Gastbeitrag

Makro-Druck trifft Krypto: Warum Bitcoin unter 80.000 Dollar rutschte

Bitcoin © Kanchanara on Unsplash
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Der jüngste Rückgang von Bitcoin bis in den Bereich um 75.000 US-Dollar fügt sich in ein klassisches makrogetriebenes Risk-off-Umfeld ein. Die Kursbewegung wirkt weniger wie ein krypto-spezifischer Schock, sondern vielmehr wie eine Neubewertung von Risikoanlagen im Zuge unterschiedlicher geldpolitischer Erwartungen und geopolitischer Unsicherheiten, die aktuell zu beobachten sind. Digitale Assets reagieren damit ähnlich sensibel wie Technologieaktien oder Wachstumswerte, sobald sich Liquiditätsaussichten verschieben.

Geldpolitik als zentraler Taktgeber

Auslöser der jüngsten Schwäche ist vor allem die wachsende Wahrscheinlichkeit einer restriktiveren geldpolitischen Ausrichtung in den USA. Spekulationen um eine mögliche Fed-Führung mit stärkerem Fokus auf Inflationsbekämpfung – konkret geht es dabei um den gerade von Donald Trump nominierten Kevin Wash – haben den US-Dollar gestärkt und Realrenditen, auch von Staatsanleihen auf den Dollar, nach oben getrieben. In der traditionellen Finanzwelt führt ein solcher Mix häufig zu einer Kompression von Bewertungsmultiplikatoren bei Risikoassets – ein Mechanismus, der sich auch im Kryptomarkt äußert. Darüber hinaus existieren noch weitere Faktoren für die aktuelle Schwäche von Assets wie Bitcoin oder Ethereum.

Geopolitische Schocks

Die Entmachtung Nicolás Maduros durch die USA löste sofortige Volatilität auf den Energie- und Digital Asset-Märkten aus. Dieses Ereignis verstärkte zwar den langfristigen Trend zur Entdollarisierung (d.h. der schwindende Stellenwert des US-Dollars in der Weltwirtschaft), was grundsätzlich den Wert von Krypto begünstigen kann, führte jedoch auch zu einer risikoaversen Haltung der Märkte, über die wir Anfang dieses Monats ausführlicher berichtet haben.

Politische Unsicherheit und regulatorisches Vakuum in den USA

Der CLARITY Act (offiziell Digital Asset Market Clarity Act of 2025) stellt eine der wesentlichsten Gesetzgebungen für die Klärung des rechtlichen Status von Krypto-Assets in den USA dar – wenn er denn verabschiedet wird. Denn aktuell ist die konkrete Zukunft des Gesetzes in der Schwebe, nachdem Unstimmigkeiten zwischen der Krypto-Industrie und der Banking-Lobby offenkundig wurden und nicht gelöst werden konnten. In Verbindung mit wachsenden Sorgen über einen government shutdown in den USA belastete das Vertrauen der Anleger erheblich.

Handelspolitische Drohungen und Liquiditätseffekte

Die Drohung von Donald Trump, im Zusammenhang mit den Grönland-Verhandlungen Zölle in Höhe von 10 Prozent auf mehrere europäische Länder zu erheben, löste wöchentliche Abflüsse von über 1 Milliarde US-Dollar aus Bitcoin-ETFs aus. Zwar wurde die Krise am Ende gelöst und die Drohung blieb nur eine Drohung, aber die so ausgelöste Unsicherheit, in Verbindung mit den Abflüssen wirkt immer noch nach.

Anfälligkeit von Altcoins

Neben Bitcoin dämpft die aktuelle makroökonomische Unklarheit auch weiterhin die Risikobereitschaft im übrigen Krypto-Universum. Die Marktkapitalisierung von Altcoins bleibt zwischen 800 Milliarden und 1 Billion US-Dollar stecken, was die eingeschränkte Beteiligung institutioneller Anleger und die begrenzte Risikotoleranz widerspiegelt.

Zugleich muss auch auf das bisherige Verhalten von Krypto in ähnlichen Situationen hingewiesen werden: In der Vergangenheit führten ähnliche geopolitische Schocks zu Kursverlusten von 4 bis 8 Prozent innerhalb von 48 Stunden, gefolgt von Erholungen von durchschnittlich rund 23 Prozent innerhalb der darauffolgenden 30 Tage, was darauf hindeutet, dass auf die Entwicklung im Januar vielleicht eher eine positive Korrektur als einen grundlegenden Shift der Kräfteverhältnisse, das die Märkte steuert, folgen könnte. In der Makroökonomie spricht man in diesem Zusammenhang vom „regime shift“.

Preisentwicklung von BTC im zeitlichen Umfeld geopolitischer Ereignisse (Credit: Coingecko)

 

Die Zukunft zwischen Korrektur und Regimefrage

Das aktuelle Umfeld lässt also zwei Entwicklungspfade zu: Eine Lockerung der geldpolitischen Erwartungen würde Risikoassets Rückenwind geben und Bitcoin in Richtung früherer Hochs führen. Anhaltend restriktive Signale könnten dagegen eine längere Seitwärtsphase mit erhöhter Volatilität begünstigen.

In einem konstruktiven Szenario würde sich der gegenwärtige Druck als klassische liquiditätsgetriebene Korrektur innerhalb eines übergeordneten Aufwärtstrends erweisen. Eine Abschwächung der restriktiven geldpolitischen Erwartungen, sinkende Realrenditen oder zumindest deren Stabilisierung könnten Risikoanlagen wieder Luft verschaffen. In diesem Umfeld würde Bitcoin von seiner inzwischen etablierten Rolle als institutionell zugängliches Kernasset im Kryptosektor profitieren. Kapital bliebe zwar selektiv, könnte jedoch schrittweise aus der defensiven Haltung zurückkehren. Frühere Hochs würden dann wieder in Reichweite rücken, während sich das Marktgeschehen zunächst auf Bitcoin konzentriert und erst in einem zweiten Schritt qualitativ stärkere Projekte außerhalb des Kernsegments relative Stärke zeigen.

Ein weniger günstiger Verlauf ergäbe sich, falls die Kombination aus starkem US-Dollar, erhöhten Realrenditen und politischer Unsicherheit anhält. In diesem Fall würden Opportunitätskosten hoch bleiben und institutionelle Investoren ihre Allokationen vorsichtig steuern. Bitcoin könnte sich dann über einen längeren Zeitraum in einer breiten Handelsspanne bewegen, geprägt von erhöhter Volatilität und schnellen Stimmungswechseln. Kapital würde sich weiterhin auf wenige liquide und regulatorisch klarer einzuordnende Assets konzentrieren, während risikoreichere Segmente des Kryptomarkts strukturell unter Druck stünden. Ein solcher Verlauf entspräche weniger einer abrupten Trendwende als vielmehr einer verlängerten Konsolidierungsphase, wie sie auch in klassischen Märkten nach Phasen geldpolitischer Straffung zu beobachten ist.

Beide Entwicklungspfade haben jedoch einen gemeinsamen Nenner: Die Richtung entscheidet sich weniger an krypto-internen Faktoren als an der Frage, wie sich Liquiditätsbedingungen und geldpolitische Erwartungen in den kommenden Monaten entwickeln.

Weitere Informationen zu den aktuellen Krypto-Entwicklungen finden Sie in den aktuellen Research Insights von 21shares.

Der Autor dieses Beitrags, Darius Moukhtarzade, ist Research Strategist des Krypto-ETP-Emittenten 21Shares. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im aktuellen Research Insight von 21Shares. 

Rechtliche Hinweise:

Das in diesem Beitrag enthaltene Material dient ausschließlich Informationszwecken. 21Shares und die verbundenen Unternehmen empfehlen keine Maßnahmen auf der Grundlage dieser Informationen. Das Material ist weder als Angebot oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers, noch als Anlageberatung auszulegen. Darüber hinaus stellen diese Informationen keine Zusicherung dar, dass die hier beschriebenen Anlagen für eine Person geeignet oder sinnvoll sind. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für künftige Kursentwicklungen.

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