Bitcoin bei 93.000 Dollar, Öl fällt: Märkte reagieren auf Maduro-Festnahme
Bitcoin hat am Wochenende die Marke von 93.000 Dollar durchbrochen und verzeichnet damit einen Anstieg von rund 2 Prozent innerhalb von 24 Stunden – aktuell hat sich BTC bei etwa 92.500 Dollar eingependelt. Ethereum legte parallel um 1,7 Prozent auf mehr als 3.100 Dollar zu, während der gesamte Kryptomarkt eine Kapitalisierung von 3,2 Billionen Dollar erreicht hat.
Die Rallye fällt zeitlich mit der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Streitkräfte zusammen, die den gestürzten Staatschef nach New York gebracht haben. Dort soll er sich wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit Drogenhandel und Narco-Terrorismus verantworten. Allerdings ist auch einzurechnen, dass der Markt nach den Weihnachtsferien nun langsam wieder aufwacht und in die erste volle Handelswoche des Jahres geht.
Krypto-Rally trotz geopolitischer Spannungen
Marktbeobachter sprechen von einer breiten Risk-on-Bewegung, die sich nicht nur auf Kryptowährungen beschränkt. Asiatische Aktienmärkte wie der südkoreanische Kospi und der japanische Nikkei sind am Montag um jeweils mehr als 2,8 Prozent gestiegen. Analysten führen die Bitcoin-Bewegung auf frische Positionierungen zu Jahresbeginn zurück und sehen die aktuellen Preisniveaus als attraktiven Einstiegspunkt für institutionelle Investoren.
Während Krypto-Assets zulegen, reagieren traditionelle Rohstoffmärkte gegenteilig. Der WTI-Ölpreis ist auf 56,6 Dollar pro Barrel gefallen – der niedrigste Stand seit Februar 2021. Marktteilnehmer preisen offenbar ein, dass die USA künftig Zugang zu den venezolanischen Ölreserven bekommen könnten, was das globale Angebot erhöhen würde. Chevron-Aktien sind um 11 Prozent in die Höhe geschossen, da Investoren erwarten, dass US-Konzerne von einer möglichen Kontrolle über venezolanische Energieressourcen profitieren.
US-Außenminister Marco Rubio hat allerdings klargestellt, dass Washington Venezuela nicht regieren wolle, sondern über eine bestehende Ölblockade politische Veränderungen herbeiführen werde. Große Marktverwerfungen sind am Montag zunächst ausgeblieben, doch Analysten betonen, dass die Eröffnung der US-Aktienmärkte ein wichtiger Test sein wird.
Venezuelas Krypto-Wirtschaft im Fokus
Venezuela hat sich in den vergangenen Jahren zu einem bedeutenden Schauplatz für Kryptowährungen entwickelt. Internationale Sanktionen, der Zusammenbruch der Landeswährung und ein dysfunktionales Bankensystem haben Stablecoins faktisch zu einem Dollar-Ersatz für den Alltag gemacht. Bereits 2018 versuchte das Maduro-Regime mit dem Petro, einer staatlichen Kryptowährung, die angeblich durch Öl- und Mineralreserven gedeckt war, Sanktionen zu umgehen – das Projekt scheiterte jedoch.
Schätzungen gehen davon aus, dass Venezuela über Krypto-Bestände im Wert von bis zu 60 Milliarden Dollar verfügen könnte, die über Rohstoffgeschäfte außerhalb des traditionellen Bankensystems akkumuliert wurden. Blockchain-Analysten haben lange vermutet, dass Caracas Bitcoin und Stablecoins nutzt, um Ölverkäufe abzuwickeln, wenn der Zugang zu Dollar-Korrespondenzbanken blockiert ist.
Möglicher Aufwind für Stablecoins
Kryptowährungen erfüllen in Venezuela eine doppelte Funktion: Sie dienen einerseits als Finanzinfrastruktur für die Zivilbevölkerung in einer fragilen Wirtschaft, bieten aber gleichzeitig staatlich verbundenen Akteuren alternative Abwicklungskanäle, wenn Sanktionen den Zugang zum formellen Finanzsystem einschränken. Nach militärischen Eingriffen bewegen sich die Dinge schneller und werden fragiler, betonen Analysten.
Wenn traditionelle Handels- und Zahlungskanäle gestört werden, wenden sich Menschen und Netzwerke rascher alternativen Wegen zu, um Geld zu bewegen – einschließlich Stablecoins. Drei Frühindikatoren könnten Aufschluss über kommende Veränderungen geben: steigende lokale Prämien bei Stablecoins, Konzentration der Aktivität auf weniger Börsen und OTC-Broker sowie erhöhte Wallet-Rotation und kürzere Haltedauern als Zeichen für Anpassungen an Erkennungsrisiken.
Die internationale Reaktion auf das US-Vorgehen fällt gespalten aus. China, Russland, Iran und Kuba haben die Aktion verurteilt. Der chinesische Außenminister hat erklärt, man akzeptiere nicht, dass irgendein Land beanspruche, Richter über die Welt zu sein. Analysten rechnen damit, dass Krypto eine noch größere Rolle bei Zahlungen und Abwicklungen in Venezuela spielen wird, da Sanktionen traditionelle Kanäle weiter stören.

