ChatGPT verliert mehr als 20% Marktanteil an Gemini; Grok überholt Perplexity
ChatGPT ist zwar immer noch eine Hausnummer, aber Google frisst sich mit Gemini deutlich in seine Marktanteile hinein. Das zeigt der neue Global AI Tracker von SimilarWeb. Die Analyse der weltweiten Website-Traffic-Anteile generativer KI-Dienste offenbart einen klaren Trend: Die anfängliche Quasi-Monopolstellung von ChatGPT erodiert kontinuierlich, während insbesondere Google mit Gemini signifikant aufholt.
Anzumerken bei der Analyse ist, dass sich diese lediglich auf die Web-Zugriffe bezieht und die Nutzung nativer Apps für Smartphone, Tablets und Notebooks nicht mit einbezieht. Dadurch ist etwa nicht klar, wie intensiv ChatGPT und Co etwa auf iPhones oder Android-Handys verwendet wird.
OpenAI unter Druck: Von 86,7 auf 64,5 Prozent
ChatGPT von OpenAI bleibt zwar mit 64,5 Prozent unangefochten Marktführer, verliert jedoch systematisch Boden. Binnen zwölf Monaten schrumpfte der Marktanteil um über 22 Prozentpunkte – von 86,7 Prozent Anfang 2025 auf aktuell 64,5 Prozent. Besonders dynamisch verlief der Rückgang in den vergangenen sechs Monaten, in denen ChatGPT fast 15 Prozentpunkte einbüßte.
Diese Entwicklung spiegelt die zunehmende Reife des Marktes wider. Was zunächst als First-Mover-Vorteil erschien, entwickelt sich zu einem kompetitiven Umfeld mit mehreren etablierten Anbietern. OpenAI sieht sich nicht nur technologischem Wettbewerb ausgesetzt, sondern auch der Herausforderung, seine Pionierstellung gegen Konkurrenten mit teils erheblich größeren Ressourcen zu verteidigen.
Googles Aufholjagd: Vervierfachung in einem Jahr
Der bemerkenswerteste Gewinner der vergangenen zwölf Monate ist zweifellos Google mit seinem KI-Assistenten Gemini. Der Marktanteil vervierfachte sich nahezu von 5,7 Prozent auf aktuell 21,5 Prozent. Damit überschritt Gemini erstmals die symbolisch bedeutsame 20-Prozent-Marke.
Besonders eindrucksvoll verlief die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte 2025: Während Gemini vor sechs Monaten noch bei 8,6 Prozent lag, erreichte der Dienst bis Ende 2025 18,2 Prozent – ein Zuwachs von mehr als dem Doppelten. Die Integration in Googles Ökosystem, von der Suchmaschine über Android bis zu Workspace-Anwendungen, verschafft dem Konzern strukturelle Vorteile bei der Nutzergewinnung.
Die Zahlen deuten darauf hin, dass Google seine anfänglichen Schwierigkeiten im Bereich generativer KI – wie die problematische Einführung von Bard – überwunden hat und nun von seiner Marktmacht sowie seiner technologischen Infrastruktur profitiert.
Das Mittelfeld: Verschiebungen zwischen Grok und Perplexity
Unterhalb der beiden dominierenden Akteure vollziehen sich ebenfalls bemerkenswerte Veränderungen. Grok von xAI, Elon Musks KI-Unternehmen, konnte seinen Marktanteil binnen Jahresfrist von null auf 3,4 Prozent steigern. Bereits vor drei Monaten hatte Grok die 2-Prozent-Marke überschritten, seither beschleunigte sich das Wachstum.
Die Integration in die Social-Media-Plattform X (ehemals Twitter) sowie die öffentlichkeitswirksame Positionierung durch Musk selbst dürften zu dieser Entwicklung beigetragen haben. Mit 3,4 Prozent rangiert Grok mittlerweile nahezu gleichauf mit DeepSeek (3,7 Prozent), dem chinesischen KI-Anbieter, der vor sechs Monaten noch deutlich vor Grok lag (4,8 Prozent).
Perplexity, der auf Suche spezialisierte KI-Dienst, zeigt hingegen eine stagnierende Entwicklung. Nach einem zwischenzeitlichen Höchststand von 2,4 Prozent vor drei Monaten fiel der Marktanteil auf aktuell 2,0 Prozent zurück – und liegt damit erstmals seit Monaten wieder hinter Grok. Vor einem Jahr hatte Perplexity mit 1,9 Prozent noch vor allen aufstrebenden Konkurrenten gelegen.
Diese Verschiebung deutet auf einen intensiven Wettbewerb im Mittelfeld hin, bei dem die Differenzierung der Angebote zunehmend entscheidend wird. Während Perplexity sich als spezialisierter Suchdienst positioniert, profitiert Grok möglicherweise von seiner breiteren Ausrichtung und der Verbindung zur X-Plattform.
Anthropic und Microsoft: Stabile Nischenpositionen
Claude von Anthropic und Microsofts Copilot verharren weitgehend stabil auf ihren Positionen. Claude hält sich seit Monaten konstant bei etwa 2,0 Prozent, während Copilot mit 1,1 Prozent sogar leicht rückläufig ist – bemerkenswert angesichts der engen Integration in Microsoft-Produkte und der strategischen Partnerschaft mit OpenAI.

