Google startet riesige Anleiheemission für Finanzierung des KI-Ausbaus
Die Ausbaupläne für KI-Infrastruktur sind exorbitant – und müssen auch finanziert werden. Dazu geht jetzt Googles Mutterkonzern Alphabet einen für den Tech-Sektor außergewöhnlichen Schritt, wie Bloomberg und die Financial Times übereinstimmend berichten.
Denn Alphabet hat bei einer umfangreichen Anleiheemission eine außergewöhnlich hohe Nachfrage verzeichnet. Das Mutterunternehmen von Google zog Aufträge im Wert von mehr als 100 Milliarden Dollar an, während die tatsächliche Emission im Dollar-Segment auf 20 Milliarden Dollar ausgeweitet wurde. Ursprünglich hatte das Unternehmen eine Platzierung von 15 Milliarden Dollar geplant, erhöhte das Volumen jedoch aufgrund der starken Investorennachfrage. Die Transaktion erfolgt über mehrere Währungen und umfasst neben Dollar-Anleihen auch Emissionen in britischen Pfund und Schweizer Franken.
Ein Bond (Anleihe) ist ein festverzinsliches Wertpapier, bei dem man einem Herausgeber (z. B. einem Staat oder Unternehmen) für einen festgelegten Zeitraum Geld leiht und dafür im Gegenzug regelmäßige Zinszahlungen sowie am Ende die Rückzahlung des Nennwerts erhält.
Besonders bemerkenswert ist die Platzierung einer hundertjährigen Anleihe im Sterling-Markt, mit der Alphabet erstmals am britischen Anleihenmarkt auftritt. Diese extrem langfristige Finanzierungsform stellt selbst für große Technologiekonzerne eine Seltenheit dar. Die Strategie, verschiedene Währungsmärkte anzuzapfen, verfolgt das Ziel, den Investorenkreis zu erweitern und eine mögliche Überlastung des US-Dollar-Marktes zu vermeiden.
Seltenes Finanzierungsinstrument mit wenigen Vorreitern
Hundertjährige Anleihen bleiben im Technologiesektor eine Ausnahmeerscheinung. IBM hatte 1996 eine solche Anleihe emittiert, während die meisten großen Technologieunternehmen sich auf Laufzeiten bis zu 40 Jahren beschränken. Im Sterling-Markt haben bislang nur die Universität Oxford, der französische Energiekonzern EDF und die Wellcome Trust-Stiftung im Jahr 2018 Century-Anleihen platziert.
Das Instrument könnte besonders für Lebensversicherer und Pensionsfonds attraktiv sein, die langfristige Vermögenswerte für ihre Verpflichtungen benötigen. Allerdings äußerten einzelne Vermögensverwalter auch Zurückhaltung wegen unzureichender Renditen und Bedenken hinsichtlich einer Übergewichtung von Unternehmen mit komplexen finanziellen Verpflichtungen im Zusammenhang mit KI-Investitionen.
Die massive Kreditaufnahme steht im direkten Zusammenhang mit den beispiellosen Investitionen in künstliche Intelligenz. Alphabet plant für das laufende Jahr Kapitalausgaben von bis zu 185 Milliarden Dollar, was nahezu einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Unternehmen reagiert damit auf die boomende Nachfrage nach seinem Gemini-KI-Assistenten und baut seine Rechenzentrumsinfrastruktur massiv aus.
Die langfristigen Schulden des Konzerns sind 2025 auf 46,5 Milliarden Dollar gestiegen, mehr als das Vierfache des Vorjahres, während gleichzeitig Barmittel und Äquivalente von 126,8 Milliarden Dollar zum Jahresende zur Verfügung standen. Bereits im November hatte Alphabet 17,5 Milliarden Dollar am US-Markt sowie 6,5 Milliarden Euro auf europäischen Märkten eingesammelt.
Starke Nachfrage drückt Risikoaufschläge nach unten
Die Investorennachfrage fiel bei den kürzeren Laufzeiten besonders stark aus. Eine dreijährige Anleihe wurde schließlich mit einem Aufschlag von nur 0,27 Prozentpunkten über US-Staatsanleihen platziert, nachdem in ersten Preisdiskussionen noch 0,6 Prozentpunkte im Raum gestanden hatten. Bei der längsten Tranche, einer 40-jährigen Anleihe, sank der erwartete Renditeaufschlag von ursprünglich 1,2 Prozentpunkten auf 0,95 Prozentpunkte über US-Treasuries. Als Konsortialführer fungierten Bank of America, Goldman Sachs und JPMorgan für die Emissionen in allen drei Währungen.
Alphabet steht mit seiner Finanzierungsoffensive nicht allein. Große Technologiekonzerne und ihre Zulieferer investieren in diesem Jahr voraussichtlich knapp 700 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur und greifen zunehmend auf die Anleihemärkte zurück, um den gewaltigen Ausbau von Rechenzentren zu finanzieren. Oracle hatte erst in der Vorwoche 25 Milliarden Dollar mit einer Anleihe eingesammelt, die Aufträge über 125 Milliarden Dollar anzog. Amazon und Meta haben ebenfalls ihre Investitionspläne in ihren jüngsten Quartalsberichten erhöht, was Fragen aufwirft, ob die Unternehmen die beispiellose Ausgabenwelle allein aus ihren operativen Cashflows werden stemmen können. Alphabet meldete zuletzt erstmals einen Jahresumsatz von über 400 Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Investoren bei Umsatz und Gewinn.

