Hälfte der CO2-Emissionen stammen laut Studie von nur 32 Ölkonzernen
Nur 32 Unternehmen aus der fossilen Brennstoffindustrie waren für die Hälfte der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, die die Klimakrise im Jahr 2024 vorantrieben, besagt ein neuer Bericht unter der Leitung des Thinktanks InfluenceMap. Der Kreis der größten CO2-Emittenten ist damit kleiner geworden. Im Jahr 2023 hatten noch 36 Ölkonzerne die Hälfte der Emissionen verursacht.
Größere Konzerne haben Emissionen noch erhöht
Saudi Aramco war der größte staatlich kontrollierte Emittent, ExxonMobil der größte investorengeführte Umweltverschmutzer. Laut dem Guardian werfen Kritiker:innen den führenden Unternehmen der fossilen Brennstoffindustrie vor, „Klimaschutzmaßnahmen zu sabotieren“ und „auf der falschen Seite der Geschichte zu stehen“.
Studienleiter Carbon Majors ist eine Datenbank mit historischen Produktionsdaten von 178 der weltweit größten Öl-, Gas-, Kohle- und Zementproduzenten. Der Analyse zufolge dominieren staatliche Unternehmen die globalen Emissionen aus fossilen Brennstoffen. Außerdem konzentrieren sich die Emissionen zunehmend auf eine kleinere Anzahl von Unternehmen. Zwei Drittel der Unternehmen in der oberen Hälfte der Rangliste erhöhten ihre Emissionen von 2023 bis 2024, verglichen mit nur 28 Prozent der Unternehmen in der unteren Hälfte.
Unternehmen haben ähnliche Emissionen wie ganze Länder
Staatliche Produzenten fossiler Brennstoffe machten 17 der 20 größten Emittenten im sogenannten Carbon Majors-Bericht aus, was laut den Autor:innen die politischen Hindernisse für die Bekämpfung der globalen Erwärmung unterstreicht. Alle 17 werden von Ländern kontrolliert, die sich auf dem UN-Klimagipfel Cop30 im Dezember gegen einen vorgeschlagenen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen ausgesprochen haben. Dazu gehören Saudi-Arabien, Russland, China, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate und Indien. Mehr als 80 andere Nationen hatten den Ausstiegsplan unterstützt.
Saudi Aramco war für 1,7 Milliarden Tonnen CO2 verantwortlich, ein Großteil davon stammte aus exportiertem Öl. Wäre Aramco ein Land, wäre es nach Russland der fünftgrößte Kohlenstoffverursacher der Welt. Die Produktion fossiler Brennstoffe durch ExxonMobil führte zu 610 Millionen Tonnen CO2. Damit wäre das Unternehmen der neuntgrößte Verursacher vor Südkorea.
„Schrumpfende Gruppe von Produzenten“ – Gesamtproduktion wächst weiter
Während der Covid-Pandemie fand ein vorübergehender Rückgang der CO2-Emissionen statt. Doch seitdem steigen sie wieder jährlich auf Rekordniveau. Die Emissionen müssten bis 2030 um 45 Prozent sinken, um das Ziel des Pariser Abkommens von 1,5 °C zu erreichen, was derzeit als unmöglich gilt. Expert:innen halten es jedoch für unerlässlich, den Überschuss zu begrenzen, da jeder Bruchteil eines Grads Erwärmung die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gemeinden verschlimmert.
„Jedes Jahr konzentrieren sich die globalen Emissionen zunehmend auf eine schrumpfende Gruppe von Produzenten mit hohen Emissionen, während die Gesamtproduktion weiter wächst“, kommentiert Emmett Connaire von InfluenceMap. Zu den jüngsten Fusionen im Ölsektor zählen die Übernahme von Pioneer Natural Resources durch ExxonMobil und die Übernahme von Hess durch Chevron.
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Große Emittenten „auf der falschen Seite der Geschichte“
Christiana Figueres, ehemalige UN-Klimabeauftragte, sagte: „Die neuesten Daten von Carbon Majors zeigen einmal mehr, dass große Emittenten auf der falschen Seite der Geschichte stehen. Während saubere Energie und Elektrifizierung weltweit bereits fast doppelt so viel Investitionen erhalten wie fossile Brennstoffe, halten die großen Kohlenstoffkonzerne an veralteten, umweltschädlichen Produkten fest. Aber Daten bieten ein Instrument für die wachsende Mehrheit, die sich zusammenschließt, um wissenschaftlich fundierte Lösungen und Verantwortlichkeit zu fördern.“
Die Datenbank von Carbon Majors untermauerte eine aktuelle Analyse, die einen direkten Zusammenhang zwischen den CO2-Emissionen der weltweit größten Ölkonzerne und Dutzenden tödlicher Hitzewellen herstellte. Das wäre sonst praktisch unmöglich gewesen. Die Daten ermöglichten auch eine weitere Studie, die wirtschaftliche Verluste in Höhe von Billionen Dollar im Zusammenhang mit extremer Hitze einzelnen fossilen Brennstoffunternehmen zugeordnet hat.
