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„Da ist die Börse der richtige Weg“: oekostrom AG plant große Investitionen

Windrad. © oekostrom AG
Windrad. © oekostrom AG

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„IPO Spotlight“: Gemeinsam mit der Wiener Börse sprechen wir mit einigen der besten Expert:innen Europas über den Weg von Unternehmen und Scale-ups an die Börse.

Börsenreif ist sie längst, an der Börse ist sie noch nicht: Die oekostrom AG hat nach Angaben ihres CEO Ulrich Streibl praktisch alle Voraussetzungen für ein Listing erfüllt, ihre Aktien wechseln aber weiterhin über eine firmeneigene Handelsplattform den Besitzer. Das 1999 aus der Anti-Atom-Bewegung entstandene Unternehmen betreibt mehr als 40 Kraftwerke in Österreich, Deutschland, Tschechien und der Slowakei, beliefert über 100.000 Kund:innen und gehört rund 3.100 Aktionär:innen.

Soeben hat die oekostrom AG ihre vierte Kapitalerhöhung in zehn Jahren gestartet. Im Podcast „IPO Spotlight“, den Trending Topics gemeinsam mit der Wiener Börse produziert, spricht Streibl darüber, wofür das Geld gedacht ist, wie groß der Schritt an die Börse noch ist und warum der ATX ein langfristiges Ziel ist. Die ganze Folge gibt es hier zum Nachhören.

>>> Tipp: Aktuell können sich Interessierte zum IPO-Readiness-Bootcamp der Wiener Börse mit EY am Donnerstag unter www.wienerborse.at/listing/boersegang-ipo/workshop/ bis zum 30. September anmelden.

Von 50 auf 150 Megawatt in sechs Jahren

Die oekostrom AG erzeugt Strom ausschließlich aus Wind und Photovoltaik, handelt mit Strom und beliefert Endkund:innen. Als Streibl 2020 an die Spitze des Unternehmens kam, lag die installierte Leistung bei rund 50 Megawatt, bis Ende 2026 sollen es 150 Megawatt sein. „Diese 150 Megawatt, die sind bereits finanziert. Das ist sozusagen die Konsequenz der letzten Kapitalerhöhung“, sagt der CEO. „Aber wenn man sehr schnell wächst, dann muss man immer wieder Kapital aufnehmen von außen.“

Den Rückenwind sieht Streibl als gesichert: Bis 2040 dürfte sich der Strombedarf in Österreich durch Elektromobilität, Wärmepumpen und KI-Rechenzentren ungefähr verdoppeln. „Damit haben wir sozusagen eine Wachstumsgarantie als Branche.“

Wofür die neue Kapitalerhöhung gedacht ist

Das frische Eigenkapital soll in eine 16-Megawatt-Agri-PV-Anlage in Oberösterreich, den ersten Großspeicher des Unternehmens (18 Megawattstunden, 9 Megawatt Leistung) und zwei Windkraftprojekte in Niederösterreich fließen. „Wir schauen auf einen Gesamtinvestitionsbedarf von 30 bis 40 Millionen“, sagt Streibl, davon würden typischerweise 20 bis 30 Prozent aus Eigenkapital finanziert. Derzeit läuft die Bezugsrechtsphase für bestehende Aktionär:innen, in den nächsten Tagen sollen auch neue Anleger:innen zeichnen können.

„Man kann mit erneuerbarer Energie gutes Geld verdienen“

Institutionelle Großaktionär:innen gibt es bei der oekostrom AG keine. Das Unternehmen befindet sich in Streubesitz, niemand hält mehr als fünf Prozent der Anteile. Die bisherigen Kapitalrunden über eine, vier und zwölf Millionen Euro wurden über den bestehenden Aktionär:innenkreis und dessen Umfeld platziert. „Unsere Aktionär:innen haben es dann Freunden erzählt und die wieder ihren Freunden und so konnten wir uns eigentlich immer sehr gut finanzieren“, sagt Streibl.

Als Argument für Anleger:innen führt er die Kursentwicklung an: „Wer bei uns investiert hat vor zehn Jahren, der hat jetzt dreimal so viel, weil sich der Aktienkurs verdreifacht hat.“ Zudem sei in fast jedem Jahr eine Dividende ausgeschüttet worden. Ökologie und Ökonomie sieht der CEO dabei in Symbiose: „Man kann mit erneuerbarer Energie gutes Geld verdienen.“

Ulrich Streibl, CEO der oekostrom AG. © oekostrom AG

Eigener Handelsplatz als „Vorstufe zur Börse“

Gehandelt wird die Aktie bislang über eine eigene Plattform, die laut Streibl „im Grundsatz eigentlich wie eine Börse“ funktioniert, „nur ist er tatsächlich ein bisschen handgestrickter“. Kauf- und Verkaufswünsche werden dort angezeigt, auf Knopfdruck wird ein Kaufvertrag erstellt. Für Aktionär:innen fallen dabei keine Kosten an, ein Depot ist nicht nötig. Der Nachteil: Die Abwicklung ist weniger automatisiert als an einer Börse, Verträge müssen unterschrieben und Ansprechpersonen kontaktiert werden.

„Ich würde sagen, wir sind so in der Vorstufe zur Börse“, sagt Streibl. Die Frage eines Listings sei bereits 2019 in der Aktionär:innenschaft diskutiert worden und habe „sehr hohe Zustimmung“ bekommen. Anschließend habe man das Unternehmen börsenfit gemacht und ein Börsengang wäre jederzeit möglich. „ Es gibt sicherlich noch immer ein paar Nachschärfungen zu tun, aber wir könnten das relativ schnell tun.“

Dass es bisher nicht dazu kam, begründet der CEO mit fehlendem Bedarf: Das Kapital sei über die Innenfinanzierung und die klassischen Kapitalerhöhungen ausreichend hereingekommen. Zwei der drei bisherigen Runden gingen fast ausschließlich an Bestandsaktionär:innen.

Börse als Kapitalquelle und Qualitätssiegel

Mit dem nächsten Wachstumsschritt dürfte sich das ändern. Die oekostrom AG will sich in den kommenden zehn Jahren mindestens verdoppeln. Streibl rechnet mit weiteren 150 Megawatt zu rund 2 Millionen Euro pro Megawatt, also etwa 300 Millionen Euro Investitionsvolumen. „Davon 20, 30 Prozent Eigenkapital. Dann reden wir über 50, 60, 70 Millionen Eigenkapital. Das können wir auf dem Weg, wie wir es bisher gemacht haben, wahrscheinlich nicht mehr holen. Da ist dann die Börse der richtige Weg.“

Neben dem breiteren Zugang zu Kapital nennt Streibl ein zweites Argument: „Ich bin ein großer Börsenfan. Nicht nur, weil die Kapitalaufnahme natürlich einfach ist, sondern weil die Börse zu Compliance zwingt. Die Börse ist auch ein Siegel für Compliance.“ Die Regeln halte man zwar schon heute ein, „aber wir haben diesen Nachweis nicht“.

Bereit für den Kapitalmarkt

Technisch sieht Streibl das Unternehmen weitgehend vorbereitet. Für die Kapitalerhöhung wurde ein von der Finanzmarktaufsicht FMA gebilligter Kapitalmarktprospekt erstellt, begleitet von Anwält:innen, Wirtschaftsprüfer:innen und Steuerberater:innen. Die oekostrom AG veröffentlicht Geschäftsberichte, meldet Directors‘ Dealings und prüft intern bei jeder Transaktion, ob sie als börsennotiertes Unternehmen ad-hoc-pflichtig wäre. „Das machen wir sozusagen als Trockenübung“, sagt Streibl.

Offen ist vor allem die Größe. „Ich glaube, dass wir an der unteren Grenze dessen sind, was es braucht, um an der Börse zu sein“, sagt der CEO. Eine Börse verlange viel ab, Reporting-Pflichten seien „scharf gestellt“ und verursachten Kosten. „Wenn wir noch ein bisschen größer wären, wäre es mir wahrscheinlich lieber.“ Nach der kommenden Wachstumswelle könnte der richtige Zeitpunkt erreicht sein.

Liquidität braucht Sichtbarkeit

Als Handelsplatz liegt für das österreichische Unternehmen Wien nahe. Seine Erwartungen formuliert Streibl aus Sicht der Anleger:innen, im Zentrum steht die Liquidität. Mit rund 3.100 handelsbereiten Aktionär:innen bringe die oekostrom AG hier eine gute Ausgangslage mit.

Neben einem Listing ist für Streibl auch die Unterstützung ein wichtiger Faktor: Die Wiener Börse müsse helfen, das Unternehmen bekannter zu machen und neue Investor:innen anzusprechen, „und das tut die Börse ja auch“.

Starten würde die oekostrom AG vermutlich im Einstiegssegment, dem direct market plus. Den Sprung in den Leitindex will Streibl dennoch nicht ausschließen: „Wenn schon Börse, dann darf man auch groß denken.“ Im ATX seien zwar Unternehmen, „die sind ein bisschen größer als wir“, das würde „schon ein paar Jahre dauern“. Aber: „Ich glaube, den Traum muss man dann auch träumen.“

An der Börse in fünf Jahren?

Wo sieht Streibl das Unternehmen in fünf Jahren? „Hoffentlich noch größer und noch ertragsstärker und trotzdem so sympathisch, wie sie ist.“ Mit rund 100 Mitarbeiter:innen sei die oekostrom AG „noch ein bisschen Familie“, diesen Charakter wolle er erhalten.

Und die Aktie? „Ich würde uns durchaus an der Börse sehen in fünf Jahren.“

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