Palantir CEO Alex Karp meint, dass AI Immigration obsolet machen wird
Alex Karp, Mitgründer und CEO des Datenanalyse-Konzerns Palantir, hat bei seinem Auftritt am World Economic Forum in Davos mit kontroversen Aussagen zur Einwanderungspolitik und zur technologischen Wettbewerbsfähigkeit Europas für Aufsehen gesorgt. Im Gespräch mit BlackRock-Chef Larry Fink äußerte sich Karp kritisch zu mehreren gesellschaftspolitischen Entwicklungen.
Das passt zu Karps Rolle, die er öffentlich gerne vertritt. Er hat in der Vergangenheit bereits des öfteren „woke“ Personen und Unternehmen kritisiert und bezeichnet Palantir als „Anti-woke“. Neben anderen Staatsaufträgen versorgt sein Unternehmen unter anderem die US-Einwanderungsbehörde ICE; die Software wird zur Echtzeit-Verfolgung von Migrationsbewegungen und zur Beschleunigung von Abschiebeverfahren eingesetzt.
Skepsis gegenüber Masseneinwanderung
Besonders brisant war Karps Äußerung zur Einwanderungspolitik. Der Palantir-Chef stellte die Notwendigkeit großangelegter Immigration infrage und argumentierte, dass künstliche Intelligenz die Arbeitskräftesituation grundlegend verändere. Seine Aussage im Wortlaut:
„Diese Trends machen es wirklich schwer vorstellbar, warum wir großangelegte Immigration haben sollten, es sei denn, man verfügt über sehr spezialisierte Fähigkeiten.“
Karp begründete seine Position damit, dass KI-Technologien insbesondere Menschen mit beruflicher Ausbildung aufwerten würden, während klassische akademische Qualifikationen an Bedeutung verlören. Dies schaffe ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten für die eigene Bevölkerung.
Ironischerweise haben auf dem WEF am selben Tag gleich mindestens drei Vertreter sehr großer und wichtiger KI/Tech-Unternehmen gesprochen:
- Satya Nadella (CEO Microsoft) ist ein klassischer Einwanderer der ersten Generation, Er wurde in Hyderabad, Indien, geboren.
- Demis Hassabis (CEO Google DeepMind) wurde in London, geboren und ist dort aufgewachsen, sein Vater ist griechisch-zypriotischer Herkunft und seine Mutter stammt aus Singapur
- Dario Amodei (CEO Anthropic) wurde in den USA geboren, seine Eltern sind aus Italien in die USA eingewandert. Damit gehört er zur zweiten Generation von Einwanderern in den Vereinigten Staaten.
Scharfe Kritik an Europas Technologie-Rückstand
Deutliche Worte fand Karp auch zur Situation Europas im globalen Technologiewettbewerb. Er attestierte dem Kontinent ein „ernsthaftes und sehr strukturelles Problem“ bei der Einführung neuer Technologien. Besonders alarmierend sei aus seiner Sicht das Fehlen politischer Führung:
„Was mich am meisten beunruhigt, ist, dass ich keinen politischen Führer gesehen habe, der einfach aufsteht und sagt: Wir haben ein ernsthaftes und strukturelles Problem, das wir beheben werden.“
Der in Deutschland aufgewachsene Karp, der nach eigenen Angaben einen Großteil seiner prägenden Jahre in Europa verbrachte, zeigte sich besorgt über die Entwicklung. Er sieht Amerika und China als die dominierenden Kräfte in der KI-Entwicklung, während Europa zurückfalle.

Arbeitsmarkt: Gewinner und Verlierer der KI-Revolution
Zur Frage, ob KI Arbeitsplätze schaffe oder vernichte, vertrat Karp eine differenzierte Position. Er prognostizierte einen Bedeutungsverlust für klassische akademische Berufe, während Fachkräfte mit technischer Ausbildung profitieren würden:
„Es wird die Jobs der Menschheit zerstören, wenn man auf eine Elite-Schule gegangen ist und Philosophie studiert hat. Diese Fähigkeit wird schwer zu vermarkten sein.“
Als Beispiel nannte er Mitarbeiter bei Palantir, die mit Hauptschulabschluss komplexe militärische Zielsysteme steuern und dabei Aufgaben übernehmen, für die früher Hochschulabsolventen erforderlich gewesen wären.
Hintergrund: Palantirs Rolle in Verteidigung und Wirtschaft
Palantir hat sich als führender Anbieter von KI-Lösungen für Verteidigungsbehörden und Geheimdienste etabliert. Das Unternehmen arbeitet unter anderem mit der US-Armee und unterstützt die Ukraine mit Technologie zur Drohnensteuerung und Zielerfassung.
Karps Äußerungen dürften in Europa auf Widerspruch stoßen, insbesondere seine Verknüpfung von KI-Entwicklung und Einwanderungspolitik. Gleichzeitig unterstreichen sie die wachsende Kluft zwischen den USA und Europa in strategischen Zukunftstechnologien.

