Deutschland verspricht erstmals den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas
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Klimaneutral wollte Deutschland schon lange werden, jetzt sagt es auch dazu, wie: ohne fossile Energie. Die Bundesregierung hat soeben erstmals einen ausdrücklichen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas bis 2045 zugesagt. Bisherige Zusagen galten nur der „Klimaneutralität“, in der neuen Roadmap steht nun schwarz auf weiß die „Abkehr“ von fossilen Brennstoffen, berichtet der Guardian. Und das mitten in einer heftigen Debatte über die grüne Politik des Landes.
Was in der Roadmap steht
Vorgelegt hat den Fahrplan Umweltminister Carsten Schneider. Die wichtigsten Punkte:
- Strom: Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung soll von derzeit rund 55 auf 80 Prozent im Jahr 2030 steigen. Dafür sind zusätzlich 12 Gigawatt Windkraft an Land und 215 Gigawatt Solarleistung bis 2030 vorgesehen.
- Kohle: Der Kohleausstieg bis spätestens 2038 wurde bekräftigt, mit der Möglichkeit, ihn auf 2035 vorzuziehen.
- Methan: Die Emissionen des Treibhausgases, das rund 80-mal stärker wirkt als CO₂, sollen bis 2030 um 30 Prozent sinken. Das entspricht dem globalen Methan-Versprechen von 2021.
- Ziel: Bis 2045 soll Deutschland klimaneutral sein und ohne fossile Energie auskommen.
Wie groß die Aufgabe ist, zeigt eine Zahl aus dem Umweltministerium, die Solarserver zitiert: 2024 deckten fossile Energieträger noch 65 Prozent des deutschen Energieverbrauchs, die Importe kosteten rund 76 Milliarden Euro. „Wir müssen die Abhängigkeit von fossilen Energien überwinden und wir können sie überwinden“, sagt Schneider. Die Roadmap sei nicht nur eine Klimastrategie, sondern auch eine wirtschaftspolitische.
Lob mit Vorbehalt
Klimaschützer:innen sehen einen Fortschritt, aber auch Widersprüche. Andreas Sieber von 350.org spricht von einem „bemerkenswerten Wandel“, weil der Ausstieg aus fossilen Energien nun ein ausdrückliches Ziel ist. Gleichzeitig kritisiert er, dass das Wirtschafts- und Energieministerium den Ausbau von Gaskraftwerken vorantreibe: „Das Wirtschaftsministerium sabotiert die Abkehr von fossilen Energien immer wieder.“
Die frühere deutsche Klimabeauftragte Jennifer Morgan fordert mehr Tempo bei der Elektrifizierung von Verkehr und Heizung: „Eine Roadmap ist nur die Startlinie.“ Die Deutsche Umwelthilfe verweist darauf, dass die Bundesregierung gleichzeitig daran arbeite, das EU-Verbrenner-Aus für Neuwagen ab 2035 zu kippen.
Wie umkämpft das Thema ist, zeigt der Streit um die Wärmepumpe. Nach dem Heizungsgesetz von 2023 machte die AfD das Thema zum Wahlkampfschlager, Anfang des Jahres wurden die Regeln abgeschwächt. Trotzdem sind Wärmepumpen inzwischen bei rund der Hälfte aller neuen Heizungen die erste Wahl.
Dritter großer Industriestaat
Deutschland ist nach Frankreich und den Niederlanden der dritte große Industriestaat, der eine solche Roadmap veröffentlicht. Alle Teilnehmer:innen einer internationalen Konferenz in Kolumbien im April hatten sich dazu verpflichtet. Großbritannien, das im Dezember die G20-Präsidentschaft übernimmt, hat seinen Fahrplan noch nicht vorgelegt. Österreich, das sich Klimaneutralität bis 2040 zum Ziel gesetzt hat, ebenfalls nicht.

