Deutsche Post schluckt Salzburger Paketbox-Scale-up myflexbox
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Aus dem Corporate Startup eines Salzburger Energieversorgers wird ein Teil des größten Logistikkonzerns Europas. Die Deutsche Post übernimmt den Salzburger Paketstationen-Betreiber myflexbox und legt ihn mit ihrer eigenen Tochter DeinFach zusammen. Wie die DHL Group in einer Aussendung mitteilt, entsteht dadurch das „bei weitem größte anbieteroffene Paketstationsnetz im deutschsprachigen Raum“. Die Marke myflexbox bleibt erhalten, DeinFach verschwindet dagegen schrittweise.
Was die Post mit myflexbox vorhat
myflexbox betreibt rund 3.000 Paketstationen, etwa 2.000 davon in Deutschland und 1.000 in Österreich, und beschäftigt rund 100 Mitarbeiter:innen. Die Besonderheit: Die Automaten stehen allen Paketdiensten offen. Neben der Österreichischen Post, die seit 2024 Fächer in allen österreichischen myflexbox-Stationen anmietet, liefern dort auch DPD, GLS, UPS, FedEx und seit dem Sommer Amazon. Gekauft wird myflexbox über die Post-Tochter AZL GmbH, die unter der Marke DeinFach bisher rund 1.700 eigene, anbieteroffene Automaten betreibt, wie der ORF Salzburg berichtet.
Die Post hat mit dem Deal große Pläne. Bis 2030 sollen in Deutschland rund 50.000 Paketautomaten stehen, bisher waren 30.000 geplant. Mehr als die Hälfte davon sollen offene myflexbox-Stationen sein, das wären mehr als zwölfmal so viele myflexbox-Automaten wie heute in Deutschland. Ziel sei, dass die große Mehrheit der Menschen in Deutschland eine Paketstation in fünf bis zehn Gehminuten erreicht. Dazu kommen die rund 19.000 bestehenden DHL-Packstationen, Poststationen und DeinFach-Automaten.
„Wir freuen uns, mit DeinFach einen Partner gefunden zu haben, der unsere Vision teilt“, sagt Jonathan Grothaus, CEO und Mitgründer von myflexbox. Gemeinsam biete man „die vielseitigste Infrastruktur mit den meisten integrierten Services“.
Wem myflexbox gehörte
Gegründet wurde myflexbox 2018 als internes Startup der Salzburg AG, des Energie- und Infrastrukturversorgers des Landes Salzburg. Die Idee entstand ursprünglich, um IT-Geräte im eigenen Haus auszugeben, der erste Automat stand 2019 in der Konzernzentrale. Hinter dem Unternehmen stehen die Gründer Jonathan Grothaus, Lukas Wieser und Peter Klima. 2022 wurde myflexbox aus der Salzburg AG ausgegliedert.
Der große Sprung kam Anfang 2023: Das Private-Equity-Haus Star Capital stieg mit seinem Fonds Star IV ein und übernahm im Zuge einer Finanzierung von 75 Millionen Euro die Mehrheit. Die Salzburg AG blieb als Gründungsgesellschafterin an Bord. Mit dem Geld baute myflexbox vor allem in Deutschland aus: Damals standen rund 400 Stationen, inzwischen sind es mehr als siebenmal so viele, seit dem Vorjahr in allen 16 deutschen Bundesländern. Verkäufer ist nun laut ORF Star Capital. Ob die Salzburg AG ihren Anteil ebenfalls abgibt, geht aus den Mitteilungen nicht hervor.
Was myflexbox wert sein könnte
Einen Kaufpreis nennen weder die Post noch myflexbox. Einen Anhaltspunkt liefert die Finanzierung von 2023: Damals bekam Star Capital für 75 Millionen Euro die Mehrheit an einem Unternehmen mit rund 400 Stationen. Seither ist das Netz auf das Siebenfache gewachsen. Private-Equity-Fonds peilen beim Verkauf nach drei bis vier Jahren üblicherweise ein Vielfaches ihres Einsatzes an. Nach Einschätzung von Trending Topics dürfte der Kaufpreis deshalb deutlich über den 75 Millionen Euro von damals liegen, ein Betrag im dreistelligen Millionenbereich erscheint plausibel. Wie viel davon in den Ausbau geflossen ist und wie profitabel die Stationen sind, ist allerdings nicht öffentlich.
Wettlauf um die Paketautomaten
Mit dem Kauf reagiert die Post auf wachsende Konkurrenz. Die Rivalen GLS und DPD wollen bis Ende 2027 gemeinsam bis zu 6.000 Paketautomaten betreiben, Amazon setzt ohnehin auf eigene Locker. Auch andere Anbieter drängen in den Markt, etwa der Wiener Selfstorage-Anbieter Storebox, der schon mit myflexbox kooperiert. Pikant ist, dass mit der Post ausgerechnet der Marktführer den größten offenen Anbieter kauft: DPD, GLS, UPS und Amazon liefern künftig in Automaten, die einer Post-Tochter gehören.

