kW-Solutions: Wiener Energie-Startup expandiert nach Deutschland
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E-Lkw sind teuer genug, da soll wenigstens der Strom günstig sein. Mit diesem Versprechen wächst das Wiener Startup kW-Solutions nun auch in Deutschland. Die erst heuer gegründete deutsche Gesellschaft hat die ersten beiden Kunden gewonnen, und auch das Ladenetzwerk „Charge with Friends“ ist inzwischen über die Grenze gewachsen. Insgesamt steuert das Unternehmen auf ein Umsatzplus von mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, wie es in einer Aussendung mitteilt. Im Vorjahr hatte kW-Solutions knapp 3 Millionen Euro Umsatz mit knapp 20 Mitarbeiter:innen erzielt.
Mit Transport-Investoren nach München
Der Schritt nach Deutschland war seit Längerem geplant. Anfang des Jahres holte sich kW-Solutions dafür frisches Kapital von zwei Transportunternehmern: Günther Reder (Reder Transporte) und Hubert Schlager (Schlager Transporte) stiegen als Business Angels ein, die Höhe des Investments wurde nicht genannt. „Der deutsche Markt ist bereit für uns“, sagte Gründer und CEO Korbinian Kasinger damals im Interview mit Trending Topics. Mit dem Geld eröffnete das Startup einen Standort in München, um dort Mitarbeiter:innen zu gewinnen und Strukturen aufzubauen.
Nun zeigen sich erste Ergebnisse. Mit Logistics in XXL und Bottenschein Reisen setzen die ersten beiden deutschen Kunden auf die Software Charly Transportation. „Wir gewinnen neue Kunden, bauen unser Geschäft in Deutschland mit Hochdruck aus und entwickeln Charge with Friends über Österreich hinaus“, sagt Kasinger. Langfristig will kW-Solutions sein Energie- und Lademanagement europaweit anbieten, vor allem für die Wohnungs- und Transportwirtschaft.
Mit dem Wachstum baut das Startup auch die Führungsebene aus. Marina Matkovic, seit 2024 bei kW-Solutions und bisher Head of Finance, wird Prokuristin. „Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem sich unser Wachstum auch in unseren Führungsstrukturen abbildet“, sagt Kasinger. Man wolle Verantwortung bewusst auf mehrere Schultern verteilen. Matkovic selbst hat die Entwicklung des Unternehmens nach eigenen Worten „sehr unmittelbar miterlebt“ und will die nächste Wachstumsphase nun mit zusätzlicher Verantwortung mitgestalten.
Diese Produkte hat kW-Solutions
Das 2021 gegründete Unternehmen versteht sich als Dienstleister rund um intelligente Ladeinfrastruktur und verwaltet nach eigenen Angaben rund 2.500 Ladepunkte in Österreich und den Nachbarländern. Das Angebot besteht im Kern aus drei Bausteinen:
- Charly: Der Energiemanager ist das Herzstück von kW-Solutions. Die Software kombiniert dynamische Stromtarife mit Photovoltaik- und Batterieanlagen und berücksichtigt dabei das Ladeverhalten der Nutzer:innen. Ein Algorithmus weist jedem Ladevorgang den jeweils günstigsten Strom zu. Dazu kommen Services wie Abrechnung, Zutrittsmanagement und der Handel mit THG-Quoten.
- Charly Transportation: Die Variante für Logistikunternehmen bündelt Lade-, Energie- und Flottenmanagement in einem System. Sie richtet sich an Transportfirmen, die ihre Flotten auf E-Lkw umstellen und dafür eigene Depots mit Ladesäulen, Solaranlagen und Speichern aufbauen.
- Charge with Friends: Die Plattform, die kW-Solutions im Frühsommer gestartet hat, vernetzt Logistikunternehmen, damit sie ihre Depot-Ladesäulen gegenseitig nutzen können. Wer Ladeinfrastruktur hat, legt den Preis selbst fest, die Abrechnung läuft automatisch über die Plattform. Angepeilt sind 30 bis 40 Cent netto pro Kilowattstunde, öffentliches Laden kostet E-Lkw oft 50 Cent und mehr.
Neben der Logistik ist der Wohnbau der zweite große Markt von kW-Solutions. Dort managt das Startup Ladepunkte in Mehrfamilienhäusern, auch in Deutschland nennt es Transport- und Immobilienwirtschaft als Fokus.
Charge with Friends lädt jetzt in Niedersachsen
Besonders schnell wächst das Ladenetzwerk. Seit dem Start wurden an zehn Standorten rund 700 Megawattstunden halböffentlich und bilateral geladen. Zwei Standorte in Niedersachsen ermöglichen das Laden nun auch in Deutschland. Bis Jahresende soll das Netz ganz Österreich abdecken und auf etwa 20 Standorte wachsen. Die Idee dahinter: Viele Transportfirmen investieren viel Geld in eigene Ladeparks, die sie aber nur teilweise auslasten. Werden sie geteilt, amortisieren sie sich schneller, und Lkw auf Tour müssen nicht an teuren öffentlichen Säulen laden.
Mit dem Lademanagement für E-Lkw ist kW-Solutions in Deutschland allerdings nicht allein. Das Münchner Unternehmen The Mobility House bietet seit Jahren Energie- und Lademanagement für Flotten an, und Milence, ein Gemeinschaftsunternehmen von Daimler Truck, Traton und Volvo, baut quer durch Europa öffentliche Ladeparks speziell für schwere Lkw.

