Grönland-Streit zwischen USA und EU drückt Bitcoin auf 92.000 Dollar
Es ist atmosphärisch kein guter Start in die neue Woche: Nachdem US-Präsident Donald Trump Frankreich, Deutschland, Großbritannien, die Niederlande, Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland am Samstag mit neuen Zöllen wegen ihrer Grönland-Politik androhte, will die EU nun mit einem 93 Milliarden Euro Zollpaket gegen die USA zurückschlagen. Damit sind die transatlantischen Beziehungen auf einem neuen Tiefpunkt angekommen.
Nicht nur die Aktienmärkte bekamen das vorbörslich zu spüren, auch bei Kryptowährungen ist der neue Streit zwischen den USA und der EU angekommen. Der Bitcoin-Kurs ist am Sonntagabend, nachdem die EU-Gegenmaßnahmen bekannt wurden, innerhalb von etwa zwei Stunden um fast 4.000 Dollar gefallen. Die Kryptowährung fiel von rund 95.500 Dollar auf ein Tagestief von 91.935 Dollar. Aktuell steht BTC bei etwa 92.500 Dollar. Zuletzt war BTC wieder im Aufwind und kletterte vergangene Woche auf fast 98.000 Dollar.
Der plötzliche Kursrückgang löste eine Welle von Zwangsliquidationen aus. Innerhalb von 60 Minuten wurden Long-Positionen im Wert von über 500 Millionen Dollar aufgelöst. Nach Stabilisierungsversuchen notiert Bitcoin derzeit bei etwa 92.600 Dollar, was einem Rückgang von rund 2,5 Prozent innerhalb von 24 Stunden entspricht.
Zollstreit als Auslöser
Der Verkaufsdruck setzte nach Trumps Ankündigung ein, ab dem 1. Februar Zölle auf acht europäische Länder zu erheben: Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, die Niederlande und Finnland. Die Zölle sollen zunächst bei 10 Prozent liegen und bis zum 1. Juni auf 25 Prozent steigen, falls keine Einigung erzielt wird.
Trump verknüpfte die Maßnahme ausdrücklich mit US-Bestrebungen, Grönland zu erwerben, was die transatlantischen Spannungen verschärfte. Die betroffenen europäischen Regierungen reagierten scharf auf die Ankündigung. In einer gemeinsamen Erklärung warnten sie vor einer „gefährlichen Abwärtsspirale“. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen stellte klar: „Europa lässt sich nicht erpressen.“
Am Wochenende kam es in Dänemark und Grönland zu Protesten gegen die US-Politik.
Makroökonomische Unsicherheit
Parallel zum Bitcoin-Einbruch stieg der Goldpreis auf ein neues Allzeithoch von rund 4.670 Dollar. Analysten werten dies als klassische Flucht in sichere Häfen angesichts geopolitischer Unsicherheiten.
Zusätzliche Unsicherheit schafft eine anstehende Entscheidung des US-Supreme Court über Trumps Befugnis, Zölle mittels Notstandsgesetzen zu verhängen. Das Gericht prüft, ob der Präsident den International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) rechtmäßig nutzte, um Handelsdefizite zum nationalen Notstand zu erklären. Ein Urteil gegen Trump könnte die Regierung zwingen, bereits eingezogene Zölle in Höhe von über 100 Milliarden Dollar zurückzuzahlen.
Fragile Marktverfassung
On-Chain-Daten von Glassnode und CryptoQuant deuten darauf hin, dass der jüngste Anstieg in Richtung 96.000 Dollar hauptsächlich durch Derivate-Handel und nicht durch nachhaltigen Spot-Kauf getrieben wurde. Die Analysten von CryptoQuant charakterisieren die Bewegung seit Ende November als mögliche Bärenmarktrally, da Bitcoin weiterhin unter seinem 365-Tage-Durchschnitt von etwa 101.000 Dollar notiert.
Die Liquidationen der vergangenen 24 Stunden beliefen sich laut CoinGlass auf insgesamt über 680 Millionen Dollar, wovon etwa 600 Millionen Dollar auf Long-Positionen entfielen. Dies deutet auf eine übermäßig optimistische Positionierung der Marktteilnehmer hin.
Auch Altcoins wurden stark getroffen: Solana fiel um 6,7 Prozent, SUI und ZCash jeweils um 10 bis 12 Prozent.
Ausblick
Während sich erste Stabilisierungszeichen zeigen – das Verkaufstempo von Langzeithaltern hat sich verlangsamt und Spot-Käufe auf großen Börsen nehmen zu – warnen Analysten, dass der Markt aufgrund der dünnen Liquidität und hohen Hebelwirkung anfällig für weitere scharfe Bewegungen bleibt.
