Storm.Days 2026: „Seid euch bewusst, in welcher HealthTech-Liga ihr spielt!“
Bei den diesjährigen Storm.Days, dem Jahres-Event des Wiener Venture Capital Fund Calm/Storm, lag der Hauptfokus auf dem Bereich HealthTech. Dieser Sektor gilt oft als eines der dynamischsten Felder der Innovationslandschaft. Während Gesundheitssysteme weltweit unter Kostendruck, Fachkräftemangel und komplexen Strukturen leiden, bringen Startups die nötige Geschwindigkeit und Experimentierfreude in den Markt. Sie entwickeln Technologien, die Versorgung effizienter machen, Daten nutzbar machen und Arbeitsabläufe entlasten.
„HealthTech-Startups können nun wirklich Geld machen“
Eine besonders relevante Frage ist deshalb, wie HealthTech-Firmen Investoren von sich überzeugen können. Eine Diskussionsrunde am Donnerstag im Rahmen der Storm.Days drehte sich um dieses Thema. Daran teilgenommen haben Eckhart Weber, Partner bei Heal Capital, einem VC-Investor mit HealthTech-Fokus, Donna Parr, Managing Partner beim kanadischen Investor Cross-Border Impact Ventures, und Martin Karschkes, Growth Investor bei Lightrock.
Martin Karschkes sprach über die Bedeutung von HealthTech: „Der Gesundheitssektor kämpft immer mit hohen Kosten, doch innovative Technologie kann die Effizienz deutlich erhöhen. Mittlerweile haben sich HealthTech-Firmen so entwickelt, dass sie nun wirklich auch Geld machen können. Das macht sie für Investoren natürlich zunehmend attraktiver.“ Donna Parr sagte, dass sich das Verständnis von Investoren für HealthTech-Themen in den letzten Jahren deutlich verstärkt haben. Angesichts dessen finden in diesem Sektor auch immer mehr „Mega-Deals“ statt.
Kein „One size fits all“-Ansatz bei Investorensuche
Karschkes verglich bei der Diskussion die Investorenszenen in Europa und den USA. Er betonte, dass Europa in einem anderen Rhythmus tickt als die USA. Das treffe besonders auf den HealthTech-Bereich zu. „In USA ist die Schnelligkeit wie in vielen anderen Bereichen deutlich höher. In Europa sind strengere Regulierungen die Norm. Das wirkt sich natürlich auch auf Investments aus.“ Ähnlich sah es auch Eckardt Weber: „Es gibt in Europa viel Potenzial für eine starke HealthTech-Szene, doch es gibt auch hohe Anforderungen an die Unternehmen.“
Die Teilnehmenden an der Diskussion waren sich einig, dass HealthTech-Startups vor der Investorensuche vor allem genau definieren müssen, welche Ambitionen sie verfolgen. Nur so sei es möglich, den richtigen Markt anzusprechen und die passenden Geldgeber zu finden. „Es gibt hier keinen ‚One size fits all‘-Ansatz“, gab Karschkes zu bedenken. Donna Parr pflichtete ihm bei. „Man muss verstehen, welchen Markt man ansteuert. Das erfordert viel Vorbereitung.“
„Liga“ definiert sich nach Ambitionen
Parr zufolge müssen HealthTechs, die einen neuen Markt ansteuern, dortige Opinion Leader einbinden, die Validität ihrer Forschung belegen und klar zeigen, wie der Markteintritt funktionieren soll. Entscheidend sei, den eigenen Product-Market-Fit zu verstehen, Pilotprojekte zu starten und die eigene Notwendigkeit im angezielten Gesundheitssystem zu beweisen.
Eckardt Weber gibt HealthTechs hier den Rat: „Seid euch bewusst, in welcher ‚Liga‘ ihr spielt! Es gibt in diesem Sektor verschiedene ‚Ligen‘, die vor allem dadurch bestimmt werden, wie hoch die Ambitionen sind. In Europa sind die Ziele oft nicht so hoch gesteckt wie beispielsweise im Silicon Valley. Founder müssen sich die Frage stellen, ob sie globale Ambitionen verfolgen oder nur das Gesundheitssystem in ihrer Heimat verbessern wollen. Beides sind valide Ziele, doch es ist wichtig, zu wissen, welches man verfolgt.“
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VCs bevorzugen „starke CEOs“
Wie die Führungskräfte von HealthTech-Firmen gegenüber Investoren auftreten, kann laut den Diskussionsteilnehmenden einen entscheidenden Unterschied machen. In der Regel würden viele Geldgeber eine:n einzelne:n, starke:n CEO einem Führungsteam meistens vorziehen. „Ein einzelner CEO, der den Ton angibt, kann Investoren überzeugen. Doch es ist auch wichtig, dass diese Führungskraft starke Ratgeber:innen um sich hat, besonders bei der ersten Gründung. Aber Vorsicht: Zu viel Selbstvertrauen kann eine ‚Red Flag‘ sein. Es ist ein schmaler Grat zwischen Selbstsicherheit und Narzissmus. Investoren merken zum Beispiel schnell, wenn ein CEO zu kontrollierend ist und Aufgaben nicht an andere delegieren kann, was nicht gut ankommt“, so Parr.
Auch für Eckardt Weber sind starke CEOs meistens ein gutes Zeichen. „Ich bin ein Fan von CEOs, die mit Klarheit kommunizieren. Im Idealfall haben sie ein gutes Verständnis der eigenen Vision und wie sie sie erreichen wollen. Besonders in der Frühphase des Unternehmens sollten sie außerdem das Können haben, die nötigen Assets für das weitere Wachstum anzuziehen.“ Doch Eckhard Weber betonte, dass es beim Ansprechen von Investoren auch im HealthTech-Bereich keinen Königsweg gibt. „Es steckt viel Bauchgefühl dahinter. Wichtig ist es für uns, die Menschen hinter den Firmen persönlich kennenzulernen.“
