Ist das der Masterplan von Elon Musk? xAI soll Tesla-Roboter Optimus antreiben
Zuerst positionierte er xAI als großen Herausforderer von OpenAI, ließ sein KI-Startup dann die Social-Media-Plattform X (ehemals Twitter) schlucken, und ließ zeitgleich sein anderes Unternehmen die Bestrebungen in Sachen autonomes Fahren und Robotik intensivieren. Und jetzt lässt Elon Musk durchblicken, worum es ihm bei der Entwicklung von KI-Modellen, die derzeit bei xAI unter der Marke Grok laufen, wirklich geht.
Elon Musks KI-Startup xAI verbrennt in rasantem Tempo Geld: Im dritten Quartal 2025 hat das Unternehmen einen Nettoverlust von 1,46 Milliarden Dollar verbucht, wie aus internen Finanzdokumenten hervorgeht, die Bloomberg vorliegen. In den ersten neun Monaten des Jahres gab xAI insgesamt 7,8 Milliarden Dollar in bar aus – für Rechenzentren, Talentakquise und die Entwicklung von Software, die künftig humanoide Roboter wie Teslas Optimus antreiben soll. Der Verlust ist deutlich gestiegen: Im ersten Quartal lag er noch bei 1 Milliarde Dollar. Wie andere schnell wachsende KI-Startups nutzt xAI die Mittel aus jüngsten Finanzierungsrunden zügig auf, um seine ehrgeizigen Ziele zu erreichen.
Tesla’s Optimus braucht ein Hirn
Trotz der hohen Verluste zeigt xAI auch Wachstum: Der Umsatz hat sich im dritten Quartal nahezu verdoppelt und erreichte 107 Millionen Dollar für die drei Monate bis Ende September 2025. Der Bruttogewinn stieg von 14 Millionen Dollar im Vorquartal auf 63 Millionen Dollar. In einem Investoren-Call erklärte die xAI-Führung, darunter Chief Revenue Officer Jon Shulkin, dass der Fokus nun auf der schnellen Entwicklung von KI-Agenten und Software liege. Diese Produkte sollen in das sogenannte „Macrohard“ einfließen – ein Begriff, den Musk für ein reines KI-Software-Unternehmen verwendet, eine Anspielung auf „Microsoft“. Langfristig soll die Technologie Teslas Roboter Optimus antreiben, der menschliche Arbeit ersetzen soll.
Denn bei der Entwicklung der Grok-Modelle ist zu erkennen, dass es immer stärker um multimodale Fähigkeiten gehen, die die LLMs beherrschen sollen. Das bedeutet, dass Grok in späteren Versionen nicht bloß als Chatbot im Web eingesetzt werden kann, um etwa Bilder zu generieren, sondern auch als „Gehirn“ für Roboter wie eben jene von Tesla.
Verflechtung im Musk-Universum und massive Fundraising-Aktivitäten
Musk verknüpft seine verschiedenen Unternehmen eng miteinander: Grok, xAIs Chatbot, ist vollständig in X (ehemals Twitter) integriert und auch in Tesla-Fahrzeugen verfügbar. SpaceX hat bereits in xAI investiert, das wiederum Hunderte Millionen Dollar für Tesla Megapack-Batterien ausgegeben hat. Tesla selbst ist derzeit kein xAI-Investor, obwohl Musk eine formelle Verbindung befürwortet. Eine unverbindliche Abstimmung der Tesla-Aktionäre im November über ein Investment in xAI erhielt nicht genügend Stimmen. Teslas Vorstand prüft laut General Counsel Brandon Ehrhart die nächsten Schritte.
Um die enormen Ausgaben zu decken, hat xAI Holdings – die Muttergesellschaft von xAI und X – kürzlich eine Eigenkapitalrunde über 20 Milliarden Dollar abgeschlossen. Investoren sind unter anderem Nvidia, Valor Equity Partners und die Qatar Investment Authority. Die Bewertung des Unternehmens liegt nun bei 230 Milliarden Dollar. Mit diesem Kapital kann xAI voraussichtlich über ein Jahr weitermachen, da die monatlichen Investitionsausgaben unter 1 Milliarde Dollar liegen. Insgesamt hat xAI bislang mindestens 40 Milliarden Dollar an Eigenkapital eingesammelt. Zusätzlich arbeitet das Unternehmen mit Valor und Apollo Global Management an einem Special Purpose Vehicle zum Kauf von Nvidia-Chips.
Verluste steigen, Jahresziele in Reichweite fraglich
Die EBITDA-Verluste – Gewinne vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – lagen bis September bei minus 2,4 Milliarden Dollar und übertrafen damit die ursprünglich für das Gesamtjahr prognostizierten 2,2 Milliarden Dollar bereits vor Jahresende. Auch beim Umsatz könnte xAI das Jahresziel verfehlen: Im Juni hatte das Unternehmen 500 Millionen Dollar Umsatz für 2025 angepeilt, bis September waren jedoch nur gut 200 Millionen Dollar erreicht. Trotzdem zeigten sich die Führungskräfte im Investoren-Call optimistisch und betonten das Umsatzwachstum. Die Jahresendzahlen, die laut Führung positiv ausgefallen seien, wurden den Investoren noch nicht mitgeteilt.
XAI hat zudem massiv in Personal investiert: Bis September zahlte das Unternehmen fast 160 Millionen Dollar an aktienbasierten Vergütungen – ein Zeichen für den intensiven Wettbewerb um KI-Talente. Auf der Führungsebene gab es Wechsel: Anthony Armstrong, ehemals bei Morgan Stanley, trat im Herbst als CFO ein, während Jon Shulkin von Valor Equity ebenfalls eine neue Rolle übernahm. Der vorherige CFO Mike Liberatore hatte das Unternehmen nach nur drei Monaten im vergangenen Herbst verlassen. Parallel dazu expandiert xAI seine Infrastruktur: Das Colossus-Rechenzentrum in Memphis wird ausgebaut, kürzlich kaufte xAI ein drittes Gebäude in der Region, das die Rechenkapazität auf fast 2 Gigawatt bringen soll.
Musk wollte OpenAI in Tesla integrieren
Dieses Bild rundet folgende Geschichte ab: Bekannt ist, dass Musk als Mitgründer von OpenAI das damalige winzige KI-Startup im Februar 2018 „an Tesla als Cash Cow anhängen“ wollte. „Tesla ist der einzige Weg, Google auch nur annähernd das Wasser zu reichen. Selbst dann ist die Wahrscheinlichkeit, ein Gegengewicht zu Google zu sein, gering“, argumentierte er damals per Mail. Der Rest ist Geschichte: Musk verließ OpenAI, sah den Aufstieg mit Hilfe von Microsoft und die Wandlung von der Non-Profit zum profitorientierten Unternehmen – und befindet sich nun letztendlich in einem Rechtsstreit mit OpenAI-CEO Sam Altman, der die beiden im März 2026 vor Gericht aufeinander treffen lassen wird.
Jedenfalls: Bereits lange vor dem ChatGPT-Einschlag war es Musks Plan, sein Autounternehmen mit einem KI-Unternehmen zu kombinieren. Nun soll es auf anderem Wege gelingen – nämlich durch die Kombination von xAI und Tesla. Roboter, die sowohl in Fabriken als auch im Privatleben Einsatz finden, gelten als massiver Zukunftsmarkt. Analysten von Goldman Sachs und Morgan Stanley sagen etwa voraus, dass der Markt für Roboter bis 2025 eine Größe von fünf Billionen Dollar erreichen könnte. Zum Vergleich: Der weltweite Automarkt ist heute etwa 3 bis 4 Billionen US-Dollar pro Jahr schwer. Langfristig könnte der Robotermarkt die heutige Größe der gesamten weltweiten Autoindustrie erreichen oder sogar verdoppeln, wenn man Dienstleistungen und Software einbezieht.

