Uber und Delivery Hero: EU-Kommission soll sich fragwürdigen SSW-Deal annehmen
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Die geplante Übernahme von Delivery Hero durch Uber wird zum Fall für die Wettbewerbshüter:innen in Brüssel. Wie das Politico-Newsletter „Fair Play“ berichtet, beschäftigt sich die Generaldirektion Wettbewerb (DG COMP) der EU-Kommission bereits mit dem rund 13 Milliarden Euro schweren Deal, auch wenn die formelle Fusionsprüfung noch nicht angelaufen ist. Im Zentrum der Debatte steht die Frage, ob Brüssel die Übernahme durch Uber und den parallelen Verkauf von 14 Delivery-Hero-Ländermärkten an den Finanzinvestor SSW Partners getrennt oder als Gesamtpaket bewerten soll. Brisant dabei: Den Kauf dieser Märkte soll SSW zum Großteil mit Geld von Uber finanzieren.
Laut dem Newsletter von Politico Europe wirken Branchenakteur:innen derzeit auf die Beamt:innen der DG COMP ein, sich die Transaktion genauer anzusehen. Auch der CDU-Europaabgeordnete Andreas Schwab (EVP), einer der führenden Wettbewerbspolitiker im EU-Parlament, hat eine sorgfältige Prüfung des Vorhabens gefordert.
Uber finanziert die Übernahmen seiner Zukunts-Mitbewerber mit
Der Deal ist so konstruiert, dass in Europa keine kartellrechtlichen Bedenken entstehen sollen. Hätte Uber Delivery Hero vollständig übernommen, wären in mehreren Ländern große Überschneidungen zwischen Uber Eats und den Plattformen von Delivery Hero entstanden. Deshalb verkauft Delivery Hero sein Geschäft in 14 überwiegend europäischen Ländern an SSW Partners. Dieser zweite Deal ist an den ersten gekoppelt.
Das Geld für den Kauf kommt allerdings zu einem großen Teil von Uber selbst. Wie Trending Topics berichtete, hat Uber dem Investor zugesagt:
„Uber has agreed to lend SSW funds to finance the majority of the SSW transaction.“
Uber leiht dem Finanzinvestor also den Großteil jener rund 1,4 Milliarden Euro, die SSW für die 14 Delivery-Hero-Märkte zahlt. SSW Partners selbst ist eine kleine Investmentgesellschaft mit rund fünf Mitarbeiter:innen und einem verwalteten Vermögen von etwa 646 Millionen US-Dollar. Sie versteht sich als Zwischenstation und will langfristige Eigentümer:innen für die Märkte suchen.
Im besten Fall für Uber würde die Kommission beide Transaktionen separat prüfen und kaum Probleme finden, weil die Überschneidungen bereits bereinigt sind. Doch nicht alle Marktteilnehmer:innen sind damit einverstanden. Mindestens ein Player drängt laut Politico darauf, dass Brüssel beide Deals gemeinsam betrachtet, um die Auswirkungen auf den Gesamtmarkt beurteilen zu können.
Uber befindet sich derzeit in Vorgesprächen mit der Kommission, bis zur formellen Anmeldung vergehen in der Regel einige Monate. SSW wiederum hat Brüssel von sich aus gebeten, seinen Teil des Deals zu prüfen, obwohl dieser unter den EU-Schwellenwerten für eine Fusionskontrolle liegt. Damit will der Investor parallele Verfahren in mehreren Mitgliedstaaten vermeiden. Die EU ist nicht die einzige Behörde, die grünes Licht geben muss: In Südkorea hat die Prüfung soeben begonnen, weitere Verfahren im Nahen Osten und in Lateinamerika sollen folgen.
Worum es bei dem Deal geht
Uber hatte im Sommer angekündigt, Delivery Hero komplett übernehmen zu wollen. Laut Trending Topics bietet der US-Konzern 41,50 Euro pro Aktie, was einem Eigenkapitalwert von rund 14,8 Milliarden US-Dollar entspricht. Uber hält bereits etwa 37 Prozent an dem Berliner Lieferdienst, die Mindestannahmeschwelle liegt bei 50 Prozent plus einer Aktie. Der Abschluss wird für die zweite Jahreshälfte 2027 erwartet. Scheitert der Deal an den Behörden, muss Uber eine Strafzahlung von 700 Millionen Euro leisten.
Parallel dazu verkauft Delivery Hero sein Geschäft in 14 Ländern für rund 1,4 Milliarden Euro an SSW Partners. Betroffen sind unter anderem Österreich mit foodora, Spanien mit Glovo sowie Schweden, Norwegen, Polen, Tschechien, Griechenland, Portugal, Rumänien, die Türkei, Zypern, Moldau, Chile und Ecuador. Diese Märkte kommen zusammen auf ein Bruttobestellvolumen von rund 11 Milliarden US-Dollar.
Als besonders heikel gilt Spanien: Dort kommt Uber auf einen Marktanteil von 20 bis 30 Prozent, Glovo beziehungsweise Delivery Hero auf 50 bis 60 Prozent. Neben der EU-Kommission müssen auch die Behörden in Österreich, Spanien, Polen und Ecuador zustimmen. Weil SSW nun selbst eine Prüfung in Brüssel beantragt hat, sieht es jedoch danach aus, dass die EU-Kommission beide Teile des Deals prüfen wird und nicht mehrere nationale Behörden parallel.

