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Mistral steigert ARR auf 400 Millionen Dollar, baut eigene KI-Rechenzentren

Das Team von Mistral. © Mistral AI
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Das französische KI-Startup Mistral hat seine Einnahmen innerhalb eines Jahres verzwanzigfacht und profitiert dabei von der wachsenden Nachfrage europäischer Unternehmen und Regierungen nach Alternativen zu amerikanischen Technologieanbietern. Der Mitgründer und Geschäftsführer Arthur Mensch bezifferte die annualisierte Umsatzlaufrate des Unternehmens auf über 400 Millionen Dollar, verglichen mit lediglich 20 Millionen Dollar im Vorjahr. Das in Paris ansässige Unternehmen, das im vergangenen Jahr mit knapp 12 Milliarden Euro bewertet wurde, strebt bis Jahresende einen wiederkehrenden Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Dollar an.

Zum Vergleich: Anthropic will 2025 bei etwa 10 Milliarden, OpenAI bei etwa 20 Milliarden Dollar Umsatz gelandet sein.

Die rasante Expansion erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender Besorgnis in europäischen Führungsetagen über eine mögliche technologische Entkopplung durch die Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump. Die Europäische Union verlässt sich derzeit bei über 80 Prozent ihrer digitalen Dienste und Infrastruktur auf ausländische, überwiegend amerikanische Anbieter. Mensch erklärte, Europa habe erkannt, dass seine Abhängigkeit von US-Digitaldiensten übermäßig gewesen sei und heute an einem Bruchpunkt stehe. Mistral positioniert sich als Anbieter von Modellen, Software und Rechenleistung, die vollständig unabhängig von amerikanischen Akteuren funktionieren.

Infrastrukturausbau in Schweden

Das Unternehmen kündigte eine Investition von 1,2 Milliarden Euro für den Aufbau neuer KI-Rechenzentren in Schweden an, die erste derartige Einrichtung außerhalb Frankreichs. In Zusammenarbeit mit EcoDataCenter entsteht eine Anlage mit 23 Megawatt Rechenleistung, die im kommenden Jahr in Betrieb gehen soll. Schweden biete sich als Standort für energieintensive KI-Chips an, da dort Energie sowohl kohlenstoffarm als auch relativ kostengünstig sei. Mistral prognostiziert, dass die Einrichtung in den nächsten fünf Jahren Einnahmen von über zwei Milliarden Euro generieren wird.

Trotz der Ambitionen amerikanischer Konkurrenten OpenAI und Anthropic, zeitnah an die Börse zu gehen, plant Mistral keinen Börsengang in diesem Jahr, wie die Financial Times berichtet. Die Verfügbarkeit von Fremdfinanzierung mache diesen Schritt vorerst unnötig, obwohl ein IPO für die kommenden Jahre in Erwägung gezogen werde, um die langfristige Unabhängigkeit zu sichern. Das Unternehmen hat seinen Kundenstamm an großen Unternehmenskunden auf über 100 erweitert, darunter ASML, TotalEnergies, HSBC sowie mehrere europäische Regierungen wie Frankreich, Deutschland, Luxemburg, Griechenland und Estland. Etwa 60 Prozent der Umsätze stammen aus Europa, der Rest aus den USA und Asien.

Vertikale Integration als Geschäftsstrategie

Mistral verfolgt verstärkt eine Strategie der vertikalen Integration, indem es eigene KI-Rechenzentren aufbaut und betreibt, anstatt sich auf amerikanische Hyperscaler wie Amazon, Microsoft und Google zu verlassen. Dieser Ansatz ermöglicht es dem Unternehmen, Chips zu finanzieren, die tagsüber Kundenworkloads verarbeiten und nachts neue KI-Systeme trainieren. Gleichzeitig bietet die Speicherung von Daten auf lokalen Servern europäischen Kunden Sicherheit hinsichtlich der Datensouveränität. Die Bereitstellung souveräner KI-Infrastruktur stehe bei allen Gesprächspartnern im Vordergrund, betonte Mensch.

Hinsichtlich der Marktentwicklung äußerte sich der Geschäftsführer skeptisch gegenüber überzogenen Erwartungen an KI-Chatbots. Viele Unternehmenskunden hätten sich von standardmäßigen Chatbot-Lösungen enttäuscht gezeigt, da diese Schwierigkeiten hätten, einen Return on Investment zu erzielen. Die Vorstellung, ein einzelnes System könne alle Geschäftsprozesse abdecken, bezeichnete er als unrealistisch. Dennoch sieht Mistral Potenzial darin, dass KI Nutzerabsichten verstehen und benötigte Benutzeroberflächen generieren kann, während traditionelle Geschäftssoftware-Anbieter aufgrund ihrer geschäftskritischen Daten weiterhin relevant bleiben würden.

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