Digitale Souveränität

Tschüss, Windows: Niederlande bauen eigenes Linux für Behörden

Programming code on a screen
Symbolic image of code. © Chris Ried / Unsplash

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Die Niederlande wollen sich von Microsoft nicht mehr den Stecker ziehen lassen, deswegen ziehen sie jetzt Microsoft den Stecker. Die Regierung in Den Haag entwickelt mit DAWO einen komplett eigenen digitalen Arbeitsplatz für ihre Behörden, vom Betriebssystem über Office bis zur Cloud, und zwar ohne US-Konzerne. Die Basis bildet das Open-Source-Betriebssystem NixOS, wie It’s FOSS berichtet. Acht Gemeinden testen das System bereits.

Was hinter DAWO steckt

DAWO steht für „Digitaal Autonome Werkomgeving Overheid“, also digital autonome Arbeitsumgebung der Regierung. Es geht dabei um weit mehr als einen neuen Desktop, das Projekt deckt den gesamten Arbeitsplatz ab:

  • Betriebssystem: Basis ist NixOS, eine Linux-Distribution.
  • Anwendungen: Office-Software und Werkzeuge für die Zusammenarbeit.
  • Infrastruktur: Cloud-Speicher, Backups und Systeme für die IT-Verwaltung.
  • KI: Auch künstliche Intelligenz soll Teil der souveränen Umgebung werden.

Entwickelt wird DAWO von einem Team rund um das niederländische Innenministerium. Umgesetzt wird es von den drei staatlichen IT-Dienstleistern SSC-ICT, DICTU und DUO-ICT, die im Juli einen entsprechenden Auftrag bekommen haben. Die Pilotprojekte in den acht Gemeinden laufen über den niederländischen Gemeindeverband, eine erste stabile Version soll nächstes Jahr fertig sein. Einen Zeitplan für die landesweite Einführung gibt es laut Yahoo Tech noch nicht.

Der Weckruf aus Den Haag

Den Anstoß gab ein Fall, der in Europa für Aufsehen sorgte: Nach US-Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag soll der Chefankläger Anfang 2025 keinen Zugriff mehr auf seine Microsoft-Dienste gehabt haben. Microsoft bestreitet diese Darstellung, im niederländischen Parlament diente der Vorfall trotzdem als Beleg dafür, wie abhängig Europa von Entscheidungen in Washington und Redmond ist.

Die Wahl von NixOS ist dabei ein politisches Statement. Das Projekt stammt ursprünglich aus den Niederlanden und gehört keinem Unternehmen. Alternativen wie openSUSE oder Fedora fielen laut It’s FOSS durch, weil sie mit Konzernen verbunden sind, hinter denen US-Firmen stehen. Dazu kommen technische Vorteile: NixOS beschreibt den gewünschten Zustand eines Systems in Code, dadurch lassen sich tausende Rechner einheitlich und nachvollziehbar aufsetzen. Außerdem läuft es auf älterer Hardware, die Windows 11 nicht mehr unterstützt.

Die harten Hürden

Leicht wird der Umstieg nicht. Behörden hängen oft an alten Fachanwendungen, die nur unter Windows laufen, und Dokumente müssen weiterhin reibungslos mit Microsoft Office austauschbar sein. Dazu kommen Schulungen für Tausende Beamt:innen, Treiber für unterschiedlichste Hardware, Sicherheitszertifizierungen und die Frage, wer das System langfristig wartet und bezahlt. Entscheidend wird sein, ob ganz normale Mitarbeiter:innen damit genauso produktiv arbeiten können wie bisher.

Europa sucht den Ausweg

Die Niederlande sind nicht allein. Dänemark, Frankreich und die Schweiz verfolgen ähnliche Open-Source-Projekte, in Deutschland stellt Schleswig-Holstein seine Verwaltung auf Linux und LibreOffice um, und in Österreich setzt das Bundesheer auf LibreOffice statt Microsoft Office. Auch private Anbieter wittern ihre Chance: Mit Office.eu und Euro-Office wollen gleich zwei europäische Alternativen Microsoft 365 und Google Workspace Konkurrenz machen.

Microsoft selbst versucht gegenzusteuern und bietet europäischen Kund:innen mittlerweile eigene Souveränitätsangebote an, etwa eine EU Data Boundary, die Daten in Europa halten soll. Ob das reicht, um Regierungen wie jene in Den Haag zu halten, ist fraglich. DAWO zeigt, dass Europas Staaten bei der digitalen Souveränität inzwischen selbst Hand anlegen.

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