Polymarket wird in immer mehr Staaten verboten
Die einen sagen Prediction Markets dazu, die anderen sehen darin einfach nur eine neue Form des Online-Wettens: Die beiden US-Unternehmen Polymarket und Kalshi haben einen rasanten Aufstieg erlebt, seitdem Menschen angefangen haben, auf Zukunftsereignisse (politische Events, Sportergebnisse, Kursentwicklungen usw.) Geld zu setzen. Doch in immer mehr Ländern, unter anderem auch der EU, kommt es nun zu Verboten von Marktführer Polymarket.
Am Freitag haben sowohl die ungarische Aufsichtsbehörde für regulierte Aktivitäten als auch die portugiesische Glücksspielaufsicht Verbote gegen die Plattform verhängt. Die portugiesischen Regulierer begründen ihre Entscheidung damit, dass die Website keine Genehmigung besitzt, Wetten in Portugal anzubieten, und dass Wetten auf politische Ereignisse nach nationalem Recht grundsätzlich untersagt sind. auch in Frankreich kam es bereits zu Restriktionen, dort gibt es nur einen „View only“-Modus, damit Menschen dort nicht regulär an dem Prediction Market teilnehmen können.
Sportwetten, keine Prognosen
Am selben Tag hat das Nevada Gaming Control Board eine zivilrechtliche Durchsetzungsmaßnahme eingereicht und fordert gerichtlich eine einstweilige Verfügung, um Polymarket daran zu hindern, unlizenzierte Wetten anzubieten. Diese Schritte folgen einer ähnlichen Aktion in Tennessee Anfang Januar, bei der die staatliche Sportwetten-Aufsicht Polymarket, Kalshi und Crypto.com angewiesen hat, ihre Sportprognosemärkte zu schließen und Einsätze zurückzuerstatten.
Prognosemärkte haben in den vergangenen zwei Jahren massiv an Popularität gewonnen, insbesondere vor der US-Präsidentschaftswahl 2024. Die führenden Plattformen Polymarket und Kalshi verzeichnen zusammen monatliche Handelsvolumina von über 13,5 Milliarden US-Dollar und verarbeiten mehr als 43 Millionen Transaktionen, wie ein Bericht von Dune und Keyrock aus November 2025 zeigt. Die Branche steht jedoch vor grundlegenden rechtlichen Herausforderungen, da Regulierungsbehörden zunehmend die Behauptung der Plattformen anzweifeln, keine Glücksspielanbieter zu sein. In vielen Jurisdiktionen, darunter Portugal und Taiwan, sind Wetten auf politische Ereignisse explizit verboten, was die Geschäftsmodelle dieser Märkte direkt infrage stellt.
Die Grenze zwischen Finanzmarkt und Glücksspiel verschwimmt
Der Kern der Kontroverse liegt in der Frage, ob Prognosemärkte als Finanzinstrumente oder als Glücksspielangebote einzustufen sind. Kalshi, das derzeit mit einer Sammelklage im Southern District of New York konfrontiert ist, die behauptet, die Plattform betreibe ein illegales und unlizenziertes Wettbüro, verteidigt sein Geschäftsmodell vehement. Der CEO des Unternehmens argumentiert, dass Prognosemärkte Ereignisverträge anbieten und nicht Wetten im klassischen Sinne.
Er vergleicht die Funktionsweise mit offenen Finanzmärkten, in denen Teilnehmer gegeneinander handeln, anstatt gegen ein Wettbüro zu setzen. Wenn man Prognosemärkte als Glücksspiel bezeichne, müsse man konsequenterweise den gesamten Finanzmarkt als solches betrachten, so seine Argumentation. Ähnlich argumentiert auch Polymarket: Man sei kein Wettanbieter, der bei jeder Wette die Gegenseite zu den Kunden einnimmt, sondern eine Börse, auf der sich die beiden Seiten eines Handels treffen können, ähnlich wie bei Aktien- und Derivatebörsen.
Regulierungsbehörden teilen diese Sichtweise jedoch nicht. Die zunehmenden Bedenken hinsichtlich Insiderhandels verschärfen die Situation zusätzlich. Anfang Januar hat ein Polymarket-Nutzer über 436.000 US-Dollar verdient, nachdem er korrekt darauf gesetzt hatte, dass der ehemalige venezolanische Präsident Nicolás Maduro vor dem 31. Januar aus dem Amt entfernt werden würde. Die Wette erfolgte nur wenige Stunden bevor US-Streitkräfte eingriffen, was zu Vorwürfen führte, der Nutzer habe über Vorabinformationen verfügt. Der Vorfall hat den demokratischen Abgeordneten Ritchie Torres dazu veranlasst, einen Gesetzentwurf zu entwerfen, der Bundesbediensteten die Nutzung von Prognosemärkten untersagt, wenn sie über relevantes Insiderwissen verfügen.
Föderales Tauwetter trifft auf staatlichen Widerstand
Auf Bundesebene zeigt sich hingegen eine Lockerung der Haltung gegenüber Prognosemärkten, die mit Trumps positiver Einstellung zu Kryptowährungen korrespondiert. Im November 2025 hatte die Commodity Futures Trading Commission die Rückkehr von Polymarket auf den US-Markt genehmigt. Die Plattform war zuvor verboten worden und hatte 2022 eine Geldstrafe von 1,4 Millionen US-Dollar wegen Verstößen gegen regulatorische Vorschriften zahlen müssen. Diese föderale Öffnung steht jedoch im deutlichen Kontrast zu den Maßnahmen einzelner Bundesstaaten, die ihre eigenen Glücksspielgesetze durchsetzen.
Die nächste Entwicklungsphase werde davon abhängen, wer Märkte gestalten kann, die offenen Zugang bewahren und gleichzeitig Transparenz sowie Compliance von Grund auf integrieren. Ob Polymarket in Jurisdiktionen wie Portugal und Ungarn wieder zugelassen wird, bleibt unklar. Das Verbot in Ungarn ist zunächst temporär, und Rechtsexperten schließen eine Aufhebung der Sperre nicht vollständig aus, wobei Durchsetzungstrends jedoch auf eine härtere Position der Behörden hindeuten.

