Deep Space Energy holt sich 930.000 Euro für Radioisotop-Generator für Satelliten und Mondmissionen
Das lettische Weltraum-Startup Deep Space Energy hat eine Pre-Seed-Runde abgeschlossen und insgesamt 930.000 Euro eingesammelt. Das Kapital soll die Entwicklung eines neuartigen Radioisotop-Generators vorantreiben, der sowohl strategische Satelliten-Infrastruktur in Europa absichern als auch Mondmissionen mit Energie versorgen soll.
Technologie basiert auf Radioisotopen
Die Jungfirma sicherte sich 350.000 Euro von Outlast Fund und Angel-Investor Linas Sargautis, dem früheren Co-Founder von NanoAvionics. Weitere 580.000 Euro fließen über öffentliche Verträge und Grants von der European Space Agency (ESA), NATO DIANA und der lettischen Regierung.
Radioisotope bilden die Grundlage für die Technologie von Deep Space Energy. Dabei handelt es sich um Materialien aus nuklearem Abfall, die durch natürlichen Zerfall Wärme erzeugen. CEO Mihails Ščepanskis erklärt, dass ihre Lösung diese Wärme in elektrische Energie umwandelt und dabei fünfmal weniger Radioisotop-Brennstoff benötigt als ein thermoelektrischer Generator (RTG), der aktuell im Weltraum eingesetzt wird.
Für 50 Watt Leistung braucht Deep Space Energy rund 2 Kilogramm Americium-241, während RTG-Systeme etwa 10 Kilogramm für vergleichbare Leistung benötigen. Bei einer prognostizierten Produktionskapazität von circa 10 Kilogramm Americium-241 pro Jahr bis Mitte der 2030er-Jahre könnte diese Effizienz Mond-Explorationsmissionen mehr als fünf Jahre früher ermöglichen und das Missionsvolumen verfünffachen.
Awendungen in DefenseTech und Raumfahrt
„Unsere Technologie, die bereits im Labor validiert wurde, hat mehrere Anwendungen in den Bereichen Verteidigung und Raumfahrt. Zunächst entwickeln wir eine zusätzliche Energiequelle, um die Widerstandsfähigkeit strategischer Satelliten zu erhöhen. Sie bietet Redundanz für Satelliten-Stromversorgungssysteme, indem sie Backup-Energie liefert, die nicht von Solarenergie abhängt, was sie für hochwertige militärische Aufklärungsanlagen entscheidend macht“, sagt Ščepanskis.
Der Generator zielt auf High-Value-Satelliten in mittlerer Erdumlaufbahn (MEO), geostationärer Umlaufbahn (GEO) und hochelliptischen Bahnen (HEO) ab – allesamt kritisch für militärische Aufklärung und Frühwarnsysteme. Die Anwendungen reichen von Synthetic-Aperture-Radar-Satelliten, die Truppenkonzentrationen durch Wolken und Vegetation erkennen, über Signal Intelligence bis hin zu Raketenstart-Detektion für Anti-Raketen-Abwehrsysteme.
Ščepanskis verweist auf den Ukraine-Krieg als Beleg für die strategische Bedeutung satellitengestützter Aufklärungsdaten. „Da Europa versucht, unabhängiger zu werden, ist es unerlässlich, selbst Satelliten mit fortschrittlichen Fähigkeiten zu produzieren. Unsere Technologie bietet eine zusätzliche Energiequelle für Satelliten, die sie widerstandsfähiger gegen nicht-kinetische Angriffe und Fehlfunktionen macht“, so der CEO. Der Generator sei jedoch nicht für Waffensysteme konzipiert. Er soll vielmehr die Resilienz und operative Zuverlässigkeit von Dual-Use-Satelliten erhöhen.
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Deeo Space Energy zielt auf den Mond
Langfristig fokussiert sich Deep Space Energy auf die Mond-Ökonomie. Die Technologie adressiert kritische Energie-Herausforderungen für NASA- und ESA-Programme wie Artemis, Argonaut und Mondrover-Missionen sowie das Moon-Village-Framework. Auf dem Mond sinken die Temperaturen nachts unter minus 150 Grad Celsius, und Nächte dauern rund 354 Stunden. Hierbei fällt Solarenergie aus.
Der Radioisotop-Generator ermöglicht Mondnacht-Überleben und Operationen in permanent verschatteten Regionen, was erweiterte Scouting- und Prospektionsmissionen erlaubt. Ščepanskis hebt hervor, dass die Technologie die Ökonomie von Mondrover-Missionen signifikant verbessert, indem sie mehrere Tag-Nacht-Zyklen über Jahre hinweg ermöglicht. Bei Transportkosten von bis zu einer Million Euro pro Kilogramm Nutzlast zum Mond spart eine verlängerte Rover-Lebensdauer Hunderte Millionen Euro.
Egita Poļanska, Partnerin bei Lead-Investor Outlast Fund, sieht die Investition im Einklang mit den strategischen Zielen des Fonds: „Die Weltraum-Energietechnik steckte jahrzehntelang in gewissen Grenzen fest, aber wir sehen endlich, wie sich die Teile für einen echten Durchbruch zusammenfügen – neue Materialien, intelligentere Stromsysteme und tatsächliche kommerzielle Nachfrage für Mondoperationen. Deep Space Energy baut die Infrastruktur auf, die buchstäblich das nächste Kapitel der Weltraumforschung und -industrie antreiben wird.“
Angel-Investor Linas Sargautis, der auch als Advisor ins Führungsteam einsteigt, betont die Bedeutung für die baltische Region: „Die baltische Region wird zunehmend für ihre Innovation in der Weltraumtechnologie anerkannt, wobei Deep Space Energy ein weiteres starkes Beispiel darstellt.“ Er will das Team mit führenden Space-Systems-Integratoren vernetzen und die Expansion sowie Contracting-Pläne unterstützen, um Expertise auf Subsystem-Integrationsebene aufzubauen.

