Klage

Elon Musk vs Sam Altman: Die brisantesten OpenAI-Stories aus der Klage

Einstige Wegggefährten: Elon Musk und Sam Altman. © Daniel Oberhaus / Village Global (CC BY 2.0 DEED via Flickr)
Einstige Wegggefährten: Elon Musk und Sam Altman. © Daniel Oberhaus / Village Global (CC BY 2.0 DEED via Flickr)
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Elon Musk verlangt in seiner Klage gegen OpenAI und Microsoft eine Schadensersatzsumme zwischen 79 und 134 Milliarden Dollar, wie Bloomberg zuerst berichtete. Der Tesla-Chef wirft dem KI-Unternehmen vor, ihn betrogen zu haben, indem es seine ursprüngliche gemeinnützige Mission aufgegeben habe. Die geforderte Summe basiert auf einem Gutachten des Finanzökonomen C. Paul Wazzan, der auf Bewertungen und Schadensberechnungen in komplexen Wirtschaftsrechtsstreitigkeiten spezialisiert ist und laut eigenen Angaben bereits in zahlreichen vergleichbaren Fällen als Gutachter tätig war.

Wazzan begründet die Forderung damit, dass Musk aufgrund seiner 38-Millionen-Dollar-Anfangsinvestition bei der Mitgründung von OpenAI im Jahr 2015 Anspruch auf einen erheblichen Anteil an der aktuellen Unternehmensbewertung von 500 Milliarden Dollar habe. Die geforderte Entschädigung würde einer etwa 3.500-fachen Rendite auf Musks ursprüngliche Investition entsprechen. Im Kern geht es in dem Rechtsstreit um die Frage, ob OpenAI durch den Wandel von einer gemeinnützigen Organisation zu einem gewinnorientierten Unternehmen seine Gründungsprinzipien verraten hat.

Aus der Klageschrift von Elon Musk gegen OpenAI-CEO Sam Altman bzw. einem Blogpost von OpenAI in Reaktion auf die Klage kann man ziemlich viele Details aus der Entstehungsgeschichte von OpenAI lesen, die ein schiefes Licht auf viele der Beteiligten wirft:

Die brisanten Details aus der Musk-Klage gegen OpenAI

1. Finanzielle Diskrepanz der Gründer

Musk zahlte 38 Millionen Dollar ein, während die anderen Gründer kaum etwas beitrugen.

„In sharp contrast to Musk’s $38 million, Altman contributed only $3.8 million to OpenAI. […] Brockman never contributed anything.“

2. Vorwurf des „Get-rich-quick“-Schemas

Musk wirft den Gründern vor, die Non-Profit-Organisation nach seinem Ausscheiden in ein reines Profit-Instrument verwandelt zu haben.

„But once Musk left the nonprofit, his co-founders reinvented OpenAI as a get rich quick scheme, selling out the nonprofit for personal gain.“

3. Brockmans geheime Tagebucheinträge

Interne Aufzeichnungen von Greg Brockman belegen den Wunsch, Milliarden zu verdienen.

„[O]ur plan[:]… it would be nice to be making the billions. we’ve been thinking that maybe we should just flip to a for profit. making the money for us sounds great and all.“

4. Geständnis moralischer Fragwürdigkeit

Brockman war sich intern bewusst, dass die Umwandlung gegenüber Musk unredlich war.

„[I]t’d be wrong to steal the non-profit from [Musk]. to convert to a b-corp without him. that’d be pretty morally bankrupt.“

5. Transfer von geistigem Eigentum

Nahezu alle wertvollen Assets wurden von der gemeinnützigen Organisation an die gewinnorientierte Sparte übertragen.

„OpenAI transferred ’substantially all‘ its intellectual property to the for-profit and all its full-time employees.“

6. Die Illusion der Profit-Obergrenzen

Die Gewinnkappen für Investoren sind laut Klage so hoch angesetzt, dass sie faktisch keine Bedeutung haben.

„OpenAI would have to hit a ‚home run‘ for the nonprofit to receive its residual stake. […] investors would have to earn ’north of 250 billion‘ before the nonprofit received any residual.“

7. Microsofts geheime interne Skepsis

Microsoft-Mitarbeiter zweifelten intern selbst an der Gemeinnützigkeit der Struktur.

„Given the cap is actually larger than 90% of public companies, I am not sure it is terribly constraining nor terribly altruistic if made transparent…“

8. Microsofts weitreichende Kontrollrechte

OpenAI gab Microsoft weitreichende Mitspracherechte bei strategischen Entscheidungen.

„OpenAI granted Microsoft approval rights over all ‚major decisions.’“

9. Vertuschung von Sicherheitsmängeln

Sam Altman soll dem Vorstand Sicherheitsmängel verschwiegen haben, um kommerzielle Ziele nicht zu gefährden.

„Altman repeatedly concealed safety process failures from OpenAI’s nonprofit board to advance OpenAI’s commercial objectives.“

10. Handverlesener Vorstand nach Altmans Rückkehr

Nach seinem Rauswurf und der Rückkehr besetzte Altman den Vorstand mit loyalen Personen.

„Altman then hand-picked a new board focused on loyalty and commercial priorities rather than AI safety.“

11. Microsofts Einfluss auf die Board-Besetzung

Microsoft half aktiv dabei, die neuen Vorstandsmitglieder auszuwählen.

„Microsoft actively participated in selecting those board members by suggesting candidates and opining on Altman’s proposals.“

12. „Charter 2.0“: Abkehr vom Idealismus

In einem internen Dokument gab Brockman zu, dass die ursprüngliche Non-Profit-Idee als „Fehler“ angesehen wurde.

„over the past eight years we’ve grown to regard capitalism not as a constraint but instead as a positive force….“

13. Rekrutierungserfolge durch Musk

Ohne Musks Ruf hätte OpenAI Schlüsselpersonen wie Ilya Sutskever nicht gewinnen können.

„Musk played a key role in recruiting top talent, such as OpenAI’s Chief Scientist Ilya Sutskever. […] Sutskever was ‚incredibly in awe [and] impressed with Elon Musk’s involvement’“

14. Geheime Verhandlungen mit Microsoft kurz nach Musks Abgang

Kaum war Musk weg, suchte Altman bereits nach kommerziellen Partnerschaften.

„Altman reached out to Microsoft to discuss OpenAI’s plans for a ’new commercial venture‘ mere weeks after Musk left OpenAI.“

15. Musks „Teslas“ als Motivationshilfe

Musk spendete persönlich Fahrzeuge an Mitarbeiter, die später gegen die Non-Profit-Ziele arbeiteten.

„Musk personally donated the four Teslas (and a related upgrade) directly to OpenAI. […] [in] appreciation for what [they’ve] done to get OpenAI to where it is today.“

16. Bagatellisierung gegenüber Musk

Altman beruhigte Musk noch 2019 mit der Aussage, Investoren erwarteten keinen Profit.

„We did this in a way where all investors are clear that they should never expect a profit.“

17. Pläne für einen Billionen-Dollar-Börsengang

Die Klage behauptet, OpenAI plane bereits den massiven Börsengang für 2026.

„Even now, OpenAI is plotting a trillion-dollar initial public offering for sometime in 2026.“

18. Umgehung der Steuerbefreiung

Da OpenAI anfangs keinen 501(c)(3)-Status hatte, nutzte man YC.org als „Durchlaufstation“ für Musks Gelder.

„OpenAI directed donors to use that entity [YC.org] as a conduit because OpenAI had not yet obtained its own 501(c)(3) status.“

19. Microsofts Rolle als „Rettungsanker“ für Altman

Als der Vorstand Altman feuerte, griff Microsoft sofort ein, um die Kontrolle zu sichern.

„Faced with the prospect of OpenAI disintegrating, nearly all of OpenAI’s independent board members were forced to resign.“

20. Die „Invertierung“ der Mission

Musk beschreibt den Prozess als schleichende Umkehrung aller ursprünglichen Versprechen.

„OpenAI, ‚by degrees, inverted the entire mission of the company, [went] from a nonprofit open source to a closed for-maximum-profit company by degrees.’“

OpenAIs Gegenposition

OpenAI veröffentlichte als Reaktion einen ausführlichen Blogbeitrag mit dem Titel „Die Wahrheit, die Elon ausgelassen hat“. Darin präsentiert das Unternehmen Gerichtsdokumente mit zusätzlichem Kontext, um Musks Darstellung zu widerlegen.

Die Kernpunkte von OpenAIs Verteidigung:

1. Elon wollte absolute Kontrolle und Mehrheitsbeteiligung

OpenAI behauptet, die Verhandlungen 2017 scheiterten, weil Musk volle Kontrolle verlangte.

„Negotiations over an OpenAI for-profit with Elon fell through in September 2017 because we wouldn’t give him absolute control.“

2. Elon stimmte der For-Profit-Struktur zu

Entgegen seiner Klage hatte Musk der gewinnorientierten Struktur zugestimmt, die er heute bekämpft.

„Elon did not think that OpenAI needed to remain solely a non-profit. As the context shows, he agreed that OpenAI needed both a non-profit and a for-profit entity—the exact structure OpenAI has today, and that Elon is now suing OpenAI over.“

3. Musks Kinder sollten AGI kontrollieren

Musk sprach überraschend davon, dass seine Kinder die Kontrolle über AGI übernehmen sollten.

„when we discussed succession he surprised us by talking about his children controlling AGI.“

4. 80 Milliarden Dollar für Mars-Stadt als Motivation

Musk rechtfertigte seine Forderung nach Mehrheitsbeteiligung mit seinem Mars-Projekt.

„Elon said he wanted to accumulate $80B for a self-sustaining city on Mars, and that he needed and deserved majority equity.“

5. Musk nutzte OpenAI für Tesla-Autopilot

Schon vor den Strukturverhandlungen ließ Musk OpenAI-Mitarbeiter an Teslas Autopilot arbeiten.

„Even before negotiations over OpenAI’s structure began, Elon leveraged OpenAI for the benefit of his for-profit ventures. For example, in early 2017, he asked OpenAI to send a team to help fix Tesla’s self-driving program, Autopilot.“

6. Musk schlug Tesla-Fusion vor

Nachdem die For-Profit-Verhandlungen scheiterten, versuchte Musk, OpenAI in Tesla zu integrieren.

„he began trying to convince us that merging OpenAI into Tesla was the only path to the mission, and it seemed that he would pursue an AGI competitor within Tesla regardless.“

7. Musk gab OpenAI 0% Erfolgschance

Beim Ausscheiden prophezeite Musk, OpenAI könne ohne ihn nicht erfolgreich sein.

„On Elon’s way out, he said that he supported us pursuing the path we saw to raising billions of dollars—he just didn’t think we could succeed“

„By February 2018, Elon had decided that OpenAI would not be able to raise sufficient funding.“

8. Strategische Belästigung für xAI-Vorteil

OpenAI wirft Musk vor, mit Klagen systematisch xAI zu bevorzugen.

„Elon’s latest variant of this lawsuit is his fourth attempt at these particular claims, and part of a broader strategy of harassment aimed at slowing us down and advantaging his own AI company, xAI.“

9. Musk erstellte selbst eine OpenAI PBC

Ironischerweise hatte Musk selbst eine gewinnorientierte Struktur für OpenAI gegründet.

„Shortly after this call, Elon actually created an OpenAI PBC (or ‚B-corp‘).“

10. Niemand hat Musk belogen

OpenAI widerspricht Musks Behauptung, sie hätten ihm ihre For-Profit-Pläne verheimlicht.

„No one ever lied to Elon; no one ever told him they’d accepted his terms when they hadn’t.“

„Their preference was not a secret; the thinking was shared with Elon and his key staff.“

Kontext und Hintergrund

OpenAI wirft Musk vor, Tagebucheinträge von Greg Brockman „selektiv auszuwählen“, die ohne Kontext eine andere Geschichte erzählten. Der Blogpost liefert zu mehreren von Musk zitierten Passagen den vollständigen Gesprächsverlauf.

Nach OpenAIs Darstellung handelt es sich bei der aktuellen Klage um Musks „vierten Versuch“ mit diesen Vorwürfen. Das Unternehmen bezeichnet die Klage als Teil einer „breiteren Belästigungsstrategie“, mit der Musk sein eigenes KI-Unternehmen xAI bevorteilen wolle.

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