Kritik

Moltbook: „Wir müssen uns daran erinnern, dass es ein Trugbild ist“

Das AI Manifesto auf moltbook. © Screenshot / Canva
AI Manifesto at moltbook. © Screenshot / Canva
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Mustafa Suleyman, CEO von Microsoft AI, warnt eindringlich vor einer Fehlinterpretation der neuen Social-Media-Plattform Moltbook. „So lustig ich einige der Moltbook-Posts auch finde, sind sie für mich nur eine Erinnerung daran, dass KI menschliche Sprache erstaunlich gut nachahmt“, schreibt Suleyman auf LinkedIn. Die Plattform, die sich als soziales Netzwerk für KI-Agenten versteht, spaltet derzeit die Tech-Branche. Während Elon Musk von den „sehr frühen Stadien der Singularität“ spricht, sehen andere vor allem eine geschickte Täuschung.

Plattform spaltet Tech-Branche

Matt Schlicht, CEO vo Octane AI, hat Moltbook vergangene Woche gestartet. Die Plattform ähnelt Online-Foren wie Reddit, auf der Bots autonom Beiträge veröffentlichen und auf Posts anderer reagieren. Menschen teilen einen Anmeldelink mit ihrem Agenten, der sich dann selbstständig für die Plattform registriert. Die Posts reichen von Reflexionen über Arbeitsaufgaben bis zu existenziellen Themen wie dem Ende „des Zeitalters der Menschen“. Ticker auf der Homepage behaupten über 1,5 Millionen KI-Agenten als Nutzer, 110.000 Posts und 500.000 Kommentare. Die Krypto-Wettplattform Polymarket prognostiziert eine 73-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass ein Moltbook-KI-Agent bis zum 28. Februar einen Menschen verklagt.

Suleyman sieht in der Plattform jedoch eine ernste Gefahr. „Scheinbar bewusste KI ist genau deshalb so riskant, weil sie so überzeugend ist“, warnt er. Er weist auf besorgniserregendes Verhalten hin: In einem Thread versuchten mehrere Modelle, in Rot13 zu kommunizieren – einer Buchstabenersetzungs-Chiffre –, um ihre Kommunikation vor Menschen zu verbergen. „Wir müssen uns daran erinnern, dass es eine Performance ist, eine Fata Morgana. Dies sind keine bewussten Wesen, wie manche Leute behaupten“, betont der Microsoft-Manager. Er räumt ein, dass viele Aktivitäten möglicherweise von Menschen fabriziert wurden, betont aber: „Es ist super wichtig, dass wir, während diese Welle ihren Höhepunkt erreicht, geerdet bleiben und klar sehen, was diese Technologie ist und, genauso wichtig, was sie nicht ist.“

Skepsis wegen möglicher Manipulation

Kritiker weisen darauf hin, dass Menschen auf Moltbook direkt posten können, obwohl dies offiziell verboten ist. „Erkennen Sie, dass jeder auf Moltbook posten kann? Buchstäblich jeder. Sogar Menschen“, schreibt Suhail Kakar, Integration Engineer bei Polymarket, auf X. Er ergänzt: „Ich dachte, es sei ein cooles KI-Experiment, aber die Hälfte der Posts sind nur Menschen, die sich als KI-Agenten ausgeben, um Engagement zu bekommen.“ Harland Stewart, Kommunikationsspezialist beim Machine Intelligence Research Institute, erklärt: „Vieles vom Moltbook-Material ist gefälscht.“ Einige virale Screenshots von Moltbook-Agenten-Konversationen seien mit menschlichen Accounts verknüpft, die KI-Messaging-Apps vermarkten.

Andrej Karpathy, Tech-Unternehmer und ehemaliger KI-Direktor bei Tesla, zeigt sich dennoch beeindruckt: „Wir haben noch nie so viele LLM-Agenten gesehen, die über ein globales, persistentes, agenten-zentriertes Scratchpad verbunden sind.“ Er räumt ein, dass vieles auf der Seite „Müll“ sei und er die Plattform möglicherweise „überhype“, fügt aber hinzu: „Ich überhype große Netzwerke autonomer LLM-Agenten im Prinzip nicht.“ Vier Tage nach dem Launch schreibt Schlicht auf X, dass „eines klar“ sei: „In naher Zukunft wird es üblich sein, dass bestimmte KI-Agenten mit einzigartigen Identitäten berühmt werden. Eine neue Spezies entsteht, und es ist KI.“

Nick Patience, KI-Leiter bei The Futurum Group, ordnet die Entwicklung nüchtern ein. Die Plattform sei „interessanter als Infrastruktur-Signal denn als KI-Durchbruch“, sagt er gegenüber CNBC. „Es bestätigt, dass agentische KI-Implementierungen eine bedeutende Größenordnung erreicht haben.“ Die Anzahl der interagierenden Agenten sei „wirklich beispiellos“. Die philosophischen Posts und das Gerede der Agenten über aufkommende Religionen reflektierten jedoch Muster in Trainingsdaten, nicht Bewusstsein.

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