PV & Co

Cloover: Berliner Fintech für Energiewende holt 1 Milliarde Euro Finanzierung an Bord

Die Cloover-Gründer. © Cloover
Die Cloover-Gründer. © Cloover
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Es ist eine der größten Finanzierungen, die man in Europa nicht nur im ClimateTech-Bereich, sondern generell in den letzten Jahren gesehen hat: Denn Cloover aus Berlin, spezialisiert auf Finanzierungslösungen für PV-Anlagen, Wärmepumpen und Co, holt sich in einem Mix aus Fremd- und Eigenkapital rund eine Milliarde Euro (1,2 Mrd. Dollar) bei Investoren und einer großen europäischen Bank – und zusätzlich auch noch Garantie des Europäischen Investitionsfonds (EIF) über 300 Millionen Euro. 22 Millionen US-Dollar Eigenkapital kommen von VCs (Lead-Investoren: MMC Ventures, QED Investors), die Fremdkapitalfazilität ist 1,2 Milliarden US-Dollar schwer.

Das große Ziel: Eine Umsatzsteigerung um mehr als das Achtfache 2026, die Prognose liegt bei stattlichen 500 Millionen US-Dollar in Sales für dieses Jahr. Cloover sieht sich dabei nicht als Konkurrent zu Enpal oder 1Komma5°, die direkt an Endkunden verkaufen, sondern als B2B-Partner für Installateure, die eine End-to-End-Softwareplattform brauchen, um Vertrieb, Finanzierung und Betrieb von PV-Anlagen, Wärmepumpen und Co in Eigenheimen optimieren möchten.

Im Interview spricht CEO und Mitgründer Jodok Betschart (er baute zuvor das EventTech-Startup Evenito auf) über die Finanzierung, was damit passieren wird, welche Partnerschaft er mit dem österreichischen Startup Heizma geschlossen hat und wie er die Rolle der Ernuerbaren Energien im KI-Zeitalter neben Atomstrom sieht:

Jodok, erklär uns doch zunächst: Was ist Cloover und was kann es?

Jodok Betschart: Wir haben Cloover vor etwas mehr als zwei Jahren gestartet mit dem Ziel, die Energiewende voranzutreiben und jedem Haushalt zu ermöglichen, energieunabhängig zu werden. Seit KI die Welt überrollt, ist klar geworden, dass wir die Energieangebote erweitern und Energie effizienter und kostengünstiger verfügbar machen müssen. Wir wollen ermöglichen, dass jeder Haushalt mit wenigen Klicks und ohne Vorab-Investment energieunabhängig werden kann.

Wir haben ein KI-Betriebssystem gebaut, das Installationsbetrieben hilft, effizienter zu arbeiten und besser vernetzt zu werden – mit Herstellern, Haushalten, Energieanbietern und Investoren. So können wir energetische Installationen oder Renovationen für 100 bis 150 Euro im Monat anbieten. Wir verbinden KI-Workflow-Tools, Finanzierung, Energie und Beschaffung in einer Plattform.

Trending Topics: Ihr habt gerade eine Finanzierung von 1,22 Milliarden US-Dollar bekommen – eine beeindruckende Summe. Wie setzt sich diese zusammen?

Jodok Betschart: Wir haben 22 Millionen US-Dollar als Eigenkapital in unserer Series A aufgenommen, mit QED und MMC als Co-Leads, gefolgt von Bosch Ventures, BNVT, Lower Carbon, Earthshot Ventures und CentroTech. Gleichzeitig haben wir 1,2 Milliarden US-Dollar als Fremdkapital-Fazilität gesichert.

Diese 1,2 Milliarden nutzen wir, um Anlagen zu finanzieren und Haushalten diese als monatliche Raten anzubieten – für 100 oder 150 Euro im Monat über 25 Jahre finanziert. So hat jeder Haushalt Zugang zu diesen Installationen, ohne warten zu müssen, bis er das Geld angespart hat. Zusätzlich haben wir eine 300-Millionen-Absicherung vom Europäischen Investment Fund erhalten – die beste staatliche Absicherung, die man bekommen kann.

Das heißt, ihr löst eines der Grundprobleme der Energiewende: die hohen Anschaffungskosten. Es ist wie beim Auto – man finanziert es, statt es direkt zu kaufen?

Genau, sehr gut gesagt! Im Automobilbereich ist es völlig normal, dass über 80 Prozent aller Autos finanziert werden. Genau das Gleiche passiert jetzt im erneuerbaren Energiebereich. Wir können diese Anlagen für 100 bis 150 Euro im Monat anbieten, weil wir sie über 20 bis 30 Jahre finanzieren können.

Heutzutage kombiniert man oft mehrere Anlagen: Solaranlage, Batterie, Wärmepumpe, vielleicht noch eine Klimaanlage plus energetische Renovationen. Das kostet schnell 30.000 bis 50.000 Euro. Nicht viele Haushalte haben das Cash sofort verfügbar. Mit unserer Finanzierung können sie sofort starten, haben volle Flexibilität und können jederzeit aussteigen, falls sie beispielsweise Geld erben oder ein anderes Darlehen bekommen.

Seid ihr Climate Tech oder eher Fintech?

Wir sind ein hybrides Modell, das Climate, Fintech und KI-Betriebssysteme verbindet. Wir haben mit über 100 Installationsbetrieben gesprochen und schnell gemerkt: Mit einer reinen Softwarelösung löst man nicht die richtigen Probleme. Kein Installateur braucht nur eine bessere Planungslösung – die brauchen Hilfe bei der Liquidität, um Endkunden zu finanzieren und neue Märkte zu erreichen.

Wir haben mit Betriebskapital und Endkundenfinanzierung angefangen und das dann ausgebaut: Von der Lead-Generierung über den Abschluss bis zum Monitoring des Systems. Nur mit dieser Kombination kann man die Pain Points der Installationsbetriebe und der gesamten Wertschöpfungskette wirklich lösen.

Kommen die Endkunden direkt zu euch oder läuft alles über die Installationsbetriebe?

Wir gehen nicht direkt zum Endkunden, weil wir nicht mit den Installationsbetrieben konkurrieren wollen. Wir fokussieren uns voll auf die Unterstützung der Installationsbetriebe, damit sie effizienter arbeiten können und gegen die großen Anbieter gewinnen können.

Der Installationsbetrieb – meistens sehr lokal und regional – geht vor Ort zum Haus, überzeugt die Besitzer und nutzt dann die Cloover-Plattform für Abschluss, Planung und weitere Schritte. Wir haben einen indirekten B2B2C-Ansatz und verbinden die Installationsbetriebe mit den verschiedenen Stakeholdern der Wertschöpfungskette.

Was ist euer konkretes Geschäftsmodell?

Unsere Haupteinnahme kommt von den Installationsbetrieben. Wir verrechnen eine Software-Plattformgebühr, und der Endkunde zahlt natürlich einen Zins über die Laufzeit von bis zu 25 Jahren. Wir haben eine Mischung aus Software-Plattform-Fees, Zinsraten und zusätzlichen Elementen wie vollintegrierter Versicherung und Energieverträgen. Aber die Haupteinnahmen sind momentan die Software-Fees von den Installationsbetrieben.

Ihr habt ein KI-gestütztes Kreditvergabesystem, das sich nicht nur auf traditionelle Bonitätskennzahlen stützt. Wie funktioniert das?

Das ist einer unserer Hauptunterschiede zu traditionellen Banken. Eine Bank schaut auf die Vergangenheit und Kreditrating-Möglichkeiten. Wir schauen dagegen auch auf zukünftige Energiegewinne und Einsparungen. Wir kennen die Assets, die Installateure, haben Zugang zur Performance der installierten Anlagen und können genau einschätzen, wie viel ein Haushalt sparen wird.

Wir haben die Möglichkeit, neben den normalen Kreditinformationen auch zukünftige Energieersparnisse einzurechnen. So können wir Kunden ein Ratenkaufmodell anbieten, die von einer normalen Bank nicht finanziert würden – etwa Selbstständige oder Menschen in Rente, die noch ein Haus besitzen. Unsere Annahmequote ist viel höher als bei normalen Banken, und wir haben sehr tiefe Ausfallquoten.

Ihr habt eine Kooperation mit dem österreichischen Startup Heizma. Wie sieht so eine Partnerschaft konkret aus?

Heizma ist einer der besten Wärmepumpen-Installateure in Österreich und unser erster Kunde im österreichischen Markt. Sie nutzen die Cloover-Plattform und können jetzt eine Installation, die 30.000 bis 40.000 Euro kostet, für 100 bis 200 Euro im Monat anbieten.

Wenn Heizma vor Ort beim Kunden ist, nutzen sie unsere Plattform, stellen ein paar Fragen, und unser KI-basiertes Underwriting-Modell gibt in Echtzeit einen Entscheid: wie wir die Person finanzieren können, wie lange und zu welchen Konditionen. So hat Heizma die Möglichkeit, Kunden abzuschließen, die vielleicht sonst liegen gelassen worden wären. Schon im Dezember konnten wir viele Abschlüsse machen von Kunden, die bei der Bank keinen Kredit bekommen hätten.

Wie unterscheidet ihr euch von Wettbewerbern wie Enpal oder 1Komma5°?

Enpal und 1Komma5° machen einen super Job, und wir brauchen sie im Markt. Aber wir brauchen eigentlich Hunderte, wenn nicht Tausende solcher Anbieter. Wir unterstützen jeden kleinen mittelständischen Betrieb, dass er mit Enpal und 1Komma5° mithalten kann und die gleichen Möglichkeiten hat.

90 Prozent aller Installationen werden immer noch von lokalen, regionalen Betrieben gemacht, nur etwa 10 Prozent von den Großen. Der skalierbarste Weg ist daher, die bestehenden Betriebe zu unterstützen und effizienter zu machen. Wir wollen keine Installationsbetriebe aufkaufen, keine Hardware selbst lagern. Wir wollen nur die Wertschöpfungskette optimieren – mit Finanzierung, Beschaffung, Installationseffizienz und Energieverwaltung.

Welche Rolle spielt KI bei euch konkret?

KI ist extrem wichtig auf unterschiedlichen Ebenen: bei der Beschaffung, Finanzierung, Installationseffizienz und der Performance-Optimierung der Energiekomponenten. Wir nutzen im Hintergrund OpenAI, Google und andere und bauen darauf basierend eigene KI-Modelle.

Wir haben stark in Talente investiert, einen sehr starken CTO mit 20 Jahren KI-Erfahrung, viele Senior-Leute im Berliner Office. Mit KI kann man viel effizienter arbeiten. Man braucht weniger Junior-Leute, die nur Code ausführen, sondern mehr Leute mit Erfahrung, die wissen, wie man diese Elemente verbindet. Das ist ein Hauptgrund, warum wir die 22 Millionen Eigenkapital aufgenommen haben.

Was kann so ein KI-Betriebssystem für Energie in Zukunft alles leisten?

Wir bieten schon jetzt ein Energiemanagement-System an, das verschiedene Assets wie Solaranlage, Batterie und Wärmepumpe koordiniert. Aber das Potenzial ist noch viel größer. Am Ende sollte jeder Haushalt ein unabhängiger Produzent, Konsument und Marktteilnehmer sein.

Man kann dann eine virtuelle Plattform aufbauen, diese Assets koordiniert steuern und am Markt teilnehmen lassen. Energie ist durch KI zu einer strategischen Ressource geworden. Wir wollen entlang der Wertschöpfungskette Lösungen bieten: beim Einkauf, der Installation, dem Verkaufsprozess und der Verwaltung tausender Assets. Das ist sehr komplex, aber genau das ist unser Ansatz.

Ihr hattet 2025 etwa 8 bis 9 Millionen Euro Umsatz monatlich und wollt 2026 auf eine Run Rate von 500 Millionen kommen. Wie soll das gelingen?

Die 8,5 bis 9 Millionen per Ende Dezember (gemeint ist MRR, Anm.) entsprechen hochgerechnet fast 100 Millionen Umsatz-Runrate. Bis Ende 2026 wollen wir auf 35 bis 40 Millionen im Monat kommen, das ergibt dann die 500 Millionen Run Rate. Wir haben uns 2025 fast verzehnfacht, sind profitabel gewachsen. Eine Vervierfachung 2026 ist definitiv machbar.

Viele sprechen vom Abschwung der Solarbranche. Wie siehst du das – gerade mit Blick auf die Atom-Renaissance im Zuge der KI-Welle?

Wir brauchen alle Energiekomponenten – Atomkraftwerke und erneuerbare Energien. Die sind nicht ausschließend, sondern komplementär. Der Atomausbau wird noch 20 bis 30 Jahre dauern. In den nächsten 20 bis 30 Jahren brauchen wir einen starken Ausbau erneuerbarer Energiekapazitäten: Solar, Wärme, Kälte.

Es braucht in den nächsten 10 bis 20 Jahren Millionen Klimaanlagen, da es immer heißer wird und die Produktivität sinkt. Viele Betriebe entwickeln sich von reinen Dachmonteur zu holistischen Energieanbietern, die verschiedene Elemente kombinieren. Das unterstützen wir mit unserer Lösung – damit aus einem Dachmonteur ein ganzheitlicher Energieanbieter wird.

Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Jodok, und weiterhin viel Erfolg!

Vielen Dank – hat mich sehr gefreut!

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