur Text vorherzusagen.

Gegründet hat Li das Unternehmen 2024 gemeinsam mit Justin Johnson, Christoph Lassner und Ben Mildenhall, allesamt Spezialisten für Computer Vision, Grafik und generative KI. Das erste öffentliche Produkt ist Marble, ein multimodales Weltmodell, mit dem Nutzer:innen aus einem Foto, mehreren Bildern, einem Video oder einer Textbeschreibung begehbare 3D-Welten erstellen, bearbeiten und etwa als Gaussian Splats oder 3D-Meshes exportieren können. Einsatzgebiete sind Gaming, Visual Effects, Architektur und Robotik-Simulation.

Erst vor wenigen Wochen hat World Labs mit Atlas ein neues „Omni-Weltmodell“ vorgestellt. Es verarbeitet Text, Bilder, Video und 3D-Daten in einer einzigen Architektur und kann laut Unternehmen bis zu einminütige Videos in 1440p mit präziser Kamerasteuerung generieren. Atlas ist derzeit nur für ausgewählte Partner:innen im Early Access verfügbar und soll künftige Versionen von Marble antreiben.

AMD war schon vorher an Bord

Für AMD ist World Labs kein unbekanntes Terrain. Der Chipkonzern war bereits bei der ersten Finanzierung 2024 dabei, als das Startup rund 230 Millionen Dollar (etwa 200 Millionen Euro) von Investor:innen wie Andreessen Horowitz, Intel und Nvidia einsammelte. Im Februar legte AMD dann in der großen Runde nach, in der World Labs eine Milliarde Dollar (etwa 850 Millionen Euro) aufnahm. Neben AMD beteiligten sich damals auch Nvidia, Autodesk, Emerson Collective, Fidelity und Sea. Die Bewertung lag laut Medienberichten damals bei rund fünf Milliarden Dollar. Mit dem Kaufpreis von 8,2 Milliarden Dollar ist das Startup binnen weniger Monate also um gut 60 Prozent mehr wert geworden.

Pikant: Mit Nvidia sitzt der größte Rivale von AMD ebenfalls im Kreis der Investor:innen. Durch die Übernahme sichert sich AMD nun exklusiv das Know-how, das zuvor beide Chipkonzerne mitfinanziert hatten.

Wie AMD die Übernahme begründet

AMD argumentiert den Kauf mit einem Blick auf die nächste Welle der KI. Wenn sich KI von Chatbots hin zu Reasoning, Robotik, Simulation und physischer KI ausweitet, werden die Anforderungen an die Recheninfrastruktur deutlich vielfältiger, heißt es in der Mitteilung. Die Expertise von World Labs soll AMD tieferen Einblick geben, wie sich KI-Workloads entwickeln, und so die künftigen Hardware-Roadmaps mitprägen. Gleichzeitig bettet AMD den Deal in seine Strategie ein, KI-Infrastruktur für ein offenes Ökosystem zu liefern, ein klarer Seitenhieb auf Nvidias geschlossenes CUDA-Universum.

„Um die Rechenplattformen für die nächste KI-Generation zu bauen, braucht es ein tiefes Verständnis dafür, wie sich Modelle entwickeln“, sagt Lisa Su. Fei-Fei Li und ihr Team würden herausragende Forschungskompetenz mitbringen, mit der AMD Hardware, Software und Systeme für die nächste KI-Generation entwickeln wolle.

Fei-Fei Li sieht den Deal als Beschleuniger: Die nächste KI-Generation erfordere eine enge Verzahnung von Modellforschung, Systemen und Rechenleistung. Der Wechsel zu AMD gebe ihrem Team die Ressourcen und die technische Tiefe, um die Forschung voranzutreiben und die Infrastruktur für die nächste Ära der KI mitzudefinieren.

Mit anderen Worten: AMD kauft sich ein Frontier-Labor, das früh weiß, welche Modelle künftig auf den Chips laufen sollen. Für World Labs wiederum ist der Zugang zu Rechenleistung ein entscheidender Hebel, denn das Training großer Weltmodelle gilt als extrem rechenintensiv.

Die bisher größte KI-Übernahme von AMD

Der Deal reiht sich in eine Serie von KI-Zukäufen ein, mit denen AMD den Abstand zu Nvidia verkleinern will. 2024 übernahm der Konzern das finnische KI-Labor Silo AI um 665 Millionen Dollar (damals Europas größter KI-Exit) sowie kurz darauf den Server-Spezialisten ZT Systems um 4,9 Milliarden Dollar. Dazu kommt eine milliardenschwere Liefervereinbarung mit OpenAI, die OpenAI die Option auf rund zehn Prozent an AMD einräumt. Mit World Labs geht AMD nun einen Schritt weiter und holt sich eine eigene Modellforschung auf Frontier-Niveau ins Haus.

Wettlauf um die Weltmodelle

Der Zeitpunkt ist kein Zufall, denn um Weltmodelle ist ein regelrechtes Wettrennen entbrannt. Nvidia hat mit der offenen Modellfamilie Cosmos 3 eigene Weltmodelle für Robotik und autonome Systeme im Angebot und mehrere Partner:innen zu einer Allianz für offene Weltmodelle versammelt. Google DeepMind arbeitet mit Genie 3 an interaktiven 3D-Welten in Echtzeit. Und in Europa hat Meta-Veteran Yann LeCun mit seinem Startup AMI Labs rund eine Milliarde Dollar für Weltmodelle eingesammelt, die größte Seed-Runde in der Geschichte Europas. Mit dem Kauf von World Labs setzt AMD nun eine der prominentesten Figuren des Feldes auf die eigene Seite des Spielfelds.

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