Sitegeist: Münchner Baurobotik-Startup holt 4 Millionen Euro
Das Münchner Baurobotik-Startup Sitegeist hat sich in einer Pre-Seed-Runde 4 Millionen Euro gesichert. b2venture und OpenOcean führen die Finanzierung an, unterstützt von Business Angels sowie strategischen Investoren aus Bau- und Robotikbranche. Das frische Kapital fließt in den Teamaufbau und die Skalierung der automatisierten Robotersysteme auf realen Baustellen. Die Technologie adressiert einen massiven Engpass: Europas Infrastruktur verfällt schneller, als Bauunternehmen sie sanieren können.
Kritischer Engpass bei Betonsanierung
Brücken, Tunnel und öffentliche Gebäude in Europa weisen einen erheblichen Sanierungsbedarf auf. Allein in Deutschland beläuft sich der Sanierungsstau auf mehrere hundert Milliarden Euro, wie KfW-Daten von 2025 zeigen. Gleichzeitig verschärft der Fachkräftemangel die Lage dramatisch. Die Betonsanierung erfordert höchste Präzision: Geschädigter Beton muss mittels Hochdruckwasserstrahlen oder abrasiver Verfahren abgetragen werden, ohne die darunterliegende Stahlbewehrung zu beschädigen.
Diese Arbeit erfolgt heute überwiegend manuell, ist stark baustellenspezifisch und lässt sich kaum skalieren. „Es gibt einen kritischen Engpass bei der Instandsetzung unserer Infrastruktur, insbesondere bei der Betonsanierung“, sagt Dr. Lena-Marie Pätzmann, Co-Founder und CEO von Sitegeist. Bauunternehmen sind oft Monate oder Jahre im Voraus ausgebucht.
Sitegeist setzt auf automatisierte, modulare Robotersysteme, die direkt an bestehenden Bauwerken arbeiten. Anders als klassische Automatisierungslösungen benötigen die Systeme keine festen 3D-Modelle oder standardisierte Umgebungen. Mithilfe von Sensorik und KI passen sie ihre Arbeitsweise automatisch an komplexe Geometrien sowie variierende Material- und Oberflächenbedingungen an. „Genau hier setzen wir an: mit den weltweit ersten spezialisierten, automatisierten und modularen Robotern, die Betonsanierung direkt an bestehenden Bauwerken durchführen können“, erklärt Pätzmann. Die Plattform soll schrittweise auf weitere Sanierungsschritte ausgeweitet werden.
TUM-Spin-off mit Robotik-Expertise
Die Investoren sehen enormes Potenzial in der Kombination aus technischer Expertise und Praxisnähe. „Aktuell wird Beton vor allem von Menschen abgetragen, was extrem belastend und körperlich wie mental enorm fordernd ist. Das ist ein typischer Anwendungsfall für den Einsatz von Robotik“, so Florian Schweitzer, Partner bei b2venture. Sam Hields, Partner bei OpenOcean, ergänzt: „Die spannendsten KI-Roboter von heute haben keine Finger und Daumen.“ Die nicht-humanoiden Roboter von Sitegeist seien dafür entwickelt, reale Probleme auf Baustellen zu lösen. „Angesichts einer alternden Bevölkerung und des Fachkräftemangels in körperlich geprägten Branchen wie dem Bau wird Robotik eine zentrale Rolle dabei spielen, die Infrastruktur zukunftsfähig zu halten“, ist sich Hields sicher.
Sitegeist ist ein Spin-off der Technischen Universität München und stammt aus dem Robotik-Forschungsumfeld von Prof. Matthias Althoff. Das vierköpfige Gründerteam vereint starke Wurzeln in Robotik, KI und Ingenieurwesen: Dr. Lena-Marie Pätzmann (CEO) verantwortet die kommerzielle und strategische Ausrichtung, während Julian Hoffmann (CTO), Nicola Kolb (COO) und Claus Carste (CPO) technische Expertise mitbringen. Drei der vier Founder haben einen technischen Hintergrund in Robotik und KI. Das Team lernte sich während des Studiums an der TUM und im Münchner Startup-Ökosystem kennen.
Mit der Finanzierung möchte Sitegeist weitere Talente einstellen und die Entwicklungsgeschwindigkeit erhöhen. Das Unternehmen arbeitet bereits in einer frühen Phase direkt mit Betonsanierungsbetrieben auf der Baustelle zusammen und plant, die Kooperation mit Testbaustellen und Entwicklungspartnern auszubauen. Durch gleichbleibende Qualität und höhere Geschwindigkeit sollen Bauunternehmen schneller arbeiten und gleichzeitig Sicherheitsrisiken sowie Nachbesserungen reduzieren können.
