Interview

planqc: „Wir haben eine historische Möglichkeit, eine Revolution anzuführen“

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Das Quantencomputer-Scale-up planqc, das mit Alexander Glätzle einen CEO und Mitgründer aus Tirol hat, gewann im vergangenen Jahr den Deutschen Gründerpreis als bestes Startup des Jahres 2025. Das Jungunternehmen gilt als einer der Hoffnungsträger bei Quantencomputern in Europa und verspricht enorme Auswirkungen auf Bereiche von Bitcoin bis Künstliche Intelligenz. Im Interview mit Trending Topics erklärte Glätzle die einzigartige Technologie seines Jungunternehmens und warum Europa jetzt eine historische Chance hat.

Vor ziemlich genau einem Jahr hatten wir schon ein Interview. Damals war Trump frisch gewählt als US-Präsident und du hast gesagt, das ist ein Weckruf für Europa. Wie ist es aus deiner Sicht gekommen?

Alexander Glätzle: Ich glaube, der Weckruf wurde in vielerlei Hinsicht verstanden. 2026 hat gerade begonnen und was das technologische Talent angeht ist Europa nach wie vor an der absoluten Spitze. Es macht einen Riesenspaß, in München oder in Innsbruck an Quantencomputern zu forschen. Wir haben natürlich noch immer in Europa eine ganz andere Venture-Capital-Landschaft. Doch auch hier gibt es sehr spannende neue Entwicklungen. Also ja, es ist Bewegung drin.

Welche Entwicklungen hat planqc im Jahr 2025 erlebt? Quantencomputer haben in den letzten Jahren doch deutlich an Fahrt aufgenommen. Wann kommt das große Breakthrough-Jahr für die Technologie? Ist es schon passiert? Steht es uns noch bevor?

2025 war ein sehr gutes Jahr. Es lag für uns zwischen zwei Finanzierungsrunden. Wir haben 2024 rund 50 Millionen Euro eingesammelt und planen in diesem Jahr, weiteres Kapital aufzunehmen. 2025 haben wir unsere Meilensteine sehr erfolgreich abgearbeitet und an allen Fronten kontinuierlich Fortschritt gemacht. Wir sind skaliert auf über 100 Mitarbeiter:innen. Der internationale Druck ist nach wie vor extrem groß, aber ich glaube, wir sind sehr gut aufgestellt.

Warum wurden gerade 2025 so große Geldmengen in den Sektor gepumpt ? Gab es spezielle technologische Durchbrüche oder ist das ein strategisches Thema? Quantencomputer sind immerhin einer der Bereiche, wo Europa sich teilweise noch vor China oder den USA sieht.

Ich glaube, speziell im letzten Jahr wurde klar, dass Quantencomputer funktionieren. Die Frage ist nun, wann sie die Leistungsstärke erhalten, um einen echten Impact zu haben. In der Welt der Investoren sieht man an einigen Stellen schon einen gewissen Shift von AI zu Quantencomputern.

Im AI-Bereich galt Google lange als Hyperscaler. Dann platzte plötzlich OpenAI mit ChatGPT in die Szene rein und machte Google das Leben schwer. Google hat drei Jahre gebraucht, um sich die Spitzenposition zurückzuholen. Kann etwas Ähnliches im Quantenbereich passieren? Kann ein Startup die Branche anführen?

Ja, das ist absolut denkbar und darauf setzen wir auch. Google hat erst letztes Jahr zusammen mit Softbank in QuEra investiert, einen Wettbewerber von uns. Hier zeigt sich, dass Startups sehr relevant sind.

Kommen wir zu planqc. Was genau macht eure Technologie einzigartig im Vergleich zur anderen?

Was alle Quantencomputer gemeinsam haben: Sie verwenden die Gesetze der Quantenphysik, um Rechnungen durchzuführen. Dazu braucht man kleinste Teilchen oder sehr tiefe Temperaturen, wo diese Effekte überhaupt eine Rolle spielen. Wir bei planqc machen vielleicht die ursprünglichste Art, einen Quantencomputer zu bauen. Wir speichern Information in einzelne Atome. Das erfordert unglaubliche Präzision. Man muss einzelne Atome fangen und in Laserfeldern manipulieren. Man kann sie mittlerweile auch sichtbar machen.

Wir können ein „Schachbrett“ aus einzelnen Atomen erstellen und diese miteinander wechselwirken lassen und so logische Operationen ausführen. Dadurch hat sich den letzten Jahren eine vielversprechende Plattform ergeben. Es sind echte Qubits mit extrem lange Kohärenzzeiten, die wir sehr schnell und sehr leicht skalieren können, weil alle Atome baugleich sind.

Ein roter Faden bei planqc ist Verkehr und Logistik. Ihr habt beispielsweise Partnerschaften mit Bahngesellschaften, Fluggesellschaften und im Logistikbereich gestartet. Wie kam es dazu?

Das ist ein Gebiet, wo es sehr komplexe Optimierungsaufgaben gibt. Von der Logistik bis hin zur Finanzoptimierung sind diese Aufgaben extrem industrierelevant. Es ist ein extrem großer Markt und es wäre viel zu holen, wenn wir hier einen Quantenalgorithmus entwickeln würden, der diese Probleme wirklich beschleunigt.

planqc: Quantencomputing-Projekt für mehr Effizienz im Schienenverkehr

In der Digitalstrategie der EU-Kommission steht, dass Quantentechnologien in den nächsten Jahren Dinge ermöglichen werden, die heute einfach nicht möglich sind. Wovon spricht oder träumt die EU-Kommission da?

Ein ganz einfaches Beispiel: Ein Aspirin-Molekül mit zehn Atomen kann sich gleichzeitig in 10 hoch 48 Vibrations- oder Rotationszustände befinden, wo diese verschiedenen Molekülgruppen umeinander rotieren. Wenn ich am Computer berechnen möchte, wie so ein Wirkstoff im Körper seine Wirkung entfaltet, wie er ankoppelt an andere Moleküle, dann müsste ich diesen ganzen Raum an möglichen Zuständen mitnehmen. 10 hoch 48 ist ungefähr die Anzahl der Atome, aus der unser Planet Erde besteht. Es wäre absurd, die quantenmechanische Information, die an einem einzelnen Aspirin-Molekül steckt, klassisch abzuspeichern. Mit Quantencomputern wäre das zum ersten Mal möglich.

Was für ein großes Problem könnte man auf diese Art lösen?

Personalisierte Medizin ist eines der faszinierendsten Beispiele. Man könnte die Entwicklungszyklen von neuen Medikamenten von zehn bis 20 Jahren potenziell auf wenige Monate reduzieren und hätte die Möglichkeit, basierend auf der individuellen DNA Wirkstoffe für eine bestimmte Person zu entwickeln, die ideal für deren Körper geeignet sind.

Die EU setzt derzeit stark auf Quantencomputer. Spielen wir hier an der Weltspitze mit?

Wir sind absolut an der Weltspitze, wenn es um Grundlagenforschung und Talent geht. Und darauf müssen wir aufbauen. Wir exportieren Quantentalent momentan in die Welt hinaus. Wir haben natürlich bei Weitem nicht den Venture Capital-Markt, den die USA haben, oder die rein staatlich betriebenen Labore und Programme, wie wir sie in China sehen. Aber ich glaube, wir können das Beste aus beiden Welten kombinieren. Wir haben jetzt den höchst überfälligen Scale-Up-Fund der EU, der hoffentlich dieses Jahr operativ wird. Hier bin ich sehr optimistisch.

Zeit ist hier das kritischste Element und jeder Monat, bis die Quantenstrategie auch tatsächlich implementiert wird, zählt. International sehen wir momentan eine massive Beschleunigung.

Dir geht das alles zu langsam?

Nicht nur mir, auch den Politikern, mit denen ich rede.  Ich wünsche mir manchmal mehr Bewusstsein darüber, dass man hier wirklich eine historische Möglichkeit hat, eine Revolution anzuführen. Bei Themen wie AI oder Cloud-Technologie ist uns das verdammt schlecht gelungen. Hier haben wir jetzt große geopolitische, strategische Abhängigkeiten, die sehr dramatisch werden können. Doch es gibt keinen Grund, warum die Dominanz von klassischen Computern aus den USA irgendeine Auswirkung haben sollte auf die Herstellung von Quantencomputern. Wir können hier wirklich voll durchstarten, wenn wir schneller agieren und die richtigen Mittel einsetzen.

Du hast gesagt, Europa exportiert Quantentalente. Schärfer formuliert könnte man auch sagen, die schlauen Köpfe, die wissen, wie Quantentechnologie funktioniert, laufen uns weg in Richtung USA oder China. Ist das eine dramatische Entwicklung?

Ich sehe es auf keinen Fall dramatisch. Wichtig ist, dass sie irgendwann mal wieder zurückkommen und wir sie in der Forschung, in Firmen oder beim selber Gründen unterstützen. Ich glaube, da sind wir auf einem ganz guten Weg.

Ursprünglich bist du Österreicher, bist aber nach Bayern gegangen. Wärst du in Österreich geblieben, wenn es hier ein ähnliches wie UnternehmerTUM wie in München gegeben hätte?

Das ist eine schwierige Frage. Wir haben in Österreich unglaubliches Talent. Doch in München gab es eine echte Quanten-Welle. Da sind mehrere Dinge zusammengekommen. Erstens gibt es weltweit führende akademische Institute, andererseits hat Bayern 300 Millionen Euro in die Hand genommen, um Quantencomputer an der Weltspitze zu bauen. Außerdem verfügt München über ein sehr starkes industrielles Umfeld.

Im Bereich der Kryptowährungen gibt es immer wieder die Prognose, dass Quantencomputer in Zukunft Bitcoin knacken und die Kryptografie aushebeln könnten, was Bitcoin entwerten würde. Stimmt das oder sind diese Ängste übertrieben?

Das ist auf jeden Fall eine reale Bedrohung. Quantencomputer können, wenn sie mal stark genug sind, die Verschlüsselung exponentiell schneller lösen und damit wäre das ganze Bitcoin-Netzwerk angreifbar. Es gibt allerdings einen Twist, es gibt sogenannte Post-Quantenalgorithmen, die auch für Quantencomputer nicht knackbar sind. Bereits heute kann und sollte man sich gegen Quantencomputer schützen. Man müsste die entsprechenden Lösungen aber schnell implementieren.

Wenn wir über Rechenleistung sprechen, kann man derzeit um das Thema KI ja nicht herum. Wenn diese Quantencomputer letztendlich wirklich operativ sind, welche Effekte erwartest du dir dann auf die KI-Entwicklung?

Momentan ist es relativ unklar, aber es gibt konkrete Hoffnung, wie Quantencomputer bei AI-Anwendungen helfen können. Es gibt das Potenzial, den Ressourcen-Aufwand von LLMs zu reduzieren. Es ist extrem spannend, hier nach Synergien zu suchen. Was die Rechenleistung angeht, braucht ein Quantencomputer um ein Vielfaches weniger Energie als ein klassischer Computer. Unser Quantencomputer mit ungefähr 100 Qubits braucht ungefähr die Energie für drei bis vier Wasserkocher.

Das ist natürlich hochspannend. Das wäre eigentlich ein Feld, die wertvollste Firma des Planeten, Nvidia, stark interessieren sollte.

Nvidia ist sehr aktiv im Quantencomputing-Bereich. Sie bauen meines Wissens aber keine eigenen Quantencomputer.

Eine Abschlussfrage zu 2026. Welche Meilensteine wollt ihr bei planqc erreichen?

Wir wollen auf jeden Fall sehr gute Quantenoperationen durchführen. Wir wollen große Schritte machen in Richtung Quantenfehlerkorrektur. Es wird auf jeden Fall ein sehr spannendes Jahr für planqc. Wir haben ganz tolle Resultate im Labor, wo jetzt nur noch der nächste Schritt fehlt, um an der Weltspitze zitierbare, publizierbare Resultate zu generieren.

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