OpenAI soll mit „o“ einen KI-Agenten als Antwort auf Meta’s Muse starten
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Meta hat vorgelegt, jetzt ist OpenAI am Zug: Beim Dev Day in San Francisco könnte der ChatGPT-Hersteller am morgigen Dienstag einen persönlichen KI-Agenten namens „o“ vorstellen, der rund um die Uhr für seine Nutzer:innen arbeitet. Offiziell bestätigt ist davon noch nichts. Die Hinweise haben sich in den vergangenen Tagen allerdings verdichtet.
Was über „o“ bekannt ist
Ausgelöst hat die Spekulationen der Leak-Spezialist TestingCatalog. Er hat laut eigenem Bericht in der Konfiguration von ChatGPT mehrere Verweise auf „o“ entdeckt, darunter „o“ als Anzeigename und eine E-Mail-Endung „-o“. Das deutet darauf hin, dass der Agent eine eigene E-Mail-Identität bekommen könnte. Kurzzeitig tauchte „o“ zudem auf der Upgrade-Seite für den Pro-Plan um 100 Dollar (umgerechnet rund 85 Euro) im Monat als „always-on assistant“ auf, also als Assistent, der auch weiterarbeitet, wenn das Chatfenster geschlossen ist.
Intern soll das Projekt mit „Aeon“ in Verbindung stehen, einem Namen, den OpenAI bereits für seine ständig laufenden Agenten verwendet. Mehrere Berichte, etwa von Wccftech, gehen davon aus, dass „o“ auf einer Variante des Modells GPT-6 Astra basiert, die speziell für lang laufende Aufgaben ausgelegt ist. Verfügbar sein soll der Agent Gerüchten zufolge in allen Pro-Stufen. Parallel dazu wird ein neues Abo namens ChatGPT Pro Max um rund 500 Dollar (etwa 430 Euro) im Monat erwartet, das besonders schnelle Antworten verspricht.
Welche Aufgaben „o“ konkret übernehmen kann, welche Berechtigungen er bekommt und wann er in Europa verfügbar wäre, ist bislang offen. Auch der Name selbst ist nicht in Stein gemeißelt: Interne Codenamen überleben die finale Markenprüfung oft nicht.
Der Dev Day als Bühne
Den Rahmen für einen möglichen Launch bildet der Dev Day, die jährliche Entwickler:innenkonferenz von OpenAI in Fort Mason in San Francisco. CEO Sam Altman eröffnet die Veranstaltung mit einer Keynote, die per Livestream übertragen wird. Der Entwickler:innen-Account des Unternehmens heizte die Erwartungen am Wochenende mit einem Countdown-Posting an: Man habe gebaut, nun sei es Zeit, die Arbeit zu zeigen. Das dazugehörige Teaser-Bild mit bunten, kreisförmigen Figuren wurde in der Community rasch als Anspielung auf „o“ gedeutet.
Ein Agent, der eigenständig im Hintergrund arbeitet, würde zur Strategie von OpenAI passen. Das Unternehmen hat zuletzt mit Workspace Agents bereits dauerhaft laufende Agenten für Business-Kund:innen eingeführt, wie Trending Topics berichtete. „o“ könnte das Konsument:innen-Gegenstück dazu werden.
Die Rolle von Peter Steinberger
Offen ist, welchen Anteil Peter Steinberger an „o“ hat. Der oberösterreichische Entwickler hatte mit OpenClaw einen der meistbeachteten Open-Source-Agenten entwickelt und war Anfang des Jahres zu OpenAI gewechselt, wie Trending Topics berichtete. Sam Altman kündigte damals auf X an, Steinberger solle bei OpenAI „die nächste Generation persönlicher Agenten“ vorantreiben, und stellte in Aussicht, dass dies rasch zum Kern des Produktangebots werde.
Steinberger selbst formulierte in seinem Blogpost zum Wechsel ein klares Ziel: einen Agenten zu bauen, den sogar seine Mutter bedienen kann. Genau diese Zielgruppe hätte ein massentauglicher Agent wie „o“ im Visier. Eine offizielle Bestätigung, dass Steinberger an „o“ mitgearbeitet hat oder beim Dev Day auftritt, gibt es bislang allerdings nicht. OpenClaw selbst ist mittlerweile in eine Stiftung ausgelagert und wird als unabhängiges Open-Source-Projekt weitergeführt.
Meta ist mit Muse bereits am Markt
Der Druck auf OpenAI kommt vor allem aus Menlo Park. Meta hat vor rund drei Wochen mit Muse einen persönlichen KI-Agenten für die breite Masse gestartet, vorerst allerdings nur in den USA, wie Trending Topics berichtete. Muse läuft laut Meta in einer eigenen, abgeschotteten virtuellen Maschine, verbindet sich mit E-Mail, Kalender und anderen Diensten, schreibt Mails, bucht Reisen, füllt Formulare aus und erledigt Einkäufe. Längere Aufgaben erledigt der Agent auch, wenn die App geschlossen ist, und meldet sich, sobald er eine Freigabe braucht.
Die Basisnutzung ist gratis, bei höherem Verbrauch greifen Abos um 20 Dollar (rund 17 Euro) und 100 Dollar (rund 85 Euro) im Monat. Der Start verlief erfolgreich: Muse kletterte an die Spitze der kostenlosen iPhone-Apps in den USA und kam laut Sensor Tower binnen zwei Wochen auf mehr als 2,5 Millionen Downloads, wie CNN berichtet. Bei der hauseigenen Konferenz Connect legte Meta nach und präsentierte unter anderem den Schlüsselanhänger Muse Charm als eigenes Gerät für den Agenten. Kritische Stimmen verweisen allerdings auf die Frage, ob Nutzer:innen einem Konzern wie Meta den Zugriff auf so viele persönliche Daten anvertrauen wollen.
Weitere Mitbewerber
Neben Meta und OpenAI drängen weitere Anbieter in das Segment. xAI hat mit Grok Bot einen digitalen Mitarbeiter in eine frühe Beta geschickt, Microsoft baut mit Autopilot einen dauerhaft laufenden Agenten in Copilot ein. Anthropic hat mit Claude ebenfalls agentische Funktionen im Angebot, die eigenständig am Computer arbeiten, richtet sich damit aber stärker an professionelle Anwender:innen.
Google fehlt noch ein vergleichbares Produkt
Auffällig ist, dass Google trotz Gmail, Google Kalender, Android und der eigenen Suchmaschine bisher keinen vergleichbaren Agenten für die breite Masse gestartet hat. Das hauseigene Agenten-Tool Gemini Spark befindet sich weiterhin in einer Testphase und ist nur für zahlende Abonnent:innen in den USA zugänglich. Parallel testet Google mit CC ein weiteres Agentenprodukt für Familien. Der frühere Google-Ventures-Partner M.G. Siegler kritisierte in seinem Newsletter Spyglass genau diese Zersplitterung und bezeichnete Googles Vorgehen als zaghaft. An der Börse ist die Nervosität spürbar: Die Alphabet-Aktie verlor zuletzt an zwei Handelstagen knapp fünf Prozent, was Analyst:innen mit dem Erfolg von Muse in Verbindung brachten. Google-DeepMind-Chef Koray Kavukcuoglu stellte daraufhin in Aussicht, dass das nächste Modell Gemini 4 deutlich früher als bis Jahresende erscheinen könnte.

