Storyclash-Exit: „Die Akquisition ist klar als Wachstumsprojekt angelegt“
Sie zählen zu den bekanntesten Scale-ups aus Oberösterreich und sind jetzt Teil eines größeren Ganzen: Denn Storyclash der Gründer Philip Penner und Andreas Gutzelnig hat den Exit an das französische Unternehmen Kolsquare (wiederum Teil der team.blu-Gruppe) gemacht. Das Team mit mehr als 50 Mitarbeitern und der Standort Linz bleiben vollständig erhalten, auch die Marke wird es weiterhin wie gewohnt geben. Zum Käufer Kolsquare hatte Storyclash über die Jahre eine gute Beziehung aufgebaut, weswegen dann irgendwann mal klar wurde, dass dies der beste Partner für den nächsten Entwicklungsschritt des Unternehmens ist. Kolsquare wiederum stärkt seine Position im DACH-Markt durch den Zukauf.
Im Interview spricht Storyclash-Gründer und CEO Andreas Gutzelnig über den Weg zum Exit, seine künftige Rolle im Unternehmen
Trending Topics: Wie hat sich der Deal ergeben, und warum habt ihr euch letztlich dazu entschieden, zu verkaufen?
Andreas Gutzelnig: Wir waren über Jahre hinweg als Mitbewerber regelmäßig im Austausch. Es gab immer wieder strategische Gespräche auf Augenhöhe über Markt, Technologie und die Zukunft von Influencer Marketing in Europa. Mit der Zeit wurde klar, dass wir sehr ähnlich denken. Aus diesem offenen Dialog hat sich Schritt für Schritt mehr ergeben. Die Entscheidung war kein klassischer Exit-Moment, sondern eine bewusste Wahl für den nächsten Entwicklungsschritt von Storyclash.
Was erwartet sich Kolsquare von der Akquisition?
Kolsquare stärkt damit gezielt seine Position im DACH-Markt und gewinnt ein sehr erfahrenes Team mit tiefer AI- und Datenexpertise. Gleichzeitig bringt Storyclash zusätzliches Know-how, operative Erfahrung und Geschwindigkeit ein, um die internationale Expansion weiter zu beschleunigen. Dieser Wachstumsschritt ist sehr personalintensiv und genau hier haben sich beide Seiten perfekt ergänzt.
Warum denkt ihr, passt Storyclash gut zu Kolsquare? Wer hat wen gesucht bzw. gefunden?
Beide Unternehmen teilen denselben Kern: einen starken Fokus auf Daten, AI, Performance und verantwortungsvolles Influencer Marketing mit europäischen Werten. Es war kein aktiver Suchprozess, sondern ein gegenseitiges Finden. Technologisch, kulturell und strategisch hat es von Anfang an sehr gut gepasst.
Welche Pläne hat Kolsquare bezüglich Team und Standort Linz?
Team und Standort Linz bleiben vollständig erhalten. Die Akquisition ist klar als Wachstumsprojekt angelegt, nicht als Kostenoptimierung. Die Integration der beiden Teams verläuft sehr zufriedenstellend. Es gibt viele komplementäre Skills, viel gegenseitigen Respekt und enormes Potenzial, gemeinsam schneller und stärker zu werden.
Welche Pläne haben du und dein Mitgründer Philip Penner nun? Bleibt ihr operativ tätig?
Ja, wir bleiben operativ tätig. Kontinuität war für uns ein zentraler Punkt. Gemeinsam mit Kolsquare treiben wir weiterhin Produkt, Technologie und strategische Positionierung voran. Für uns ist das kein Abschluss, sondern ein neues Kapitel mit deutlich größerer Reichweite.

Die Storyclash-Geschichte ist mehr als 11 Jahre lang. Was waren die wichtigsten Meilensteine?
Wir haben sehr früh mit Social-Media-Analysen begonnen, stark getrieben durch den Facebook-Boom. Schon damals haben wir begonnen, Content-Tracking-Technologien und Datenmodelle aufzubauen. Über viele Jahre haben wir diese Technologie gemeinsam mit unseren Kunden weiterentwickelt. 2021 haben wir Storyclash bewusst neu positioniert und klar als Influencer-Marketing-Plattform aufgestellt. Dieser Schritt entstand aus echtem Product-Market-Fit und enger Kundenarbeit und war rückblickend einer der wichtigsten Meilensteine unserer Geschichte.
Bei welchem Umsatz und welcher Mitarbeiterzahl seid ihr 2025 gelandet?
Wir sind 2025 mit über 50 Mitarbeitenden und profitablem Wachstum unterwegs. Konkrete Umsatz- oder Finanzzahlen kommunizieren wir aktuell nicht öffentlich.
Ihr habt zu Beginn Social-Media-Analysen für Publisher gemacht, heute seid ihr eine Influencer-Plattform. Wie kam es zu dem Pivot?
Das war keine harte Zäsur, sondern eine organische Weiterentwicklung. Unsere Kunden haben die Daten zunehmend für Creator-Identifikation, Kampagnensteuerung und Performance-Messung genutzt. 2021 haben wir diesen Fokus auch in der Positionierung klar gemacht. Das war genau der richtige Schritt.
Welche Faktoren waren entscheidend, Storyclash über viele Jahre erfolgreich zu machen?
Konsequente Produktfokussierung, frühe Investitionen in AI und die Fähigkeit, sich technologisch und strategisch immer wieder neu zu erfinden.
Neben langfristiger und schon fast obsessiver Kundenorientierung war der Aufbau einer starken Community entscheidend. Besonders im deutschsprachigen Raum haben wir früh Vertrauen bei Innovatoren und Early Adoptern aufgebaut. Viel Wachstum kam über Empfehlungen und Word of Mouth. Das war immer ein starkes Signal für Produkt- und Markenstärke.
Social-Media-Verbote für unter 16-Jährige stehen zur Diskussion. Wie verändert das das Influencer-Business?
Das Thema Verantwortung wird noch wichtiger. Influencer Marketing bleibt ein starker Wachstumsmotor, muss aber klaren ethischen Regeln folgen. Transparenz, Kennzeichnung, Nachhaltigkeit und Jugendschutz sind zentral. Wir sehen es als unsere Verantwortung, Wachstum und Verantwortung in Balance zu bringen.
Von Beginn an hat sich Kolsquare klar auf verantwortungsvolles Influencer Marketing fokussiert und dieses aktiv vorangetrieben. Quentin Bordage, Gründer von Kolsquare, ist Mitgründer der EIMA (European Influencer Marketing Association), Mitglied des Executive Committees von UMICC in Frankreich sowie Vizepräsident des Ethikkomitees.
