Apple kauft israelisches KI-Startup Q.ai für etwa zwei Milliarden Dollar
Apple hat das israelische Technologieunternehmen Q.ai übernommen und sichert sich damit eine führende Position im Wettbewerb um künstliche Intelligenz für tragbare Geräte. Der Deal erreicht einen Wert von nahezu zwei Milliarden Dollar und stellt damit die zweitgrößte Akquisition in der Unternehmensgeschichte des iPhone-Herstellers dar. Reuters berichtete zuerst von der Transaktion.
Das 2022 in Tel Aviv gegründete Startup hat Technologien entwickelt, die geflüsterte Sprache interpretieren, Audio in lauten Umgebungen verbessern und Mikro-Bewegungen der Gesichtshaut analysieren können. Diese Fähigkeiten ermöglichen es Nutzern, durch stille Sprache mit KI-Assistenten zu kommunizieren, ohne dabei hörbare Worte aussprechen zu müssen.
Die Kernkompetenz von Q.ai liegt in der Verbindung von Bildverarbeitung und maschinellem Lernen. Das Unternehmen hat Verfahren entwickelt, die subtile Aktivitäten der Gesichtsmuskulatur erfassen und daraus Kommunikationsabsichten ableiten. Apple integriert bereits verstärkt KI-Funktionen in seine Audio-Produkte, darunter eine Live-Übersetzungsfunktion für AirPods, die im vergangenen Jahr eingeführt wurde. Die neu erworbenen Technologien könnten sowohl die Kopfhörer-Produktlinie als auch das Vision Pro Headset erheblich aufwerten. Eingereichte Patente zeigen, dass sich die Lösungen von Q.ai besonders für den Einsatz in Kopfhörern und intelligenten Brillen eignen, wo sie eine non-verbale Steuerung von KI-Assistenten ermöglichen.
Strategischer Hintergrund und historische Parallelen
Für CEO Aviad Maizels markiert die Transaktion bereits das zweite Mal, dass er ein Unternehmen an Apple verkauft. Bereits 2013 übernahm der Konzern sein damaliges Unternehmen PrimeSense, das auf 3D-Erfassungstechnologie spezialisiert war. Diese Akquisition spielte eine entscheidende Rolle beim Übergang von Fingerabdrucksensoren zur Gesichtserkennung bei iPhones.
ie aktuelle Übernahme reiht sich hinter dem Kauf von Beats Electronics ein, für den Apple 2014 drei Milliarden Dollar ausgab. Während Meta bereits Smart Glasses der Marke Ray-Ban anbietet, die Nutzern Gespräche mit künstlicher Intelligenz ermöglichen, bereiten Google und Snap konkurrierende Geräte vor, die noch in diesem Jahr auf den Markt kommen sollen.
Das gesamte Gründungsteam von Q.ai wechselt im Zuge der Übernahme zu Apple. Neben Maizels gehören dazu die Mitgründer Yonatan Wexler und Avi Barliya. Das Startup hatte Finanzierung von renommierten Investoren erhalten, darunter Kleiner Perkins, Gradient Ventures und GV, das frühere Google Ventures. Die eingereichten Patentanmeldungen dokumentieren, wie die Technologie in verschiedenen tragbaren Geräten zum Einsatz kommen kann und dabei neue Formen der Mensch-Maschine-Interaktion erschließt.
Intensiver Wettbewerb um tragbare KI-Assistenten
Apple, Meta und Google befinden sich in einem intensiven Wettlauf um die Führung bei der nächsten Generation künstlicher Intelligenz. Alle drei Technologiekonzerne haben ihren Fokus zuletzt verstärkt auf Hardware-Integrationen verlagert. Die Übernahme von Q.ai verschafft Apple einen strategischen Vorteil insbesondere im Audio-Sektor und bei intelligenten Brillen. Der Markt für tragbare KI-Assistenten entwickelt sich zu einem zentralen Schlachtfeld, auf dem sich entscheidet, welche Plattformen die alltägliche Interaktion zwischen Menschen und künstlicher Intelligenz dominieren werden.
Die Bekanntgabe der Akquisition erfolgt wenige Stunden vor der Veröffentlichung von Apples Quartalsergebnissen. Analysten prognostizieren einen Umsatz von etwa 138 Milliarden Dollar für das abgelaufene Quartal. Zudem erwarten Beobachter das stärkste Wachstum bei iPhone-Verkäufen seit vier Jahren. Die Investition in Q.ai unterstreicht Apples Strategie, durch gezielte Übernahmen spezialisierter Technologieunternehmen die eigene Position im KI-Wettbewerb zu festigen und gleichzeitig neue Produktkategorien zu erschließen.

