UMH holt sich 5 Millionen Euro für Industrial Data Infrastructure
United Manufacturing Hub (UMH) hat in einer Finanzierungsrunde 5 Millionen Euro eingesammelt. Das Kölner Open-Source-Unternehmen baut eine Industrial Data Management Plattform, die fragmentierte Produktionsdaten in Echtzeit zusammenführt. Die Runde führt KOMPAS VC an, weitere Investoren sind seed + speed Ventures, Sustainable Future Ventures, Archimedes New Ventures sowie Business Angels wie Jan Oberhauser (Gründer von n8n) und Jeff Hammerbacher (Gründer von Cloudera). Mit dem Kapital will UMH seine Plattform ausbauen und die Europa-Expansion beschleunigen.
UMH bietet skalierbare, interoperable Datenstruktur
Der globale Markt für Fertigungssoftware übersteigt laut UMH 50 Milliarden Dollar, dennoch scheitern viele Digitalisierungsinitiativen an der Datenbasis. Produktionsdaten liegen in proprietären Systemen eingeschlossen, verteilt über Maschinen, Prozesse und Anwendungen. „Fabriken arbeiten heute mit jahrzehntealter Software. Daten liegen in proprietären Protokollen, sind über verschiedene Hersteller hinweg fragmentiert und oft ohne den notwendigen Kontext, den reale Anwendungsfälle und KI benötigen“, sagt Alexander Krüger, CEO und Mitgründer von UMH. Die Folge: Industrieunternehmen investieren in digitale Tools und KI-Automatisierung, doch die Transformation stockt.
UMH löst das Problem mit einem Echtzeit-Datenhub, dem sogenannten Unified Namespace. Statt fragiler Punkt-zu-Punkt-Integrationen soll eine skalierbare, interoperable Datenstruktur entstehen. Die Plattform verbindet Maschinen, Sensoren und IT-Systeme über standardisierte Schnittstellen, bereinigt und kontextualisiert die Daten. Anwendungen sollen darauf zugreifen, ohne dass jedes Mal individuelle Integrationsarbeit nötig ist.
Auf dieser Basis verspricht UMH sofort nutzbare Lösungen: operative Kennzahlen, Energie- und Ressourcenüberwachung, Zustandsmonitoring bis hin zu industriellen KI-Anwendungen. Führende Unternehmen wie HiPP, Edeka und Böllhoff setzen die Plattform ein. „Anstatt monatelang eine eigene Dateninfrastruktur aufzubauen, waren wir in kürzester Zeit startklar“, sagt Lutz Hermanns, Head of PDA & Supply Chain bei Böllhoff. „Neue Datenquellen anbinden und digitale Anwendungsfälle umsetzen, dauert heute Stunden statt Wochen.“
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Open-Source-Strategie bleibt zentral
„Industrielle KI lässt sich nur dann skalieren, wenn Fabriken über eine verlässliche, universelle Datenbasis verfügen“, sagt Andreas Winter-Extra, Partner bei KOMPAS VC. „UMH schafft genau dieses Fundament, indem fragmentierte Produktionsdaten in präzise, kontextualisierte Daten für moderne Analysen und intelligente Systeme überführt werden.“ Das Unternehmen positioniert sich bewusst als Infrastruktur-Player für eine Industrie, die bislang keinen dominanten Software-Anbieter hervorgebracht hat.
„In Bereichen wie ERP, CRM oder HR-Management sind Unternehmen mit Milliarden Bewertungen entstanden. Im Digital Manufacturing fehlt ein solcher Player bislang. Genau das ist unsere Mission: Wir wollen die weltweit führende Industrial Data Company aufbauen“, sagt Niklas Hebborn, Chief Commercial Officer von UMH und ehemaliger Partner bei Freigeist Capital.
Mit dem frischen Kapital beschleunigt UMH die Produktentwicklung, insbesondere in den Bereichen Konnektivität, fortgeschrittene Datenmodellierung und KI-Agenten. Das Unternehmen baut zudem die Zusammenarbeit mit Beratungs- und Technologiepartnern aus und verstärkt die Teams in Engineering- und Go-to-Market-Funktionen. Die Open-Source-Strategie bleibt dabei zentral: UMH will europäischen Industrieunternehmen das Daten-Rückgrat liefern, um Innovation voranzutreiben und global wettbewerbsfähig zu bleiben.

