Prototype von Andreas Klinger sammelt 15 Millionen Euro für europäische Robotik-Startups
Der Österreicher Andreas Klinger ist nicht nur als Gründer und Inititator der EU Inc-Initiative bekannt geworden, sondern auch als Investor. Jetzt hat für seinen dritten Venture-Capital-Fonds 15 Millionen Euro eingesammelt und strebt ein Gesamtvolumen von 20 Millionen Euro an. Der Fonds trägt den Namen Prototype und entstand aus dem Rebranding von Remote First Capital, das Klinger 2020 als sogenannten Solo-GP-Fonds gegründet hatte.
Mit der neuen Struktur plant Klinger, jährlich zwischen 15 und 20 Startups in der Vorgründungsphase zu finanzieren. Der Schwerpunkt liegt auf europäischen Gründern, die an Robotik, Automatisierung und Produktion arbeiten. Die typischen Investitionsgrößen bewegen sich zwischen 200.000 und 400.000 Dollar pro Beteiligung. Klinger, der zuvor als CTO bei Product Hunt, VP Engineering bei CoinList und in leitenden Positionen bei AngelList und On Deck tätig war, bringt sowohl operative Erfahrung als auch ein etabliertes Netzwerk in der europäischen Tech-Szene mit.
„Das ist Wahnsinn“
Die Investmentphilosophie von Prototype Capital unterscheidet sich bewusst von anderen VCs. „Wir legen keinen VC-Fonds im klassischen Sinne auf“, so Klinger. „Es handelt sich vielmehr um eine Gemeinschaft von äußerst ambitionierten Menschen handeln, die Europa aktiv zum Besseren verändern wollen.“ Klinger sucht nach Gründern, die von ihrem Problem „besessen“ sind. Er betont auch, dass er selbst echte Begeisterung für das jeweilige Thema empfinden muss.
Klinger ist bekannterweise beseelt von dem Ziel, Europa wieder in Sachen Technologie nach vorne zu bringen. „Europa hat die Industrie erfunden. Wir sind die Wiege der Präzisionsfertigung. Der zweitgrößte Fertigungsstandort der Welt. Führend in Automatisierung und Robotik“, schreibt Klinger. „Und dennoch: Wir verkaufen unsere beste Technologie an China. Wir exportieren unsere besten Gründer und den Großteil unserer Investitionsgelder in die USA. Das ist Wahnsinn.“
Und weiter: „Was sollten wir stattdessen tun? Wir sollten die nächsten Billionen-Euro-Unternehmen in den Bereichen Robotik, Fertigung und Automatisierung hier in Europa aufbauen. Wir sollten jungen Gründern zeigen, was möglich ist, und das System um sie herum dort verändern, wo es nötig ist.“ Das Motto des Investors: Er will die erste Finanzierungsrunde der Startups machen.
Überdurchschnittliche Renditen in allen drei Fonds
Prototype Capital kann bereits eine beachtliche Performance-Historie vorweisen. Alle drei Fonds des Unternehmens rangieren laut Klinger weltweit in den oberen ein bis fünf Prozent ihrer jeweiligen Kohorten. Der erste Fonds aus dem Jahr 2019 erreicht einen Kapitalrendite-Multiplikator von 4,9 bei einer Ausschüttungsquote von 0,95. Der Growth Fund von 2022 weist sogar einen Multiplikator von 5,6 bei einer Ausschüttungsquote von 2,75 auf. Der zweite Hauptfonds, ebenfalls aus 2022, liegt bei einem Multiplikator von 2,4. Allein im Jahr 2025 haben die Portfolio-Unternehmen des Fonds über eine Milliarde Dollar an Finanzierungen eingesammelt.
Dabei investierte Prototype Capital in 15 europäische Startups, primär aus den Bereichen Robotik, Automatisierung und physische KI. Der herausragende Erfolg des vergangenen Jahres war Luma AI, das als zweites Unternehmen im Portfolio die Milliarden-Dollar-Bewertung überschritt. Das Unternehmen entwickelt multimodale Weltmodelle, die Video mit anderen Sensoren, Text und Physik kombinieren.
Europäische Robotik-Souveränität als strategisches Ziel
Geht es nach Klinger, sollten die nächsten Billionen-Euro-Unternehmen in Robotik und Fertigung direkt in Europa aufgebaut werden. Der Verkauf von ABB Robotics an die SoftBank Group und die Übernahme von Arduino durch Qualcomm verdeutlichen die Dringlichkeit dieser Thematik. Klinger warnte schon vor mehreren Jahren, dass einmal abgewanderte Lieferketten nicht zurückkommen, da Netzwerkeffekte sie an ihrem neuen Standort fixieren. Robotik sei einer der letzten Bereiche, in dem Europa noch über tiefe industrielle Ökosysteme verfüge, hauptsächlich aufgrund der Automobil- und Maschinenindustrie.
Prototype Capital investiert daher bewusst in die gesamte vertikale Lieferkette: Motoren, Sensoren, Leistungselektronik und Fertigungsprozesse. Klinger ruft Gründer auf, sich zu melden, auch wenn ihre Idee noch kein fertiges Unternehmen darstellt – besonders in den Bereichen Robotik, Automatisierung, Energie und Raumfahrt, wo die besten Unternehmen oft mit dem Gedanken beginnen, dass etwas eigentlich nicht existieren sollte, aber existieren muss.

