SpaceX vs. Google: Das Rennen um KI‑Rechenzentren im Weltall
Im globalen Wettrennen um künstliche Intelligenz und Recheninfrastruktur wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen: Die Vision, KI-Rechenzentren nicht auf der Erde, sondern im Weltraum zu betreiben. Vorangetrieben wird dieses ambitionierte Vorhaben derzeit von Elon Musk und seinem Raumfahrtunternehmen SpaceX, das gerade xAI gekauft hat. Aber auch Google und Amazon-Gründer Jeff Bezos beschäftigen sich mit ähnlichen Konzepten. Doch wie realistisch ist die Vorstellung, Rechenzentren in den Orbit zu verlagern – sowohl technisch als auch wirtschaftlich?
Die Idee, KI-Arbeitslasten in den Weltraum zu verlagern, basiert vor allem auf einem zentralen Vorteil: der Energieversorgung. Im Orbit steht nahezu kontinuierlich Sonnenlicht zur Verfügung. Anders als auf der Erde gibt es keine Nacht und kein Wetter, das Solarpanels beeinträchtigt. Diese theoretisch konstante Energiequelle könnte die enormen Strombedarfe moderner KI-Modelle decken, ohne auf fossile Kraftwerke oder überlastete Stromnetze angewiesen zu sein. Gleichzeitig könnte die Verlagerung eines Teils der Rechenlast die Belastung terrestrischer Infrastruktur deutlich reduzieren – ein Punkt, den Google und SpaceX gleichermaßen betonen.
Musk plant 1 Million KI-Satelliten im All
Elon Musk geht dabei sogar noch weiter. In einer laufenden Antragstellung bei der US-Kommunikationsbehörde FCC plant SpaceX eine Konstellation von bis zu einer Million Satelliten, die gemeinsam als orbitales Datenzentrum fungieren sollen. Angetrieben durch Solarenergie, verbunden über Hochgeschwindigkeitslaser, könnte ein solches Netzwerk theoretisch die globale Rechenleistung bereitstellen.
Musk selbst sieht darin nicht nur eine Antwort auf die steigenden Energieprobleme der Erde, sondern einen strategischen Weg, KI‑Rechenleistung kostengünstiger und skalierbarer zu machen. In einem Blogpost schrieb er, dass dies „in zwei bis drei Jahren“ der günstigste Weg sein könnte, um KI‑Rechenleistung zu generieren.
Im Zuge der jüngsten Fusion von SpaceX und seinem KI‑Startup xAI betonte Musk den technologischen Anspruch dieses Vorhabens. Die Vision von orbitalen KI-Rechenzentren geht Hand in Hand mit Musks Wunsch nach einer erweiterten menschlichen Präsenz im All.
Google will 2027 testen
Google verfolgt unter dem Namen „Project Suncatcher“ ähnliche Ziele. Erste Tests kleiner modularer Rechenanlagen im Orbit sind bereits für 2027 vorgesehen, größere Systeme sollen in den kommenden Jahrzehnten folgen.
Google hat im November 2025 einen konzeptionellen Rahmen für orbitales KI‑Computing vorgestellt und plant, zwei Prototyp‑Satelliten mit Tensor Processing Units (TPUs) zu starten. „Project Suncatcher ist Teil der langen Tradition von Google, sich anspruchsvollen wissenschaftlichen und technischen Herausforderungen zu stellen“, heißt es in einer Mitteilung.
Jeff Bezos: „No Plan B for Earth“
Auch Jeff Bezos, Gründer von Amazon und des Raumfahrtunternehmens Blue Origin, setzt sich für die Entwicklung orbitaler Rechenzentren ein. 2025 erklärte Bezos, er könne sich Datzenzentren im All innerhalb der nächsten 10 bis 20 Jahre vorstellen. „Es gibt keinen Plan B für die Erde“, so Bezos. Er argumentiert mit Umweltschutz, um ressourcenintensive Industrien wie Datenzentren in den Weltraum zu verlagern.
Die große Hürde: Kühlung im Vakuum
So verlockend die Aussicht auf kontinuierliche Sonnenenergie auch klingt – im All gibt es keine Luft und kein Wasser, um Wärme abzuführen. KI‑Cluster können also nicht gekühlt werden, wie es bei irdischen Rechenzentren der Fall ist. Die einzige Möglichkeit zur Abwärmeableitung im Weltraum ist Thermalstrahlung über große Radiatoren. Diese müssten enorme Flächen einnehmen, sind schwer, teuer zu starten und empfindlich gegenüber Sonneinstrahlung. Die Möglichkeiten zur Wartung und für Hardware-Upgrades sind ebenfalls begrenzt, da jeder Austausch einen Raketenstart erfordert.
Das ist ein fundamentaler physikalischer Engpass: Solche Radiatorflächen müssten so konstruiert werden, dass sie kontinuierlich die Abwärme großer Rechenlasten abstrahlen können. Bis heute gibt es keine praxiserprobte Lösung, die das im Maßstab ganzer KI‑Cluster bewältigen könnte – trotz Prototyp‑Tests und Simulationen im Rahmen von Forschungsprojekten wie Googles Project Suncatcher.
Fazit
Erste Proof-of-Concepts für orbitale KI‑Rechenzentren sind technisch möglich, aber noch weit entfernt von der Marktreife. Eine flächendeckende Infrastruktur würde massive Investitionen erfordern – zudem wären technische Innovationen im Wärmemanagement und Jahrzehnte an Entwicklungszeit nötig.
SpaceX und Google treiben die Forschung voran, doch das Rennen ist ein Marathon und kein Sprint. In den kommenden Jahren könnten zunächst hybride Ansätze entstehen, bei denen terrestrische Rechenzentren um orbital unterstützte Knoten ergänzt werden.
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