Interview

Ingo Bleier von der Erste Group: „Die FlexCo ist noch ein zartes Pflänzchen“

Ingo Bleier © Erste Group
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Ingo Bleier ist der im kommenden Juni scheidende Vorstand für Corporates & Markets der Erste Group Bank AG. Er hat in dieser Funktion die strategische Weiterentwicklung des Firmenkunden- und Kapitalmarktgeschäfts der Gruppe und die Digitalisierung im Geschäft mit Firmenkunden mit der George Business Plattform vorangetrieben. Bei den Storm.Days 2026 haben wir mit ihm über das aktuelle Startup-Ökosystem in Österreich gesprochen.

Die Erste Bank und Sparkasse positioniert sich regelmäßig als Unterstützer von heimischen Startups. Welche Rolle spielt die Bank Ihrer Meinung nach im heutigen Startup-Ökosystem?

Ingo Bleier: Es wird Sie nicht wundern, wenn ich sage, eine wichtige Rolle! Wir haben ein eigenes Gründerzentrum, um Startups und junge Unternehmen unterstützen zu können. Wir investieren selbst in Venture Capital Fonds, die dann entsprechend Geld an Startups oder junge Unternehmen verteilen, und das nicht nur in Österreich, sondern auch in der Region. Und wir investieren sowohl eigenes Geld als auch unter unsere Asset-Management-Kundengelder.

Das heißt, wir sind auf der einen Seite im Service, auf der anderen als Investor engagiert, um die entsprechende Innovation aus diesen Unternehmen zu fördern.

Laut einer aktuellen Analyse von EY ziehen sich internationale Investoren zunehmend aus dem heimischen Startup-Ökosystem zurück. Welche Argumente würden Sie verwenden, um internationale Investoren wieder zu Investments in österreichische Startups zu bewegen?

Wir haben in Österreich eine sehr starke Innovationskultur. Wir haben hohe R&D-Quoten und sehr gute Forschung an den Universitäten. Und ich glaube, mit den Strukturen, die derzeit geschaffen werden, um Spin-offs von Universitäten zu fördern, können auch internationale Investoren deutlich mehr von diesen Innovationen profitieren. Eigentlich verkaufen wir uns hierbei unter Wert, wir müssen unsere Forschung und unsere Innovationen besser vermarkten, um Investoren anzuziehen. Dazu braucht es ein passendes Ökosystem.

Ein häufiger Kritikpunkt an der heimischen Investorenszene ist, dass diese zwar in der Frühphase stark ist, sich aber sich bei Wachstumsrunden eher zurückzieht. Gerade in Zeiten, wo selbst internationale Investoren ein bisschen zögerlich werden, ist das ein großes Problem. Wieso sind Investoren immer noch so zurückhaltend? Und wie kann sich das ändern?

Es gibt viel Gejammer über einen Mangel an Scale-up-Finanzierungen. Diese Meinungen teile ich nicht in dem gleichen Ausmaß. Ich glaube, es gibt genug Kapital für Scale-Ups, aber es kommt zum Teil nicht nach Österreich, wo die Rahmenbedingungen für den privaten Kapitalmarkt nicht besonders gut sind. Das betrifft besonders steuerliche Anreize, hier ist die Grundgesetzgebung bei uns sehr restriktiv.

Wir haben viel zu wenig Flexibilität in unseren Rahmenbedingungen. Das heißt, unsere Rechtsordnung müsste stärker ausgerichtet sein auf eine Förderung sowohl der Vorinvestitionen als auch des Unternehmensaufgaben. Es sind hier schon ein paar Fortschritte passiert, beispielsweise die FlexCo., doch man kann noch deutlich mehr machen.

Was zum Beispiel?

Auf der einen Seite steuerliche Anreize, um privates Kapital hineinzubringen. Wir brauchen in Österreich, aber auch in ganz Europa ein wesentlich stärkeres, kapitalgedecktes Pensionssystem. Warum? Pensionsgelder sind lange Gelder, das ist sogenanntes “Patient Equity”. Und je mehr Kapital wir in dieser Form haben, desto besser können wir auch Innovationen unterstützen.

Sie haben vorhin die FlexCo erwähnt. Es gibt diese Unternehmensform noch nicht lange. Laut aktuellen Zahlen gibt es bislang rund 1.500 davon. Wie lautet Ihr derzeitiges Fazit dazu?

Die Zahl der FlexCos kommt mir nicht besonders hoch vor, die Unternehmensform ist meiner Meinung nach derzeit noch ein “zartes Pflänzchen.”

Aber eines mit Potenzial?

Ja, auf jeden Fall. Gerade die Beteiligung der Mitarbeiter:innen am Erfolg ist unglaublich wichtig. Wenn das in flexibler Form möglich ist, entsteht ein großer Vorteil. Wir als Erste Group haben das größte Mitarbeiterprogramm in der gesamten Region geschaffen. Im Zuge dessen geben wir allen Mitarbeiter:innen jedes Jahr Aktien. Das ist ein Riesenerfolg und zeigt, dass ein wirklicher Wert darin besteht, Mitgesellschafter zu sein.

Ein weiteres aktuelles Thema in der Startup-Welt ist der Dachfonds, ein Finanzinstrument, das mit viel Spannung erwartet wird. Wie steht die Erste Bank zum Dachfonds? Wäre eine Beteiligung hierbei für die Erste Bank interessant?

Das ist grundsätzlich zu überlegen. Wir glauben, dass ein Dachfonds auf jeden Fall ein überregionaler Fonds sein sollte. Wenn wir einen stärkeren Kapitalmarktstandort schaffen wollen, brauchen wir eine Dachfondsstruktur, die wirklich attraktiv ist, in einem Ausmaß – da rede ich nicht von 100 oder 200 Millionen, sondern von einer Milliarde aufwärts – in dem man auch international investieren kann, also vor allem im DACH-Raum und in CEE.

Die Erste Bank hat ja einen eigenen Fund of funds. Was würden Sie sagen, sind Erfolgskriterien, die der Dachfonds im Vergleich auch erfüllen muss?

Der Unterschied zwischen Spekulieren und Investieren ist zum guten Teil die Sorgfaltsprüfung. Wir prüfen die Fonds, in die wir Kundengelder investieren, sehr genau. und sind sehr vorsichtig. Diversifikation ist extrem wichtig, sowie auch die Erfahrung der Fondsmanager, denen wir unser Geld oder auch unsere Kundengelder anvertrauen. Wichtig ist natürlich auch ein entsprechender Fokus.

Können Sie zusammenfassend sagen, wie bewerten Sie die aktuellen Maßnahmen der Bundesregierung im Bereich der Startup-Unterstützung?

Wie ich vorhin zur FlexCo gesagt habe: Es ist ein zarter Anfang. Ich glaube, es wurden viele Probleme erkannt, aber was die Rahmenbedingungen für den Kapitalmarkt, speziell in den Bereichen Steuerrecht und Pensionsfonds, angeht, gibt es noch viel zu tun.

Noch eine Frage zu Ihnen selbst: Sie sind bis 30. Juni dieses Jahres noch als Vorstand für Corporates & Markets bei der Erste Group tätig, danach läuft Ihr Vertrag aus. Was sind Ihre Pläne nach Juni 2026?

Also zuerst ziehe ich mich mal ins Private zurück. Nach über 30 Jahren im Bankgeschäft ist es Zeit dafür. Meine Entscheidung hat vor allem familiäre Gründe, deswegen ist noch offen, wo es mich nachher hinzieht.

Und die Erste Bank, wie sehen Sie hier die Zukunft?

Sehr positiv. Wir haben gerade mit dem Erwerb von 49 Prozent der Anteile an der Santander Bank Polska die größte Akquisition in der Unternehmensgeschichte abgeschlossen. Es beginnen jetzt die Integrationsarbeiten. Die Erste Bank ist wirklich gut aufgestellt und ich glaube, die Zukunftsaussichten sind sehr positiv.

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