Grönland, CLARITY Act: Bitcoin bleibt nach Trump-Rede in Davos unter 90.000 Dollar
Der Bitcoin-Kurs erlebte am Mittwoch eine volatile Handelssitzung mit einem scharfen Rückgang unter 88.000 US-Dollar, gefolgt von einer schnellen Erholung in Richtung 90.000 US-Dollar. Auslöser der Bewegungen waren Äußerungen von US-Präsident Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos, bei denen er sowohl seine Haltung zu Grönland abschwächte als auch Fortschritte bei Krypto-Gesetzgebung ankündigte.
Grönland-Thematik belastet zunächst Risikomärkte
In den Tagen vor Trumps Davos-Auftritt hatten aggressive Äußerungen des Präsidenten bezüglich Grönland und möglicher Strafzölle gegen europäische Nationen die globalen Finanzmärkte belastet. Bitcoin fiel am späten Mittwoch auf rund 87.300 US-Dollar, während Anleger weltweit in einen Risk-off-Modus wechselten. Auch steigende Anleiherenditen, insbesondere bei japanischen Staatsanleihen, trugen zur Verunsicherung bei.
Die Stimmung drehte jedoch, als Trump in Davos erklärte, er werde auf Zölle gegen europäische Staaten verzichten, die sich seiner Kontrolle über Grönland widersetzen. Er verwies dabei auf einen „Rahmen für ein zukünftiges Abkommen“. Diese Kehrtwende beruhigte die Märkte spürbar: US-Aktien-Futures stiegen, japanische Staatsanleihen erholten sich, und die Nachfrage nach sicheren Häfen wie Gold ließ nach.
Ankündigung zu Krypto-Gesetzgebung
Neben der Grönland-Thematik sorgte Trump mit konkreten Aussagen zur Krypto-Regulierung (CLARITY Act, mehr dazu hier) für Aufmerksamkeit. In seiner Rede betonte er:
„Um Innovation sowie Spar- und Finanzierungsmöglichkeiten freizusetzen, arbeite ich auch daran, sicherzustellen, dass Amerika die Krypto-Hauptstadt der Welt bleibt. Zu diesem Zweck habe ich den wegweisenden Genius Act unterzeichnet. Der Kongress arbeitet sehr hart an der Krypto-Marktstruktur-Gesetzgebung, die Bitcoin und alle anderen betrifft. Ich hoffe, diese sehr bald zu unterzeichnen und damit neue Wege für Amerikaner zur finanziellen Freiheit zu eröffnen.“
Diese Ankündigung belebte die Erwartungen auf eine baldige regulatorische Klarheit für den US-Kryptomarkt. Zum Zeitpunkt der Rede verzeichnete Bitcoin Tagesgewinne von 1,7 Prozent. Allerdings wurde mittlerweile auch klar, dass sich der CLARITY Act, der derzeit im US-Kongress liegt, weiter verzögern wird.
Breite Marktreaktion bei Krypto-Assets
Die Preisbewegungen beschränkten sich nicht auf Bitcoin. Ethereum fiel zunächst unter 3.000 US-Dollar, bevor es sich auf über 3.020 US-Dollar erholte. Solana stieg nach einem Rücksetzer wieder auf rund 130 US-Dollar, während XRP bei 1,95 US-Dollar handelte. Cardano bewegte sich in Richtung 0,37 US-Dollar und Dogecoin notierte bei etwa 0,127 US-Dollar. Die Erholungen fielen moderat aus, was eher auf eine Stabilisierung als auf eine neue Risiko-Rally hindeutet.
Analysten betonten die enge Kopplung der Krypto-Preise an makroökonomische Schlagzeilen. Die Geschwindigkeit der Kursumkehr verdeutlichte, wie sensitiv digitale Assets auf politische Signale reagieren, insbesondere in Phasen erhöhter Unsicherheit.
Globale Faktoren im Hintergrund
Neben den Trump-Äußerungen spielten auch Entwicklungen an den Anleihemärkten eine Rolle. Die Renditen zehnjähriger japanischer Staatsanleihen waren zuvor auf rund 2,29 Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit 1999. Dies verschärfte die globalen Finanzbedingungen und belastete spekulative Anlagen.
Das Handelsunternehmen QCP Capital wies in seiner Marktanalyse auf die fiskalischen Herausforderungen Japans hin: Die Staatsverschuldung übersteigt 240 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die Gesamtverschuldung liegt bei etwa 1.342 Billionen Yen. Für 2026 wird erwartet, dass rund ein Viertel der Staatsausgaben für den Schuldendienst aufgewendet werden muss.
Am Donnerstag beruhigten sich die japanischen Anleihemärkte nach Beruhigungsversuchen von Regierungsvertretern, was den Risikomärkten Spielraum verschaffte.
Ausblick und technische Perspektive
Händler beobachten nun, ob Bitcoin die Marke von 90.000 US-Dollar halten kann oder ob die Erleichterung nach Davos nur vorübergehend ist. Die Volatilität der vergangenen Tage hat gezeigt, dass globale Politik und Anleihemärkte weiterhin erheblichen Einfluss auf Krypto-Assets ausüben.
Technische Analysten verwiesen darauf, dass Bitcoin mit der Bewegung eine Kurslücke im CME-Futures-Markt geschlossen hat, was potenziell eine Basis für eine nachhaltige Erholung bilden könnte. Einige Marktbeobachter sehen in den aktuellen Tiefstständen sogar langfristig positive Signale, da starke Unterstützungszonen identifiziert wurden.
Trump äußerte sich in Davos auch optimistisch zu den traditionellen Aktienmärkten und prognostizierte, der Dow Jones Industrial Average werde „in relativ kurzer Zeit“ auf 50.000 Punkte steigen und sich verdoppeln. Zum Zeitpunkt seiner Rede lag der S&P 500 rund 0,5 Prozent im Plus.
