Batman in der U-Bahn: Warum ein Superheld Fahrgäste freundlicher macht
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Gotham City braucht Batman gegen Verbrecher, Mailand braucht ihn offenbar gegen Sitzplatz-Egoismus. Forscher:innen der Università Cattolica in Mailand haben getestet, ob Fahrgäste in der U-Bahn einer schwangeren Frau eher einen Platz anbieten, wenn ein Mann im Batman-Kostüm im Waggon steht. Das Ergebnis: Mit Batman helfen fast doppelt so viele Menschen. Die Studie ist im Fachjournal npj Mental Health Research erschienen und geht gerade in sozialen Medien wieder viral.
38 gegen 67 Prozent
Der Versuchsaufbau war simpel. Eine Frau, die schwanger wirkte, stieg in die Mailänder U-Bahn und stellte sich in den vollen Waggon. Die Forscher:innen zählten auf insgesamt 138 Fahrten, wie oft ihr jemand einen Sitzplatz anbot. Dann wiederholten sie das Ganze, diesmal mit einem Mann in voller Batman-Montur im selben Waggon.
- Ohne Batman: Rund 38 Prozent der Fahrgäste boten der Frau einen Platz an.
- Mit Batman: Rund 67 Prozent standen auf.
- Wer hilft: In beiden Fällen halfen vor allem Frauen.
- Die Überraschung: Fast die Hälfte der Helfenden gab hinterher an, Batman gar nicht bemerkt zu haben.
Der Autopilot wird unterbrochen
Für den Studienleiter Francesco Pagnini liegt die Erklärung nicht im Superhelden selbst, sondern im Überraschungseffekt. Wer pendelt, schaltet in einen „emotionalen und psychologischen Autopiloten“: Kopfhörer rein, Blick aufs Handy, die Umgebung ausgeblendet. Ein Batman im Waggon stört dieses Muster, selbst wenn man ihn nur aus dem Augenwinkel wahrnimmt. Und wer aus dem Autopiloten gerissen wird, nimmt auch die schwangere Frau wieder wahr.
Die Ergebnisse „spiegeln frühere Erkenntnisse zur Achtsamkeit wider, wonach Präsenz uns tendenziell freundlicher macht“, sagt Pagnini laut Phys.org. Der Effekt hängt also weniger an Batman als an der Neuheit: Jeder ungewöhnliche Reiz, der die Routine durchbricht, könnte ähnlich wirken.
Was Städte daraus lernen könnten
Die Studie ist klein und auf eine Stadt beschränkt, ihre Autor:innen warnen selbst vor zu großen Schlüssen. Trotzdem passt sie in eine Reihe von Erkenntnissen darüber, wie stark Umgebung und Aufmerksamkeit unser Verhalten steuern. Verkehrsbetriebe experimentieren seit Jahren mit Hinweisen und Piktogrammen, um Fahrgäste zu mehr Rücksicht zu bewegen, meist mit mäßigem Erfolg. Der Batman-Effekt legt nahe, dass ein Bruch mit der Gewohnheit mehr bringt als ein weiterer Aufkleber.

