Rekordstrafe: Apple soll 4,9 Milliarden Euro für iPhone-Vibration zahlen
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Das sanfte Klopfen am Handgelenk könnte Apple teuer zu stehen kommen. Eine Jury in San Diego hat soeben entschieden, dass Apple dem kleinen Haptik-Spezialisten Taction Technology mehr als 5,7 Milliarden US-Dollar (rund 4,9 Milliarden Euro) zahlen soll, berichtet Reuters. Es ist das höchste Urteil in einem Patentstreit in der Geschichte der USA.
Worum es geht
Im Zentrum steht die Taptic Engine, jenes Bauteil, das in iPhones und Apple Watches für Vibrationen und das haptische Feedback sorgt, etwa beim Tippen auf der Tastatur oder bei Benachrichtigungen am Handgelenk. Die Eckpunkte des Falls:
- Die Klägerin: Taction Technology aus San Diego entwickelt Haptik-Technologie für Kopfhörer und Gaming-Headsets.
- Die Patente: Es geht um zwei US-Patente für sogenannte taktile Wandler, die Vibrationen im Bassbereich erzeugen, wie Bloomberg Law berichtet.
- Das Urteil: Die Jury sah beide Patente verletzt, allerdings nicht vorsätzlich. Damit kann Taction keine erhöhte Entschädigung fordern, die nach US-Patentrecht bis zum Dreifachen der Summe betragen könnte.
Der Weg zum Urteil war lang. Taction hatte bereits 2021 geklagt, 2023 wies ein Richter die Klage noch vor dem Prozess ab. Im August 2025 hob das zuständige Berufungsgericht für Patentsachen diese Entscheidung jedoch auf, weil der Richter Gutachten zu Unrecht ausgeschlossen und die Patente falsch ausgelegt habe. Damit kam der Fall doch noch vor die Geschworenen.
Apple will in Berufung gehen
Apple weist die Vorwürfe zurück. „Apples Taptic Engine unterscheidet sich grundlegend von Tactions Technologie“, erklärte das Unternehmen laut American Bazaar. „Apple nutzt Tactions Technologie nicht, und wir werden in Berufung gehen.“
Bis tatsächlich Geld fließt, dürfte also noch viel Zeit vergehen. Zuerst entscheidet die Richterin oder der Richter über Anträge nach dem Prozess, danach geht der Fall erneut an das Berufungsgericht. Dass solche Summen dort gekippt oder deutlich reduziert werden, ist keine Seltenheit.
Ein Prozessfinanzierer im Hintergrund
Pikant ist, wer hinter der Klage steht. Laut Bloomberg Law wurde Taction von Investmentvehikeln finanziert, die mit Burford Capital verbunden sind, einem der weltweit größten Prozessfinanzierer. Solche Firmen bezahlen die teuren Verfahren und bekommen im Erfolgsfall einen Anteil an der Entschädigung. Apple hatte im Verfahren vergeblich versucht, die Finanzierungsvereinbarungen offenlegen zu lassen.
Für Konzerne wie Apple sind solche Klagen ein wachsendes Problem, weil Kläger:innen dank externer Geldgeber:innen auch jahrelange Verfahren gegen Tech-Riesen durchhalten können. Kritiker:innen sehen darin ein Geschäftsmodell, das Patente vor allem als Druckmittel nutzt. Befürworter:innen halten dagegen, dass kleine Erfinder:innen ohne Finanzierung gegen Konzerne mit unbegrenztem Anwaltsbudget chancenlos wären.
Nicht der erste Milliardenstreit
Das bisherige Rekordurteil traf Intel: 2021 sprach eine Jury in Texas dem Patentverwerter VLSI 2,18 Milliarden US-Dollar zu, das Urteil wurde später allerdings aufgehoben. Auch Apple selbst ist mit Patentklagen bestens vertraut. Das California Institute of Technology erstritt 2020 gegen Apple und Broadcom rund 1,1 Milliarden US-Dollar wegen WLAN-Technologie, und im jahrelangen Streit mit dem Medizintechnik-Hersteller Masimo um die Blutsauerstoffmessung musste Apple die Funktion zeitweise aus der Apple Watch in den USA entfernen.
Die 5,7 Milliarden US-Dollar sind für Apple verkraftbar, der Konzern verdient ein Vielfaches davon in einem einzigen Quartal. Sollte das Urteil halten, könnte es aber weitere Haptik-Patentinhaber:innen ermutigen, ihre Ansprüche gegen Smartphone-Hersteller geltend zu machen.

