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KI-Wettrüsten von Big Tech: 660 Milliarden Dollar Investitionen lösen Börsenturbulenzen aus

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Die größten Technologiekonzerne der Welt haben ihre Ausgabenpläne für Künstliche Intelligenz auf ein beispielloses Niveau angehoben und damit eine heftige Marktreaktion ausgelöst. Amazon, Microsoft, Google und Meta planen für das laufende Jahr gemeinsame Investitionen in Höhe von 660 Milliarden Dollar – eine Summe, die das Bruttoinlandsprodukt Israels übersteigt.

Gleichzeitig purzeln die Börsenkurse: Allein Amazon, Microsoft und Alphabet haben seit der Veröffentlichung ihrer Quartalszahlen in der vergangenen Woche rund 900 Milliarden Dollar an Börsenwert eingebüßt. Rechnet man Meta hinzu, beläuft sich der Wertverlust der vier großen Cloud- und KI-Anbieter seit Wochenbeginn auf mehr als eine Billion Dollar. Wie berichtet leiden SaaS-Aktien derzeit massiv unter dem Aufstieg von KI, etwa in Gestalt von Claude Cowork von Anthropic.

Besonders drastisch fällt die Ankündigung von Amazon aus. Konzernchef Andy Jassy verkündete am Donnerstag eine Steigerung der Investitionsausgaben um mehr als 50 Prozent auf 200 Milliarden Dollar – 50 Milliarden mehr als von Analysten erwartet. Das Geld soll hauptsächlich in neue Chips und Rechenzentren für KI-Anwendungen fließen. Jassy rechtfertigte die Rekordausgaben mit starker Nachfrage und wegweisenden Gelegenheiten. Die Investitionen übersteigen den jüngsten Jahresumsatz der Cloud-Sparte Amazon Web Services mittlerweile um 55 Prozent – ein ungewöhnlich hohes Verhältnis, das Investoren beunruhigt. Die Aktie verlor nachbörslich fast zwölf Prozent an Wert. AWS-Chef Matt Garman steht nun vor der Herausforderung, die massiven Konzernausgaben durch Cloud- und KI-Geschäft wieder einzuspielen, obwohl die Umsatzwachstumsrate von 24 Prozent deutlich hinter dem Tempo der Investitionssteigerungen zurückbleibt.

Quartal

Meta

Google

Microsoft

Amazon

Gesamt

Q1 23

35

25

30

60

150

Q1 24

45

60

55

90

250

Q1 25

45

120

110

135

410

Q1 26 (Forecast)

140

185

150

200

675

Quelle: Factset, FT research, Company filings

Microsoft und Google kämpfen mit Skepsis trotz Umsatzrekorden

Microsoft traf die Marktreaktion am härtesten: Die Aktie fiel seit der Berichterstattung am vergangenen Mittwoch um 18 Prozent. Die Cloud-Sparte steigerte zwar ihren Umsatz um 26 Prozent auf 51,5 Milliarden Dollar, doch die Wachstumsrate blieb leicht hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig schossen die Ausgaben für Rechenzentren im Quartal um 66 Prozent in die Höhe. Zusätzliche Besorgnis löste die erstmalige Offenlegung der OpenAI-Abhängigkeit aus: 45 Prozent des gesamten Auftragsbestands für künftige Cloud-Verträge im Wert von 625 Milliarden Dollar stammen von dem KI-Start-up.

Auch Alphabet konnte mit Rekordergebnissen nicht überzeugen. Der Google-Mutterkonzern überschritt erstmals die Marke von 400 Milliarden Dollar Jahresumsatz und erzielte 2025 einen Gewinn von 132 Milliarden Dollar. Dennoch verlor die Aktie drei Prozent, nachdem das Unternehmen ankündigte, die Investitionsausgaben auf 185 Milliarden Dollar zu verdoppeln.

Vermögensverwalter und Analysten äußern zunehmend Zweifel an der Nachhaltigkeit dieser Entwicklung. Die Investitionsausgaben wachsen atemberaubend schnell, während die Umsatzsteigerung von 14 Prozent auf kombiniert 1,6 Billionen Dollar den Pessimismus nicht überwinden konnte. Beobachter sprechen von einem Mini-Timeout bei Tech-Aktien, in dem fundamentale Argumente der Unternehmen keine Rolle mehr spielen.

Die erhöhten Ausgaben signalisieren, dass mehr Zeit und Geld erforderlich sein werden, um die vollständigen Versprechen der KI einzulösen. Sorgen vor einer KI-Blase kehren zurück, zumal die geplanten Ausgaben für 2026 einen Anstieg von 60 Prozent gegenüber 410 Milliarden Dollar im Jahr 2025 und sogar 165 Prozent gegenüber 245 Milliarden Dollar im Jahr 2024 bedeuten. Investoren erwarten mittlerweile, dass sich die Ausgaben in einem Zeithorizont in Umsatzwachstum übersetzen, der nach Einschätzung mancher wenig Sinn ergibt.

Apple profitiert durch Outsourcing-Strategie

Als einziger Tech-Riese ging Apple als Gewinner aus der Berichtssaison hervor. Die Aktie legte seit der Veröffentlichung der Quartalszahlen um 7,5 Prozent zu. Das Unternehmen meldete Rekordumsätze von 144 Milliarden Dollar im Quartal, angetrieben durch starke iPhone-Verkäufe in den USA und China. Während die Konkurrenz Milliarden in eigene KI-Infrastruktur pumpt, verfolgt Apple einen grundlegend anderen Ansatz: Die Investitionsausgaben sanken im letzten Quartal um 17 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar, das Jahresbudget beläuft sich auf lediglich etwa 12 Milliarden Dollar.

Im Januar schloss Apple eine Vereinbarung mit Google, um dessen Gemini-Technologie für die Überarbeitung seiner KI-Funktionen einschließlich des Sprachassistenten Siri zu nutzen. Diese Partnerschaft verwandelt Apples KI-Ausgaben in ein nutzungsabhängiges Modell und lagert den Großteil der zugrunde liegenden Infrastrukturkosten an Google aus – was wiederum teilweise Googles erhöhte Investitionspläne für 2026 erklärt.

Die breiteren Marktauswirkungen zeigen sich auch in anderen Segmenten: Software-Aktien gerieten unter Druck aufgrund von Befürchtungen, dass neue KI-Programmiertools von Anthropic und OpenAI ihr Geschäft stören könnten. Der technologielastige Nasdaq-Index fiel in den vergangenen fünf Tagen um vier Prozent. Oracle verlor 18 Prozent an Wert, obwohl das Unternehmen 25 Milliarden Dollar Fremdkapital aufnahm und sein Vertrauen in OpenAI beteuerte.

Die Märkte reagierten auch nervös auf die Bestätigung, dass die geplante 100-Milliarden-Dollar-Investitions- und Infrastrukturvereinbarung zwischen OpenAI und Nvidia nicht zustande gekommen ist. Der Chiphersteller Nvidia, das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt, steht nun vor einem volatilen Marktumfeld, wenn es später im Monat seine Ergebnisse präsentiert. Nach mehr als drei Jahren eskalierender Investitionsausgaben erwarten Investoren ein baldiges Ende der auf Vertrauen in KI basierenden Ausgaben.

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