Industriestrategie: 2,6 Mrd. Euro für Schlüssel-Tech von AI bis Space
Es ist ein Novum, mit dem Österreich ins Jahr 2026 startet. Denn erstmals hat eine österreichische Bundesregierung eine Industriestrategie vorgelegt. Nicht grundlos, denn so ist seit längerer Zeit von einer Deindustrialisierung die Rede, bei der zusehends Wertschöpfungsketten aufgrund zahlreicher Probleme – Energiepreise, hohe Lohnkosten, Bürokratie, internationaler Wettbewerbsdruck – ins Ausland abwandern. Das dezidierte Ziel der Strategie: Stop der Deindustrialisierung in Österreich. 2035 soll Österreich wieder zu den Top 10 der Industrienationen (OECD) zählen.
So haben nun am Freitag vormittag in Wien Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP), Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ) und Staatssekretär Josef Schellhorn (Neos) die neue Industriestrategie der Bundesregierung präsentiert, deren zentralster Punkt (Industriestrompreis ab 2027 um 5 Cent/KWh) bereits bekannt ist. Darüber hinaus geht es um die Stärkung von neun Schlüsseltechnologien.
Auch klar ist: In der Dreier-Koalition hätten sich sowohl SPÖ, ÖVP und Neos jeweils mehr oder andere Dinge gewünscht, laut Schellhorn sei es letztendlich ein „zugespitzter Kompromiss“. Eine Senkung der Lohnnebenkosten ist somit nicht Teil der Strategie.
„Neuausrichtung“ der Förderprogramme
Österreich sei kein Niedriglohnland, aber ein „Land der Forschung, Innovation und des Exports“, so Hattmannsdorfer. Es gelte auch, Anreize für industrielle Ansiedelungen zu schaffen. Dazu soll die ABA (Austria Business Agency) umgebaut werden, um im Bereich der Schlüsseltechnologien (siehe unten) internationale Unternehmen für Betriebsansiedelungen zu „keilen“.
Parallel werde es eine „Neuausrichtung“ der Förderprogramme insbesondere im Bereich der FFG geben. Mehr Ausgründungen (Spin-offs) wolle man nach dem Vorbild der UnternehmerTUM, das rund um die TU München entstanden ist, erzeugen. Im Sinne der digitalen Souveränität soll der Aufbau einer österreichischen Rechenzentrum-Infrastruktur umgesetzt werden. Insgesamt soll es 114 Maßnahmen im Rahmen der Strategie geben.
Zusätzlich soll es „Regulatory Sandboxes“ geben, außerdem ist (wieder einmal) eine Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte zum erleichterten Anwerben von Schlüsselkräften aus Drittländern geben. Modernisiert werden sollen auch die Exportkontrolle (v.a. hinsichtlich Dual Use) und Investitionskontrollgesetz.
Im Schnitt 72 Mio. Euro pro Schlüsseltechnologie und Jahr
Für die Investitionen in die neun definierten Schlüsseltechnologien sind bis 2029 2,6 Mrd. Euro aus dem Forschungs-, Technologie- und Innovationspakt (FTI-Pakt) geplant. Das Geld soll aus dem Forschungs-, Technologie- und Innovationspakt (FTI-Pakt) kommen, eine Milliarde davon konkret aus dem Infrastrukturministerium von Hanke.
2,6 Milliarden Euro für neun Schlüsseltechnologien bis 2029, also über vier Jahre – das klingt viel, ist es heruntergebrochen dann aber nicht wirklich. Pro Schlüsseltechnologie werden im Schnitt dann pro Jahr etwa 72 Millionen Euro ausgegeben – das ist im internationalen Vergleich eine Series A oder B eines einzelnen Scale-ups. Die neun Schlüsseltechnologien überraschen nicht, sind sie doch bereits seit vielen Jahren bekannt:
- AI: Künstliche Intelligenz und Dateninnovation
- Chips und Elektronische Komponenten/Systeme
- Robotics: Fortgeschrittene Produktionstechnologien und Robotik
- Quantentechnologie und Photonik
- Fortgeschrittene Werkstoffe (Advanced Materials)
- Life Sciences & Biotech
- EnergyTech & CleanTech: Energie- und Umwelttechnologien
- Mobilitätstechnologien
- SpaceTech: Weltraum- und Luftfahrttechnologien
Im Bereich der Quantentechnologie würde in Österreich bereits ein Umsatz zwischen 4 und 5 Mrd. Euro gemacht werden, im Bereich von SpaceTech gebe es 300 tätige österreichische Unternehmen, so Hanke. Im Bereich der Wirtschaftlichkeit gebe es 18 Prozent Steigerung dank AI, die Exportquote des „Bahnlands“ Österreichs soll wieder gesteigert werden.
