Cyberangriffe: Das sind die zehn am stärksten betroffenen Länder
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Wer im Cyberkrieg auf der Landkarte steht, wird angegriffen. Das zeigt der neue Microsoft Digital Defense Report 2026: Ein Viertel aller von Microsoft beobachteten Angriffe auf Kund:innen trifft die USA, dahinter folgen mit Israel und der Ukraine zwei Länder im Krieg. Taiwan landet auf Platz 4, Deutschland schafft es als einziges EU-Land in die Top 10. Gleichzeitig warnt Microsoft, dass Künstliche Intelligenz Angriffe schneller, billiger und schwerer erkennbar macht.
Die Top 10 der am stärksten betroffenen Länder
Für das Ranking hat Microsoft ausgewertet, wie häufig Kund:innen in den einzelnen Ländern im ersten Halbjahr 2026 Ziel bösartiger Aktivitäten wurden. Der Anteil gibt an, wie viel der weltweit beobachteten Angriffe auf das jeweilige Land entfällt.
| Platz | Land | Anteil an allen Angriffen |
|---|---|---|
| 1 | USA | 25,5 % |
| 2 | Israel | 7,6 % |
| 3 | Ukraine | 4,8 % |
| 4 | Taiwan | 3,9 % |
| 5 | Großbritannien | 3,8 % |
| 6 | Vereinigte Arabische Emirate | 2,8 % |
| 7 | Indien | 2,5 % |
| 8 | Japan | 2,5 % |
| 9 | Kanada | 1,8 % |
| 10 | Deutschland | 1,7 % |
Die Liste spiegelt vor allem geopolitische Konflikte wider. Laut dem Bericht bleiben die Ukraine und NATO-Staaten Schwerpunkte russischer Angreifer, während sich chinesische staatliche Gruppen auf den Indopazifik, die USA und strategisch wichtige Tech-Standorte konzentrieren. Taiwan war zuletzt etwa Ziel einer Kampagne mit KI-Agenten, die das israelisch-österreichische Cybersecurity-Unternehmen Dream aufgedeckt hat. Gleichzeitig beobachtet Microsoft mehr Cyberkriminalität in Lateinamerika, Afrika und Südostasien, wo die Digitalisierung rasch voranschreitet, die Abwehr aber oft noch schwächer ist. Weitere europäische Länder folgen erst mit Abstand, Frankreich etwa auf Platz 17, die Schweiz auf Platz 39 und Österreich auf Platz 66.
Ransomware-Boom in Europa
Bei Ransomware, also Erpresser-Software, die Daten verschlüsselt, wächst die Bedrohung vor allem in Europa. Die Zahl der Fälle, die Microsoft in Deutschland erfasst hat, stieg im Jahresvergleich von 59 auf 222, ein Plus von 276 Prozent. In Italien hat sie sich fast verdreifacht, in der Schweiz mehr als verdoppelt. Die USA bleiben mit 1.087 Fällen das mit Abstand am stärksten betroffene Land, Angriffe auf Israel nahmen um 21 Prozent zu. Microsoft vermutet dahinter auch den Iran, der Ransomware als Mittel der hybriden Kriegsführung einsetze.
Als aktivste Erpresser-Software nennt Microsoft Qilin und Akira. Qilin ist bei Kriminellen auch deshalb beliebt, weil die Betreiber ihren Partner:innen 80 bis 85 Prozent der Lösegelder überlassen, mehr als bei den meisten anderen Ransomware-Diensten. Insgesamt stieg die Zahl der ausgelösten Ransomware-Angriffe auf Unternehmen um 15,8 Prozent.
KI macht Angriffe schneller
Den größten Umbruch sieht Microsoft durch Künstliche Intelligenz. Angreifer nutzen KI, um schneller und in größerem Umfang vorzugehen, Verteidiger setzen sie umgekehrt ein, um Bedrohungen rascher zu erkennen. Gleichzeitig werden KI-Systeme selbst zum Ziel: Microsoft entdeckte eine bösartige Browser-Erweiterung mit mehr als 600.000 Installationen, die Gesprächsverläufe aus ChatGPT und DeepSeek abgriff und fast 10.000 Organisationen betraf. Bis 2028 könnten laut Branchenprognosen rund 1,3 Milliarden KI-Agenten im Einsatz sein, die ebenfalls abgesichert werden müssen. Wie schnell offensive KI-Fähigkeiten auch in frei verfügbaren Modellen landen, zeigte zuletzt das chinesische Modell GLM-5.3.
Weitere Zahlen aus dem Bericht:
- Datendiebstahl: Bei 63 Prozent der Einbrüche wurden Daten gestohlen.
- Cloud: Im Schnitt dauerte es nur 5,3 Stunden, bis ungeschützte Cloud-Systeme angegriffen wurden.
- Telefon-Phishing: Bei 93 Prozent der Anrufe hielten Betrüger:innen die Opfer lange genug am Telefon, um mit der Manipulation zu beginnen.
- Gefälschte Firmen-Mails: Mehr als 46 Millionen Angriffe mit gefälschten Absender:innen aus Unternehmen hat Microsoft in den vergangenen zwölf Monaten erkannt.
Als wichtigstes Einfallstor gelten weiterhin digitale Identitäten, also gestohlene Zugangsdaten und Konten. Microsoft rät deshalb zu Passkeys und phishing-resistenter Mehr-Faktor-Authentifizierung.
Was das Ranking aussagt
Das Länder-Ranking hat allerdings Grenzen. Es misst, wie oft Microsoft-Kund:innen in einem Land angegriffen werden, und hängt damit auch davon ab, wie viele Nutzer:innen und Unternehmen dort Microsoft-Produkte einsetzen. Große Märkte mit vielen Kund:innen wie die USA landen fast automatisch weiter vorne als kleine. Zudem stützt sich Microsoft ausschließlich auf eigene Daten, laut eigenen Angaben mehr als 165 Billionen Sicherheitssignale pro Tag. Angriffe auf Systeme anderer Anbieter fließen nicht ein.

