KuCoin startet in Wien: „Das ist ein Ritterschlag für den Standort“
„Wien ist ein ganz besonderer Ort für uns.“ Sabina Liu, die neue Managing Director von KuCoin EU, war bis vor kurzem noch bei der London Stock Exchange, 14 Jahre hat sie an der Londoner Börse mit Aktien und Co gearbeitet. Jetzt geht es bei ihr in der österreichische Hauptstadt um eine ziemlich große neue Aufgabe: Sie baut das Europa-Geschäft für die derzeit acht größte Krypto-Börse der Welt auf, und zwar gemeinsam mit COO Christian Niedermüller und einem Team zwischen Wien und den Standorten in Shenzhen, China, und Hongkong.
KuCoin hat wie berichtet ordentlich Marketing-Budget in die Hand genommen, um groß in Wien aufzuschlagen. Seit Mittwoch kann man auf dem EU-eigenen Angebot Krypto-Assets handeln, und das bei sehr kompetitiven, niedrigen Gebühren von maximal 01,% – eine eindeutige Kampfansage in Richtung Platzhirsch Bitpanda. Bei der großen Gala in der Spanischen Hofreitschule fand sich das Who is Who der österreichischen und teils auch europäischen Krypto-Szene ein – dem Vernehmen nach waren auch einige Krypto-Milliardäre anwesend, nebst CEO BC Wong, dem deutschen Fußball-Star Oliver Bierhoff und dem neuen Testimonial Tadej Pogačar, mehrfacher Tour-de-France-Sieger aus Slowenien.
Worum geht es für KuCoin in Wien und Europa? Und überhaupt, warum eigentlich Wien? Der Grund: „Sie haben einen fantastischen Regulator. Wir arbeiten sehr eng und offen mit der Aufsichtsbehörde zusammen, und sie geben uns sehr nützliches Feedback“, erklärt Liu. Manchmal seien sie sehr streng, natürlich, aber genau diese Interaktion und die Anleitung der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) schätze man sehr.
Doch es ist nicht nur die Finanzmarktaufsicht, die Wien für KuCoin attraktiv macht. „Wien hat ein fantastisches Ökosystem aus Talenten, aber auch aus der Perspektive der Akzeptanz von Krypto-Assets und der Absicht der österreichischen Regierung, Technologieunternehmen, Finanztechnologie-Unternehmen und Digital-Asset-Unternehmen beim Wachstum zu helfen“, so Liu weiter.
Österreich als neuer Krypto-Hub Europas
Die Wahl Wiens ist kein Zufall, auch andere Krypto-Börsen wie Bitget oder Bybit haben die österreichische Hauptstadt zum Standort für ihre Europa-HQs auserwählt. „Es ist großartig, dass mit KuCoin wieder eine internationale Exchange auf den Standort Österreich zukommt. Österreich etabliert sich mehr und mehr als ein Standort für Exchanges, die auch den europäischen Markt angreifen wollen“, sagt etwa der Unternehmer Bernhard Blaha (Ex-Blocktrade).
Heimo Hammer, CEO der Kommunikationsagentur kraftwerk, zieht gar einen historischen Vergleich: „Wenn man die Uhr 100 Jahre zurückdreht, war Wien das Zentrum der Kultur, aber auch des Finanzwesens. Und ich glaube, KuCoin hat einen guten Standort gewählt. Wir sind 27 Länder in der EU. Sechs Länder wird KuCoin jetzt aktiv angehen. Sie haben bereits sechs bis sieben Millionen Kunden“, und diese gelte es jetzt, in das regulierte europäische Angebot hinüberzuschaufeln (Stichwort MiCA-Lizenz).
MiCA-Lizenz als Türöffner
KuCoin hat sich wie eine Reihe weiterer international agierender Krypto-Unternehmen eine MiCA-Lizenz bei der österreichischen FMA geholt und ist nun als Crypto-Asset Service Provider (CASP) berechtigt, Krypto-Assets EU-Bürgern anzubieten. Max Bernt hebt die Qualität der österreichischen Aufsicht hervor: „Wir sehen grenzüberschreitend, dass die österreichische Finanzmarktaufsicht wesentlich stärker ist als andere Aufsichtsbehörden und auch sehr proaktiv an die jeweiligen Serviceplattformen herantritt, ihnen erklärt, wie es zu tun ist und insofern ein sehr guter Diskurs zwischen dem öffentlichen und Privatsektor stattfindet“, sagt der Global Head of Regulatory Affairs bei Taxbit.
Abbie Wilson-Luck von der BCB Group bestätigt: „Mit neuen Regulierungen Schritt zu halten, ist aus Compliance-Sicht das Wichtigste. Wir sehen im Moment viele, viele Unternehmen, die versuchen, neue Regulierungen zu erfüllen. Und KuCoin, wie wir glauben, ist da gerade ganz vorne mit dabei.“
Schrittweiser Ausbau des Angebots
Das EU-regulierte Angebot bei KuCoin ist vom Umfang her im Vergleich zu dem, was international angeboten wird, noch überschaubar, soll aber rasch wachsen. „Bei KuCoin sind 80 Prozent unserer Mitarbeiter im Engineering-Bereich tätig. Wir nehmen die Technologie und die Plattform sehr ernst. Und deshalb sind wir aus dieser Perspektive sehr einzigartig und besonders“, sagt Liu.
Sie erklärt die strategische Ausrichtung so: „Wir versuchen, unsere Plattform richtig hinzubekommen, unsere Strategie richtig hinzubekommen, eine MiCA-Lizenz zu bekommen, um konform zu sein. Und jetzt haben wir unsere Markenpartnerschaft angekündigt und gehen daran, unsere Marke aufzubauen und in Europa zu lokalisieren.“
Ritterschlag für Wien
KuCoin verfolge einen schrittweisen Ansatz. „Zum Start haben wir ein einfacheres Set an Produkten auf unserer Plattform, damit Kunden zum Beispiel Spot-Krypto handeln können“, erklärt Liu. Aber es werde bald viel mehr geben: Fiat-zu-Krypto-Konvertierung, sowie weitere Karten- und Zahlungsdienste seien in der Pipeline. „Und natürlich wird es in Zukunft noch viel mehr spannende Ideen geben. Also beobachten Sie diesen Bereich.“
Spannend wird, wie KuCoin alte Nutzer, von denen es in Europa zwischen 6 bis 7 Millionen gibt, weiter bei sich halten wird können. „KuCoin ist in den Jahren 2021, 2022 fürs Margin Trading bekannt geworden. Und ich glaube, da hat KuCoin gemeinsam mit Bybit immer noch einen richtigen Edge, insbesondere als globale Plattform und ja, deswegen ist auch KuCoin auch so ein richtiger Big Player geworden“, sagt Georg Brameshuber, CEO von Validvent und Vorstandsmitglied der Digital Asset Association Austria (DAAA). „Dass KuCoin dem Standort einen Ritterschlag gibt, weil sie Wien ausgewählt haben, das ist schon richtig, richtig, richtig stark.“