Fintech-Startup Brex verkauft um 5,15 Mrd. Dollar – Bewertung seit 2022 mehr als halbiert
Die US-Bank Capital One Financial Corporation hat eine Vereinbarung zur Übernahme des Fintech-Unternehmens Brex bekanntgegeben. Die Transaktion umfasst eine Kombination aus Aktien und Barzahlung im Gesamtwert von 5,15 Milliarden Dollar. Der Kaufpreis liegt deutlich unter der Bewertung von 12,3 Milliarden Dollar, die Investoren im Hype-Jahr 2022 in der Series D-2 gezahlt haben – ein Indiz dafür, dass Brex bereits den Zenith überschritten hat und es Zeit war zu verkaufen.
Das in San Francisco ansässige Startup hat sich auf KI-gestützte Finanzlösungen für Geschäftskunden spezialisiert und verbindet Firmenkreditkarten, Ausgabenverwaltung und Bankdienstleistungen in einer integrierten Plattform. Die Übernahme markiert einen bedeutenden Schritt für Capital One, das seine Position im Geschäftskundenmarkt ausbauen und mit softwaregetriebenen Finanzplattformen konkurrieren möchte.
Brex wurde 2017 gegründet und richtete sich zunächst an Startups, die bei traditionellen Banken nur eingeschränkten Zugang zu Unternehmenskreditkarten erhielten. Das Unternehmen entwickelte seine Dienstleistungen kontinuierlich weiter und integrierte Spesenmanagement, Banking-Funktionen sowie KI-gesteuerte Tools zur Kontrolle von Unternehmensausgaben. Die Plattform ermöglicht es Unternehmen, Firmenkarten auszustellen, Ausgaben zu automatisieren und Echtzeit-Zahlungen durchzuführen. Nach eigenen Angaben nutzen heute Zehntausende Unternehmen die Dienste, darunter jedes dritte Startup in den Vereinigten Staaten sowie etablierte Konzerne.
Strategische Expansion im Geschäftskundenmarkt
Capital One begründet die Akquisition mit dem Ziel, seine technologische Transformation im Zahlungsverkehr zu beschleunigen. Gründer und CEO Richard Fairbank betonte, dass das Unternehmen seit seiner Gründung danach strebe, an der Spitze der Technologierevolution im Finanzsektor zu stehen. Die Übernahme von Brex beschleunige diese Entwicklung insbesondere im Bereich der Geschäftszahlungen. Brex-Gründer Pedro Franceschi beschrieb die Transaktion als wachstumsorientierte Kombination zweier von Gründern geführter Unternehmen. Er hob hervor, dass diese Fusion sich von traditionellen Bank-Übernahmen unterscheide, da sie darauf abziele, Millionen von Unternehmen in der US-amerikanischen Wirtschaft bessere Finanzlösungen anzubieten, die von herkömmlichen Banken unzureichend bedient würden.
Eine besondere Rolle spielt Brex‘ geplante Integration von Stablecoin-Zahlungen. Im September 2025 kündigte das Unternehmen an, native Stablecoin-Transaktionen einzuführen, beginnend mit USDC. Die Funktion ermöglicht es Geschäftskunden, Guthaben zu begleichen, Zahlungen zu versenden und Gelder zu empfangen, wobei eine automatische Umrechnung in US-Dollar erfolgt. Unternehmen können damit sowohl traditionelle als auch durch Stablecoins abgesicherte Ausgaben über eine einzige Plattform verwalten. Capital One hat bislang nicht offengelegt, wie diese Kryptowährungs-Funktionen in die bestehenden Geschäftskundenprodukte der Bank integriert werden sollen.
KI-gestützte Plattform als Wachstumstreiber
Brex positioniert künstliche Intelligenz als zentrale Komponente seiner Finanzplattform. Das System kategorisiert Ausgaben automatisch, setzt Ausgabenregeln in Echtzeit durch und markiert Ausnahmen zur Überprüfung. Ein KI-Assistent übernimmt routinemäßige Aufgaben wie den Abgleich von Belegen und die Spesenabrechnung. Die Technologie reduziert manuelle Prüfprozesse und hilft Unternehmen, komplexe Workflows zu automatisieren. Brex bezeichnet seine Plattform als KI-nativ und hebt hervor, dass Finanzdienstleistungen und Software von Beginn an integriert entwickelt wurden.
Die Transaktion soll Mitte 2026 abgeschlossen werden, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen und üblicher Abschlussbedingungen. Nach Vollzug der Übernahme wird Franceschi Brex weiterhin als CEO leiten und das Unternehmen als Teil von Capital One führen. Capital One verfügt zum 31. Dezember 2025 über Einlagen von 475,8 Milliarden Dollar und ein Gesamtvermögen von 669,0 Milliarden Dollar. Die Bank mit Hauptsitz in McLean, Virginia, ist die einzige große US-Bank, die vollständig in die öffentliche Cloud migriert ist. Als Finanzberater fungierten BofA Securities für Capital One und Centerview Partners für Brex, während mehrere Anwaltskanzleien beide Seiten rechtlich berieten.
