Davos

Microsoft CEO: BIP-Wachstum jedes Landes wird direkt mit Token-Preisen für AI korrelieren

Microsoft CEO Satya Nadella. © World Economic Forum
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Microsoft-CEO Satya Nadella hat auf dem World Economic Forum in Davos eine klare Vision für die Zukunft der Künstlichen Intelligenz formuliert: Entweder die Technologie verbreitet sich schnell und gleichmäßig über alle Gesellschaftsschichten und Regionen hinweg, oder sie wird zur Spekulationsblase verkommen. In einem ausführlichen Gespräch mit BlackRock-Chef Larry Fink legte Nadella dar, warum die breite Anwendung von KI wichtiger ist als ihre technologische Entwicklung.

Nadella beschreibt KI als fundamentalen Plattformwechsel, vergleichbar mit dem Internet oder der mobilen Revolution. Sein Durchbruchsmoment kam mit GitHub Copilot:

„Mein eigener Glaube an diese Generation von KI und ihre Fähigkeiten wurde wirklich aufgebaut, als ich zum ersten Mal sah, wie GitHub Copilot Code-Vervollständigungen macht. Für die längste Zeit hatten wir den Traum: Kann man als Software-Entwickler das nächste Wort oder die nächste Codezeile vorhersagen? Und plötzlich funktionierte es mit diesen Modellen.“

Der Microsoft-Chef sieht KI nicht als Bedrohung für menschliche Arbeit, sondern als Verstärker. Er verwendet die Metapher von „unendlichen Köpfen“, auf die jeder Wissensarbeiter nun Zugriff habe. Die Technologie entwickle sich vom einfachen Code-Completion über Chat-Assistenten bis hin zu autonomen Agenten, die ganze Projekte übernehmen können.

Dazugesagt muss sein: Microsoft hat seine führende Position in KI aufgeben müssen, nachdem sich OpenAI von seinem strategischen Investor löste. Seither hat Mirosoft auch beim direkten Konkurrenten Anthropic investiert und dessen Claude-Modelle in Produkten integriert.

Die Diffusions-Gleichung: Tokens, Dollar und Watt

Das Kernargument Nadellas lautet: KI wird nur dann gesellschaftlich akzeptiert bleiben, wenn sie messbare Verbesserungen in Gesundheit, Bildung, öffentlicher Verwaltung und Wirtschaft bringt. Die Formel dafür sei simpel:

„Tokens pro Dollar pro Watt müssen effizienter und besser werden. Das BIP-Wachstum in jedem Land wird direkt korreliert sein mit dieser neuen Ware namens Tokens. Wenn man billigere Tokens hat, ist das besser.“

Nadella vergleicht die kommende KI-Infrastruktur mit dem Stromnetz: überall verfügbar, lokal produziert, global vernetzt. Microsoft investiere weltweit in „Token-Fabriken“, wobei 50 Prozent der Investitionen außerhalb der USA erfolgen.

Qualifizierung als Schlüssel zur Verbreitung

Der entscheidende Faktor für erfolgreiche KI-Diffusion sei nicht die Technologie selbst, sondern die Fähigkeit der Menschen, sie zu nutzen. Nadella zieht einen Vergleich zur PC-Ära:

„Als ich im globalen Süden aufwuchs, gab es eine echte Beziehung zwischen dem Erlernen von Excel- oder Word-Fähigkeiten und dem Bekommen eines Jobs. Das muss zurückkommen. Menschen müssen sagen: Oh, ich eigne mir diese KI-Fähigkeit an und jetzt bin ich ein besserer Anbieter eines Produkts oder einer Dienstleistung in der realen Wirtschaft.“

Anders als die Mobile-Ära, die stark konsumgetrieben war, müsse KI direkt zu beruflichen Chancen führen. Nadella sieht bereits Beispiele aus Indien, wo ländliche Bauern KI-Bots nutzen, um staatliche Subventionen zu beantragen.

Organisationswandel: Flachere Hierarchien durch KI

Nadella beschreibt konkret, wie KI die Arbeitsweise bei Microsoft verändert hat. Seine Vorbereitung für Meetings in Davos illustriert den Wandel:

„Früher bereitete mein Team Notizen vor, die dann zur Zentrale kamen und weiter verfeinert wurden. Nichts hatte sich wirklich geändert seit meinem Eintritt 1992. Jetzt gehe ich einfach zu Copilot und sage: Hey, ich treffe Larry, bitte gib mir ein Briefing. Es kommt zurück mit einer 360-Grad-Sicht, es kennt unsere Geschäftsbeziehung in alle Richtungen.“

Diese Umkehrung des Informationsflusses erfordere strukturelle Anpassungen in Unternehmen. Die alte Hierarchie, bei der Information nach oben sickert, werde durch flachere Strukturen mit freierem Informationsfluss ersetzt.

Microsoft CEO Satya Nadella. © World Economic Forum
Microsoft CEO Satya Nadella. © World Economic Forum

Die Formel für erfolgreiche KI-Adoption

Nadella formuliert drei Erfolgsfaktoren für Organisationen:

  • Mindset: Führungskräfte müssen bereit sein, Arbeitsprozesse grundlegend zu verändern
  • Skillset: Aktive Nutzung ist Pflicht, man kann nicht nur theoretisch über KI sprechen
  • Dataset: Der Kontext, den man der KI gibt, bestimmt ihre Qualität

Er warnt, dass Produktivitätsgewinne nicht automatisch kommen: „Sie müssen die harte Arbeit leisten. Deshalb wird es firmenweite Unterschiede geben, sogar branchenweite Unterschiede, aber es wird fundamental vom Führungswillen in einer Organisation abhängen.“

Europa-Kritik: Globales Denken statt Daten-Protektionismus

Mit deutlichen Worten wandte sich Nadella gegen die europäische Fokussierung auf Datensouveränität. Europa müsse sich auf seine Stärken besinnen:

„Die europäische Wirtschaft gedeiht seit 200, 300 Jahren, weil sie Dinge produzieren konnte, die die Welt brauchte. Europa sollte viel mehr besorgt sein über den Zugang seiner Industrieunternehmen und Finanzdienstleister zu Daten aus den USA und dem Rest der Welt, anstatt nur zu denken, dass man durch den Schutz Europas wettbewerbsfähig wird.“

Er hebt den deutschen Mittelstand als Beispiel hervor: Präzisionsinstrumente in Zahnarztpraxen weltweit stammten oft aus Deutschland. Diese globale Wettbewerbsfähigkeit müsse im KI-Zeitalter erhalten bleiben.

Firmen-Souveränität wichtiger als Daten-Souveränität

Nadella führt ein neues Konzept ein, das in der Debatte bisher kaum Beachtung fand:

„Das Thema, über das am wenigsten gesprochen wird, aber das meistbesprochen werden wird, ist die Souveränität eines Unternehmens. Stellen Sie sich vor, Ihre Firma kann das stillschweigende Wissen nicht in einem Satz von Gewichten in einem Modell einbetten, das Sie kontrollieren. Per Definition haben Sie keine Souveränität. Das bedeutet, Sie verlieren Unternehmenswert an irgendeine Modellfirma irgendwo.“

Der Standort des Rechenzentrums sei dabei das geringste Problem. Wichtiger sei die Kontrolle über die eigenen KI-Modelle und das darin eingebettete Unternehmenswissen.

Multi-Modell-Zukunft statt Monopol

Auf die Frage nach einem dominanten KI-Modell in der Zukunft antwortet Nadella klar: Es wird eine Multi-Modell-Welt bleiben. Der Wettbewerbsvorteil liege in der Orchestrierung:

„Das geistige Eigentum jeder Anwendung oder jedes Unternehmens ist: Wie nutzen Sie all diese Modelle mit Context Engineering oder Ihren Daten? Können Sie alle Modelle einbringen, ob Closed Source oder Open Source, mein eigenes Modell bauen, sie orchestrieren und mit meinen Daten füttern, um die Entwicklung eines Ergebnisses zu ändern, das mir wichtig ist? Das ist es. Das ist das gesamte Bild.“

Fazit: Diffusion oder Desaster

Nadellas zentrale Botschaft aus Davos lautet: KI wird nur dann ihr Versprechen einlösen, wenn die Vorteile breit gestreut werden. Ein Zeichen für eine Blase wäre, wenn nur noch über Tech-Firmen gesprochen würde. Stattdessen müsse der Fokus auf konkreten Anwendungen liegen, etwa KI-beschleunigte klinische Studien in der Pharmabranche oder effizientere Gesundheitsversorgung durch KI-gestützte Dokumentation.

Die Verantwortung für erfolgreiche Diffusion sieht er bei Führungskräften in Wirtschaft und Politik. Wer jetzt nicht handelt, verliert den Anschluss, egal ob Startup oder Konzern, entwickeltes Land oder Schwellenland. Die Demokratisierung der Technologie sei möglich, aber nicht garantiert. Sie erfordere bewusste Investitionen in Infrastruktur, Qualifizierung und organisatorischen Wandel.

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