Trade Republic arbeitet an eigenem Handelsplatz, um PFOF-Verbot zu umschiffen
PFOF, kurz für „Payment For Order Flow“, wird bald in der EU verboten sein, da muss eine Alternative her – und der Berliner Neobroker bzw. die Berliner Neobank reagiert. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat der Trade Republic Business III GmbH die Erlaubnis zum Betrieb eines multilateralen Handelssystems erteilt. Der entsprechende Eintrag in der Unternehmensdatenbank der Behörde trägt das Datum vom 23. Januar 2026. Mit dieser Lizenz verschafft sich der Berliner Neobroker die Möglichkeit, Wertpapiergeschäfte künftig über eine eigene Plattform abzuwickeln, statt wie bisher ausschließlich externe Handelsplätze zu nutzen.
Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund des europaweiten Verbots von Rückvergütungen, das ab Juli 2026 greift. Bei diesem als Payment for Order Flow bezeichneten Verfahren zahlen Handelsplätze oder Market Maker den Brokern eine Provision aus der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen. Deutschland hat von einer Übergangsfrist bis Ende Juni 2026 Gebrauch gemacht. Die EU-Institutionen sehen in dieser Praxis einen Interessenkonflikt, der Broker dazu verleiten könnte, ungünstige Konditionen anzubieten oder Kunden durch spielerische Elemente in ihren Apps zu häufigem Handel zu bewegen. Für Trade Republic stellen diese Zahlungen nach eigenen Angaben mittlerweile weniger als 30 Prozent der Einnahmen dar.
Strategische Optionen bleiben offen
Wie das Unternehmen die neue Lizenz nutzen wird, steht nach Informationen aus Unternehmenskreisen noch nicht fest. Trade Republic prüft parallel verschiedene Alternativen zur bisherigen Abwicklung. Derzeit laufen die Geschäfte der Kunden über die Lang & Schwarz Exchange, ein elektronisches Handelssystem der Börse Hamburg. Mit einem eigenen multilateralen Handelssystem könnte Trade Republic künftig selbst als Market Maker auftreten und Wertpapiere für den direkten Handel vorhalten. Das Unternehmen hat sich bislang nicht öffentlich zu seinen Plänen geäußert.
Der Konkurrent Scalable Capital hat bereits Ende 2024 zusammen mit der Börse Hannover einen eigenen Handelsplatz namens European Investor Exchange aufgebaut und wickelt darüber mittlerweile die Geschäfte der meisten Kunden ab. Trade Republic ist Ende vergangenen Jahres zum wertvollsten Start-up Deutschlands aufgestiegen, als beim Verkauf von Firmenanteilen eine Bewertung von 12,5 Milliarden Euro festgestellt wurde. Das Unternehmen zählt mehr als zehn Millionen Kunden und verwaltet über 150 Milliarden Euro an Kundenvermögen.
Ausbau zum Finanzdienstleister
Beide Neobroker haben zwischenzeitlich Vollbanklizenzen erworben und bauen ihre Geschäftsfelder aus. Trade Republic hat das Verrechnungskonto in ein Girokonto umgewandelt, auf dem Einlagen verzinst werden. Beträge über 5000 Euro legt der Broker in Geldmarktfonds an, was anfangs Kritik von Verbraucherschützern wegen irreführender Werbung hervorrief. Zusätzlich gibt das Unternehmen eine Debitkarte heraus und erzielt Einnahmen aus den Interchange-Gebühren, die Händler beim Bezahlen entrichten müssen.
Die Neuausrichtung zeigt, wie Neobroker auf veränderte regulatorische Rahmenbedingungen reagieren und ihre Geschäftsmodelle diversifizieren. Statt sich ausschließlich auf Handelsprovisionen und Rückvergütungen zu stützen, erschließen sie zusätzliche Ertragsquellen im Bankgeschäft. Die MTF-Lizenz verschafft Trade Republic dabei Handlungsspielraum für die Zeit nach dem Wegfall der bisherigen Einnahmen aus Payment for Order Flow.

