RM Equity Partners nabelt sich mit halber Milliarde Euro AUM von Russmedia ab
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Aus dem Investmentarm eines Vorarlberger Zeitungshauses ist ein eigenständiger Digital-Investor mit mehr als 500 Millionen Euro geworden. RM Equity Partners (RMEP) mit Sitz im liechtensteinischen Ruggell gehört ab sofort vollständig den drei Partnern Eugen B. Russ, Chris Wittlinger und Nicola Szekely sowie dem weiteren Team. Wie das Unternehmen in einer Aussendung mitteilt, gibt es keine Verbindungen mehr zur Russmedia-Gruppe, weder bei den Eigentümer:innen noch im Management oder beim Personal. Damit ist auch die Nachfolge innerhalb der Gründerfamilie abgeschlossen: Das Mediengeschäft bleibt bei der Familie, RMEP geht seinen eigenen Weg. Alle neuen Investments trifft das Team künftig unabhängig.
Vom Medienhaus zum Private-Equity-Investor
Russmedia ist vor allem als Herausgeber der Vorarlberger Nachrichten bekannt und gehört der Verlegerfamilie Russ. Neben dem Zeitungsgeschäft baute das Medienhaus über Gesellschaften in Liechtenstein früh ein digitales Beteiligungsgeschäft auf. Der Online-Vermietmarktplatz Erento kam bereits 2009 in die Gruppe, 2015 folgte das Skiverleih-Portal Alpy (ALPINRESORTS.com), das RMEP heute als seine allererste Investition bezeichnet. 2017 wurde RMEP als eigene Gesellschaft gegründet, damals noch unter dem Namen Russmedia Equity Partners.
In den Folgejahren machte RMEP mit mehreren Deals auf sich aufmerksam. 2019 übernahm die Russmedia-Gesellschaft Russmedia International die Mehrheit am Wiener Jobbörsen-Anbieter Jobiqo, 2021 griff RMEP nach der Flohmarkt-App Shpock, die Adevinta auf Druck der Wettbewerbsbehörden abgeben musste. Auch beim Wiener Sport-Buchungsportal Eversports war Russmedia als Investor an Bord, bis Growth-Investor Verdane die Mehrheit übernahm.
„Wir sind zutiefst dankbar für das Vertrauen und die Unterstützung, die uns den Start ermöglicht haben“, sagt Managing Partner Eugen B. Russ. Als unabhängige Firma liege der Fokus nun ganz auf der Zukunft. Der Name RM Equity Partners bleibt, ebenso der Claim „Results Matter“, dazu kommen ein neuer Auftritt und eine neue Website.
So viel investiert RMEP
Die Eckdaten zeigen, wie groß der Investor inzwischen ist:
- Verwaltetes Vermögen: mehr als 500 Millionen Euro
- Investitionskapazität: mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr
- Ticketgröße: bis zu 150 Millionen Euro Eigenkapital in bar beim Closing, bis zu 250 Millionen Euro pro Transaktion
- Portfolio: mehr als 50 Beteiligungen mit über 600 Mitarbeiter:innen, die jährlich mehr als 400 Millionen Nutzer:innen erreichen
- Regionen: vor allem Europa und darüber hinaus, 95 Prozent des Umsatzes werden außerhalb Österreichs erzielt
Anders als klassische Private-Equity-Fonds sammelt RMEP kein Geld von externen Investor:innen (Limited Partners) ein. Die Partner investieren ihr eigenes Kapital in einer sogenannten Evergreen-Struktur, Beteiligungen können also so lange gehalten werden, wie es sinnvoll ist, ohne den Druck, sie nach einigen Jahren wieder verkaufen zu müssen. Gesucht werden Mehrheitsbeteiligungen an profitablen, „asset-light“ Digitalfirmen, also Online-Marktplätzen, Software und Consumer-Apps. Die Zielunternehmen sollten mehr als 5 Millionen Euro EBITDA oder mehr als 20 Millionen Euro Nettoumsatz machen und in ihrer Nische Marktführer oder starke Nummer zwei sein. Neben klassischen Deals schaut sich RMEP auch nach Gelegenheiten außerhalb regulärer Verkaufsprozesse um, etwa Abspaltungen von Konzernen oder Sondersituationen, an die institutionelle Investor:innen normalerweise nicht herankommen. Das Team selbst ist mit elf Personen schlank.
Das steckt im Portfolio
Zu den wichtigsten Beteiligungen zählt RMEP auf seiner Website drei Consumer-Apps:
- Pure: Die Schweizer Dating-App gehört seit 2022 zur Gruppe und erreichte 2025 einen Umsatz von 100 Millionen Dollar (rund 85 Millionen Euro), ein Plus von 46 Prozent.
- Bergfex: An der Grazer Outdoor-Plattform für Skigebiete, Wetter, Webcams und Touren hält RMEP seit 2020 eine Mehrheit von 60 Prozent.
- calimoto: Die Motorrad-Navigations-App aus Potsdam kam 2022 dazu, RMEP übernahm damals 51 Prozent.
Dazu kommen unter anderem Jobiqo, das zuletzt die deutsche Jobbörse JOBS.DE gekauft hat, der Softwarehersteller MAGIX, die Connected-Car-Plattform Carista und der Schweizer Onlinehändler Digital Heaven, den RMEP erst kürzlich übernommen hat.
Gleichzeitig hat RMEP zuletzt kräftig verkauft. Anfang des Jahres gingen die Kita-Software-Anbieter Little Bird und Instikom an LEA Partners, im Sommer folgte Erento, und vor wenigen Wochen wurde Alpy nach mehr als zehn Jahren an den spanischen Skiverleiher PNS verkauft. Bereits 2024 hatte sich RMEP von Eversports und der ungarischen Jobbörse CV Online getrennt. Im Wettbewerb um Digitalfirmen im DACH-Raum trifft RMEP auf Käufer wie eben LEA Partners oder Verdane, die ebenfalls Mehrheiten an Software- und Plattformunternehmen übernehmen, allerdings mit Geld aus Fonds.

