Synthesia: Britisches Startup für KI-Avatare erreicht 4 Milliarden Dollar Bewertung
Das britische KI-Unternehmen Synthesia hat eine Series-E-Finanzierungsrunde über 200 Millionen Dollar abgeschlossen und erreicht damit eine Unternehmensbewertung von 4 Milliarden Dollar. Die Bewertung hat sich innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt, nachdem das Londoner Start-up im vergangenen Jahr noch mit 2,1 Milliarden Dollar bewertet wurde. Die Finanzierungsrunde wird von Google Ventures angeführt, das bereits zuvor in das Unternehmen investiert hatte.
Synthesia entwickelt eine Plattform, die Unternehmen beim Erstellen interaktiver Schulungsvideos mit KI-generierten Avataren unterstützt. Das 2017 gegründete Unternehmen hat ein lukratives Geschäftsmodell in der Transformation von Unternehmensschulungen gefunden und zählt Konzerne wie Bosch, Merck, SAP, Zoom und Heineken zu seinen Kunden. Nach eigenen Angaben arbeitet das Start-up mit über 90 Prozent der Fortune-100-Unternehmen zusammen. Im April 2025 überschritt Synthesia die Marke von 100 Millionen Dollar an jährlich wiederkehrenden Umsätzen.
Bestehende Investoren bauen Beteiligungen aus
An der Finanzierungsrunde beteiligen sich neben Google Ventures mehrere bisherige Geldgeber, darunter Kleiner Perkins, Accel, New Enterprise Associates, der Risikokapitalarm von Nvidia namens NVentures, Air Street Capital und PSP Growth. Neu in die Kapitalisierungstabelle eintreten die Investmentfirmen Evantic Capital, die vom ehemaligen Sequoia-Partner Matt Miller gegründet wurde, sowie das Risikokapitalunternehmen Hedosophia. Die wiederholte Beteiligung bestehender Investoren über mehrere Finanzierungsrunden hinweg signalisiert deren Vertrauen in die Geschäftsentwicklung des Unternehmens.
Parallel zur Finanzierungsrunde organisiert Synthesia eine Sekundärtransaktion für Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit Nasdaq. Die Börse agiert dabei nicht als öffentlicher Handelsplatz, sondern als Vermittler für private Märkte, der frühen Teammitgliedern ermöglicht, ihre Anteile zu Geld zu machen. Alle Verkäufe werden zur gleichen Bewertung von 4 Milliarden Dollar abgewickelt wie die Series-E-Runde selbst.
Die Unternehmensführung betont, dass das Programm Mitarbeitern Zugang zu Liquidität verschafft und ihnen erlaubt, am geschaffenen Wert teilzuhaben, während das Unternehmen weiterhin als private Gesellschaft operiert. Solche strukturierten, grenzüberschreitenden Liquiditätsprogramme könnten für britische Start-ups zunehmend üblich werden, da Unternehmen länger privat bleiben.
Entwicklung interaktiver KI-Agenten im Fokus
Das Unternehmen plant, die Mittel aus der Finanzierungsrunde für die Entwicklung konversationsfähiger KI-Agenten einzusetzen. Diese sollen es Mitarbeitern von Kundenfirmen ermöglichen, mit Unternehmenswissen auf intuitivere, menschenähnlichere Weise zu interagieren, indem sie Fragen stellen, Szenarien durch Rollenspiele erkunden und maßgeschneiderte Erklärungen erhalten. Die Funktionen sollen im Sommer eingeführt werden.
Frühe Pilotprojekte mit Kunden haben nach Unternehmensangaben positives Feedback erbracht, wobei Anwender von höherem Engagement und schnellerem Wissenstransfer im Vergleich zu traditionellen Formaten berichten. Die Umwandlung von Videos von einer einseitigen Betrachtungserfahrung zu interaktiven Lernwerkzeugen soll Unternehmen bei der Kompetenzentwicklung, Bewertung und Steigerung von Leistung und Produktivität unterstützen.
600 Mitarbeiter in London, Amsterdam, Kopenhagen, München, New York und Zürich
Die Geschäftsführung sieht eine Konvergenz zweier bedeutender Entwicklungen: technologische Fortschritte bei KI-Agenten und eine Marktveränderung, bei der Weiterbildung und interner Wissensaustausch zu strategischen Prioritäten auf Vorstandsebene geworden sind. Als europäisches Unternehmen im globalen Wettbewerb strebt Synthesia an, gut kapitalisiert zu sein, um weltweit zu investieren und kommerzielle Präsenzen aufzubauen.
Das Unternehmen beschäftigt mittlerweile rund 600 Mitarbeiter, was einem Wachstum von 40 Prozent im vergangenen Jahr entspricht. Neben der 1.850 Quadratmeter großen Zentrale in London unterhält Synthesia Büros in Amsterdam, Kopenhagen, München, New York und Zürich. Im europäischen KI-Sektor konkurriert das Unternehmen mit Start-ups wie ElevenLabs, das Berichten zufolge Gespräche über eine Finanzierung zu einer Bewertung von 11 Milliarden Dollar führt.

