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ecop: Österreichs Rotationswärmepumpe startet 2026 in den Industrieeinsatz

Bernhard Adler, Gründer und CTO von ecop (links) und Fabian Sacharowitz, CEO von ecop. © ecop
Bernhard Adler, Gründer und CTO von ecop (links) und Fabian Sacharowitz, CEO von ecop. © ecop

Das österreichische Cleantech-Startup ecop steht vor einem entscheidenden Jahr. 2026 liefert das Jungunternehmen aus Wiener Neudorf erstmals seine Industrie-Wärmepumpen an Kunden aus. Hierbei handelt es sich um eine Technologie, die Gründer Bernhard Adler seit 2011 mit seinem Team entwickelt. „Wir haben die letzten zwei Jahre fleißig mit der Rotationswärmepumpe eine neue Generation aufgebaut mit einem neuen, innovativen Motorprinzip“, erklärt CEO Fabian Sacharowitz im Gespräch. Die ersten drei bestellten Wärmepumpen will das Startup nun ausliefern und in Betrieb nehmen.

Rotationsprinzip statt Kompressor

ecop setzt auf ein fundamental anderes Konzept als herkömmliche Wärmepumpen. Während konventionelle Systeme mit Kompressoren und Arbeitsmedien arbeiten, die einen Phasenübergang durchlaufen, nutzt das Startup einen reinen Gasprozess. Die Kompression erfolgt durch Rotation – daher der Name Rotationswärmepumpe. „Wir können die Wärmepumpe über einen sehr breiten Temperaturbereich nutzen. Also ob wir jetzt von minus 10 auf 90 Grad heben oder von 50 auf 150, das ist der Wärmepumpe relativ egal“, meint Sacharowitz.

Drei zentrale Vorteile verspricht ecop. Erstens erreicht die Technologie Temperaturen bis 200 Grad Celsius. Herkömmliche Hochtemperatur-Wärmepumpen dagegen erreichen ihre Obergrenzen bei nur etwa 130 bis 170 Grad. Zweitens arbeitet das System mit einem Edelgas als Arbeitsmedium. Dieses soll völlig ungefährlich, nicht brennbar und nicht klimaschädlich sein. Damit entfallen die Probleme mit klimaschädlichen F-Gasen oder giftigen beziehungsweise brennbaren natürlichen Kältemitteln wie Ammoniak oder Butan. Drittens ermöglicht die breite Temperaturflexibilität vielfältige Einsatzbereiche.

Erste Kundenprojekte von Norddeutschland bis Italien

Die ersten beiden Wärmepumpen gehen an konkrete Industrieprojekte. Eine Anlage wird in Meldorf in Norddeutschland installiert, und zwar in einem Nahwärmeprojekt mit saisonalem Wärmespeicher. Dort nimmt ein großes Wasserbecken Abwärme einer Druckerei auf. Zwei ecop-Wärmepumpen sollen die Abwärme in den Speicher heben oder alternativ Außenluft als Wärmequelle nutzen. Im Winter speist das System dann das Fernwärmenetz. Die zweite Anlage geht nach Italien und nimmt dort noch 2026 in einer Pasta-Produktionsanlage den Betrieb auf.

Die Dimensionen sind beachtlich: Mit 700 Kilowatt thermischer Leistung wiegt eine ecop-Wärmepumpe knapp zehn Tonnen. Sie ist etwa sechs Meter lang, anderthalb Meter tief und knapp zwei Meter hoch. Zum Vergleich: Eine Haus-Wärmepumpe liefert typischerweise fünf bis maximal acht Kilowatt. Im Inneren rotieren rund sechs Tonnen Masse mit hohen Drehzahlen.

CO2-Vermeidung trifft Wirtschaftlichkeit

Für Industrieunternehmen ist die Technologie von ecop sehr attraktiv. Sie bietet eine einzigartige Möglichkeit, CO2 zu vermeiden. Die Amortisationszeiten variieren je nach Anwendungsfall. Wenn Unternehmen sowohl Kälte als auch Wärme benötigen (zum Beispiel Molkereien, die Milch kühlen und pasteurisieren), können sich Investitionen bereits nach drei Jahren oder schneller rechnen. In anderen Fällen liegen die Payback-Perioden bei über fünf Jahren. Dann spielen neben Kostenersparnis auch CO2-Vermeidung, Preisstabilität und Image eine Rolle für die Investitionsentscheidung.

ecop zielt auf Industrieprozesse bis 200 Grad ab. Damit bespielt das Startup ein breites Feld. Dampferzeugung in diesem Temperaturbereich findet sich in Lebensmittel- und Getränkeproduktion, Automotive, Chemie, Textil- und Papierindustrie. In diesen Bereichen kann die Wärmepumpe Gas komplett durch Strom ersetzen.

EU Innovation Fund und strategischer Partner KSB

Bereits jetzt hat das Jungunternehmen vom EU Innovation Fund eine positive Evaluierung erhalten und arbeitet am Abschluss eines Grant Agreements. Dieses würde den Aufbau einer Serienproduktion in Österreich unterstützen. Geplant wäre diese für 2028/2029.

2025 gewann ecop in einer Series A-Runde den deutschen Pumpenhersteller KSB als strategischen Investor. KSB arbeitet eng mit dem Startup zusammen und ergänzt seine Tätigkeit in Fertigung und Industrialisierung. Vor der Skalierung steht allerdings die Bewährungsprobe: Die drei Referenzanlagen müssen 2026 erfolgreich laufen, Daten liefern und Kunden überzeugen.

Politisches Klima als Herausforderung für CleanTech

Auch die aktuelle politische Landschaft macht es einem CleanTech-Unternehmen wie ecop nicht gerade leicht. Seit Trumps Amtsantritt verliert Climate-Tech an politischem Rückenwind, die EU rudert bei Richtlinien zurück. Laut Sacharowitz sind viele Unternehmen immer noch für klimaschonende Maßnahmen, setzen diese jedoch vor diesem Hintergrund deutlich langsamer in die Tat um.

Dennoch sieht sich die Jungfirma in einer robusten Position. Wärmepumpen sind eine etablierte Technologie, die viele Menschen bereits kennen. Zudem existieren starke Förderprogramme für industrielle Wärme in Österreich, Deutschland und auf EU-Ebene. Der EU Innovation Fund hat gerade neue Auktionen gestartet.

Ein langjähriger Unterstützer von ecop ist der OÖ Hightechfonds. Dieser hat sich an dem Unternehmen bereits im Jahr 2012, nur ein Jahr nach der Gründung, zum ersten Mal finanziell beteiligt. Seitdem hat der Fonds die Entwicklung von ecop mit großer Spannung beobachtet. „ecop hat seine wegweisende Technologie über viele Jahre hinweg entwickelt. Umso mehr freut es uns, dass die Rotationswärmepumpe in diesem Jahr wirklich in den Industrieeinsatz kommt. Wir sehen ecop als ein Paradebeispiel für den langen Atem, der aus einem Startup letztendlich ein Scale-up macht“, sagt Thomas Meneder, Geschäftsführer des OÖ HightechFonds.

Datenzentren vielversprechender Zukunftsmarkt für ecop

Ein weiteres Einsatzfeld rückt für ecop derzeit in den Fokus: Rechenzentren. Diese produzieren massive Abwärme beim Kühlen der Server, typischerweise bei etwa 35 Grad. Diese Wärme wird heute meist über Rückkühler auf dem Dach in die Atmosphäre entlassen. Herkömmliche Wärmepumpen können diese Abwärme jedoch aufnehmen und für Fernwärme nutzen. Dafür benötigen sie allerdings zusätzlich zum Kühler eine separate Wärmepumpe.

Die Rotationswärmepumpe von ecop kann beides in einem Schritt: Kühlen und gleichzeitig auf Fernwärme-Temperaturen heben. „Da gibt es dann nicht mehr einen Kühler und eine Wärmepumpe, sondern nur noch eine Anlage von uns, die gleichzeitig kühlt und wärmt. Das ist viel effizienter, als zwei Anlagen zu haben“, so Sacharowitz. Mit Wiens geplanter AI-Gigafactory, die Abwärme ins städtische Fernwärmenetz einspeisen soll, könnte sich hier ein konkretes Projekt ergeben.

2026: Jahr der Bewährung nach 15 Jahren Entwicklung

ecop startete schon 2011 mit der Grundlagenforschung. Gründer Bernhard Adler entwickelte das Rotationsprinzip von Grund auf neu. Mehrere Prototypen-Generationen folgten. 2021 lieferte die Jungfirma bereits eine erste Wärmepumpe mit altem Rotorkonzept aus und sammelte Industrieerfahrung. Die aktuelle Generation mit neuem Motorprinzip steht nun bereit.

Das Startup hält mehrere Patente auf die Technologie und sieht sich in dieser Hinsicht gut geschützt. Die Meilensteine für 2026 sind klar definiert: Auslieferung und Inbetriebnahme der drei Referenzanlagen, Datenerhebung im Betrieb, möglicherweise weitere Verkäufe. 2027 soll dann die Skalierung folgen. Nach 15 Jahren Entwicklung wird 2026 zum Jahr der praktischen Bewährung, denn hier sollen die Rotationswärmepumpen erstmals kontinuierlich industrielle Prozesse mit Wärme versorgen.

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