Die große Bitcoin-Entäuschung
Was haben wir die letzten Jahre nicht alles gehört: Bitcoin ist ein Schutz vor der Inflation. Bitcoin ist das digitale Gold. Bitcoin schlägt jede Aktien. Bitcoin ist das bessere Geld. Bitcoin-Anhänger von Michael Saylor wurden es nicht müde, uns in Podcasts und YouTube-Videos zu erklären, warum die Kryptowährung einfach alles verändert, vom Sparen bis hin zur Geopolitik.
Manche glaubten gar, dass Bitcoin seinen bisherigen 4-Jahres-Zyklus (mehr dazu hier) verlassen und in einen Super-Zyklus übergehen würde. Angetrieben von der Nachfrage von institutionellen Investoren, von Staaten, letztlich von immer mehr Bitcoinern, würde BTC nun schon bald stetig aufwärts marschieren.
Spätestens die vergangene Woche strafte Bitcoin-Prediger wie Michael Saylor wieder Lügen. Denn Bitcoin hat das gemacht, was es schon so oft gemacht hat: Er ist hart eingebrochen. Hier einmal die Verluste in Zahlen:
- Seit dem Allzeithoch von 126.000 Dollar am 6. Oktober hat Bitcoin 45% an Wert verloren, sich also fast halbiert
- Innerhalb der letzten 30 Tage hat BTC 22% verloren
- Innerhalb der letzten 7 Tage hat BTC 11% verloren
Und das, obwohl eigentlich der selbst ernannte Krypto-Präsident Donald Trump am Steuer der USA sitzt, und wenig unversucht lässt, um die Krypto-Unternehmen, die ihm fleißig spendeten, einen Gefallen nach dem anderen zu tun. Trump ist etwas mehr als ein Jahr an der Macht, und hat bisher Folgendes umgesetzt:
- GENIUS Act für regulierte Stablecoins
- Beendigung des „Krypto-Kriegs“ der SEC, der unter Biden stattfand, gegen Unternehmen wie Coinbase, Ripple usw.
- Ermöglichung des Einzahlens von Bitcoin in die 401(k) Pensionskonten
- Begnadigung von Krypto-Unternehmern wie Binance-Founder Changpeng Zhao, der wegen Geldwäsche im US-Knast saß
- Pushen des CLARITY Acts für Regulierung von Krypto-Assets und Krypto-Unternehmen zwischen SEC und CFTC (Wertpapiere vs Rohstoffe)
- Ein eigener „Crypto Zar“ (sic!) im Weißen Haus
Selbst unter diesen Umständen hatte Bitcoin 2025 eigentlich ein eher mieses Jahr: Zwar hab es neue Allzeithochs rund um Trump-Aktionen, jedoch beendete BTC das Jahr 2025 schlechter als es begann (93.000 vs. 87.000 Dollar) und kippte dann weiter ins Minus bis zu jenen etwa 70.000 Dollar, an denen wir heute stehen. Vergleicht man Bitcoin mit anderen Assets über die letzten 5 Jahre, dann sieht man schnell: BTC ist eigentlich ein schlechtes Investment gewesen.
Bitcoin vs. Gold
Bitcoin wird und wurde immer wieder als digitales Gold bezeichnet, weil es limitiert ist und durch das Halving nur eine bestimmte neue Menge (und immer weniger über Zeit) an BTC in Umlauf kommen. Diese künstliche Verknappung, so die Theorie, sorgt über Zeit bei steigender Nachfrage für steigende Preise. Im Vergleich zu Gold hat sich das aber nicht bewahrheitet:
Hier die Infografiken dazu:
Bitcoin vs Gold über 12 Monate

Bitcoin vs Gold über 5 Jahre

Bitcoin vs. (Tech-)Aktien
Auch bei Aktien, gebündelt in ETFs, sieht es für Bitcoin nicht rosiger aus. Stattdessen hat man zuletzt gesehen, dass sich Bitcoin eher wie eine SaaS-Aktie verhält, die bei schlechten News gleich mal ordentlich absackt.
Bitcoin vs S&P500 und Nasdaq 100 über 12 Monate

Bitcoin vs S&P500 und Nasdaq 100 über 5 Jahre

Die Mär vom Inflationsschutz durch Bitcoin lässt sich so nicht mehr durchhalten, selbst über Zeiträume von fünf Jahren fuhr man mit Gold oder bekannten ETFs besser. Sicher gibt es Langzeit-Hodler, die wieder einmal die Schultern zucken und sagen, dass es schon so oft rauf und runter ging und man das eben aushalten müsse. Nur verliert Bitcoin seine früher angepriesenen Eigenheiten, wenn es sich eben nicht anders als Tech Stocks verhält.
Bei der Financial Times ist man aktuell sogar der Meinung, dass Bitcoin eigentlich nicht 60.000 oder 70.000 Dollar wert ist, sondern eher 0. Wann BTC auf Null fällt, traut sich Autorin Jemima Kelly nicht vorherzusagen. „Es ist schwierig, das Ende einer Spekulationsblase allein auf der Grundlage von Überzeugungen – oder genauer gesagt, auf der Grundlage der Überzeugungen anderer Menschen – vorherzusagen, und Bitcoin könnte noch einige Höhenflüge vor sich haben.“
Jedoch würde derzeit das Wichtigste dahinschwinden, was Bitcoin hat: der Glauben seiner Anhänger und Investoren, dass künftig der Preis steigen wird und sie ihre BTC teurer als heute verkaufen können. „Dieser Glaube beginnt zu schwinden. Diese Woche hat uns gezeigt, dass der Vorrat an „größeren Narren”, auf den Bitcoin angewiesen ist, zur Neige geht. Die Märchen, die die Kryptowährungen über Wasser gehalten haben, entpuppen sich als genau das: Märchen. Die Menschen beginnen zu erkennen, dass etwas, das auf nichts als Luft basiert, keinen Wert hat.“
