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Starship erreicht erstmals den Orbit, trotz Triebwerks-Trouble

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Nach 13 Testflügen, mehreren Explosionen und reichlich Spott hat es Elon Musks Riesenrakete endlich geschafft. Das Starship von SpaceX hat soeben bei seinem 14. Testflug erstmals die Erde umrundet und dabei 26 Satelliten der neuen Starlink-Generation V3 ausgesetzt. „Erster Orbitalflug von Starship erfolgreich!“, jubelte Musk auf X. Ganz nach Plan lief der Flug allerdings nicht: Wegen eines vorzeitig abgeschalteten Triebwerks holte SpaceX das Raumschiff deutlich früher als vorgesehen zurück.

Ein Triebwerk fällt aus, der Orbit klappt trotzdem

Gestartet ist die 124 Meter hohe Rakete vom Pad 2 der SpaceX-Basis Starbase in Texas. Die Super-Heavy-Unterstufe (Booster 21) mit ihren 33 Raptor-Triebwerken brachte die Oberstufe (Ship 41) auf Kurs und landete danach kontrolliert im Golf von Mexiko. Einen Fangversuch mit den Greifarmen des Startturms gab es diesmal bewusst nicht.

Beim Aufstieg schaltete sich eines der sechs Raptor-3-Triebwerke der Oberstufe zu früh ab, wodurch das Schiff zunächst nur auf einer suborbitalen Bahn war. Die Flugkontrolle stufte das Raumschiff aber als stabil ein und zündete rund 25 Minuten nach dem Start den Orbit-Einschuss. SpaceX meldete daraufhin, dass Starship „zum ersten Mal in eine Erdumlaufbahn eingetreten“ sei, in rund 275 Kilometern Höhe.

Eigentlich waren sechs Erdumrundungen und ein Deorbit-Manöver fast neun Stunden nach dem Start geplant, mit Wasserung vor der Küste Chiles. Nach dem Triebwerksproblem entschied sich SpaceX aber für eine frühere Rückkehr: Nach etwa einer Umrundung bremste das Schiff mit einem einzelnen Raptor ab, trat wieder in die Atmosphäre ein und landete im Nordpazifik. „Wasserung bestätigt. Gratulation an das gesamte SpaceX-Team zum ersten Orbitalflug von Starship!“, schrieb SpaceX.

Was Starship von Falcon 9 unterscheidet

Um zu verstehen, warum der Flug so wichtig ist, hilft ein Blick auf die Vorgänger. Die Falcon 9 ist seit Jahren das Arbeitspferd von SpaceX und bringt inzwischen den Großteil aller Satelliten weltweit ins All. Sie ist rund 70 Meter hoch und kann je nach Einsatz etwa 17 bis 22 Tonnen in eine niedrige Erdumlaufbahn befördern. Wiederverwendet wird dabei nur die erste Stufe, die senkrecht auf einer Plattform oder einem Schiff landet. Die Oberstufe verglüht nach jedem Flug. Die Falcon Heavy, im Prinzip drei gebündelte Falcon-9-Unterstufen, schafft im Einwegbetrieb bis zu rund 64 Tonnen, fliegt aber selten.

Starship spielt in einer anderen Liga. Mit 124 Metern ist es deutlich größer als die rund 110 Meter hohe Saturn V, mit der die NASA in den 1960er- und 1970er-Jahren zum Mond flog, und die stärkste Rakete, die je gebaut wurde. Die aktuelle Version V3 soll rund 100 Tonnen Nutzlast in den Orbit bringen, ein Vielfaches der Falcon 9. Der entscheidende Unterschied ist aber ein anderer: Beide Stufen sollen vollständig wiederverwendbar sein, der Booster wird vom Startturm aufgefangen, das Raumschiff landet ebenfalls wieder. Gelingt das im Regelbetrieb, könnten die Kosten pro Kilogramm Nutzlast drastisch sinken. Musk hält langfristig Kosten von nur rund einer Million Dollar pro Start für möglich, bei der Falcon 9 liegt der Listenpreis derzeit bei 74 Millionen Dollar (etwa 63 Millionen Euro).

Genau darauf bauen die großen Pläne von SpaceX auf: Tausende Starlink-Satelliten, Rechenzentren im Orbit, Mondlandungen und irgendwann Flüge zum Mars. Mit der Falcon 9 wäre das weder technisch noch wirtschaftlich machbar.

26 Starlink-Satelliten der neuen Generation

Die eigentliche Fracht ist für SpaceX mindestens so wichtig wie der Orbit selbst. Die 26 Starlink-V3-Satelliten sind deutlich größer als ihre Vorgänger und passen nur in das Starship, nicht in die bewährte Falcon 9. Laut SpaceX soll jeder einzelne V3-Satellit eine Kapazität von einem Terabit pro Sekunde ins Netz bringen. Musk zufolge wurden alle 26 Satelliten ausgesetzt und arbeiten normal. Drei davon hatten zusätzlich Kameras an Bord, um den Hitzeschild des Starship im All zu filmen, der bei früheren Flügen immer wieder Kacheln verloren hatte.

Künftig sollen pro Flug bis zu 60 dieser Satelliten ins All gebracht werden. Für das Satelliteninternet, das inzwischen der wichtigste Geldbringer von SpaceX ist, bedeutet das einen massiven Kapazitätssprung. Das spielt auch an der Börse eine Rolle: Seit dem Börsengang muss SpaceX Investor:innen regelmäßig zeigen, dass Starship vom teuren Testprojekt zum Arbeitspferd wird.

Nächster Halt: Booster-Fang und Mond

Der Durchbruch kommt nach einer holprigen Phase. Noch im Vorjahr waren drei Starship-Raketen in Folge explodiert, beim vorigen Testflug hatten gleich mehrere Triebwerke der Unterstufe Probleme, der Booster schlug hart im Wasser auf. Das Schiff selbst hatte damals bereits 20 Starlink-V3-Satelliten ausgesetzt, allerdings noch auf einer suborbitalen Bahn. Beim nächsten Flug will SpaceX nun wieder versuchen, den Booster mit dem Startturm aufzufangen und damit die Wiederverwendung in den Regelbetrieb zu bringen.

Der Orbit ist außerdem die Voraussetzung für die nächste große Hürde: das Betanken im All. Eine Mondlande-Version des Starship soll für die NASA im Rahmen des Artemis-Programms Astronaut:innen auf den Mond bringen, die erste Landung ist für 2028 angepeilt. Dafür muss SpaceX vorher bis zu 15 Tankflüge starten, um das Mondschiff in der Erdumlaufbahn mit Treibstoff zu füllen. Das wurde so noch nie gemacht.

Blue Origin und China holen auf

Konkurrenz gibt es mittlerweile. Jeff Bezos‘ Blue Origin fliegt mit der New Glenn bereits in den Orbit und baut mit dem Blue Moon ebenfalls einen Mondlander für die NASA. In China arbeiten staatliche Raumfahrtkonzerne und Startups wie LandSpace an wiederverwendbaren Raketen nach dem Vorbild von SpaceX. Eine Rakete in der Größenordnung des Starship, das vollständig wiederverwendbar sein soll, hat aber bisher niemand sonst im Orbit gehabt.

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