Nicht mehr nur eine Blockchain: Vitalik Buterin zeichnet Ethereum bis 2030
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Ethereum soll bald keine Blockchain mehr sein, zumindest keine gewöhnliche. Mitgründer Vitalik Buterin hat soeben in einem Essay mit dem Titel „The cryptographic world computer“ beschrieben, wohin sich das Netzwerk bis 2030 entwickeln soll. Seine Kernaussage: Ethereum habe den Übergang begonnen, „von einer bloßen Blockchain zu etwas viel Mächtigerem“ zu werden. Es sei in Wahrheit eine „hybride Konstruktion“, die die Kernideen von Satoshi Nakamoto mit kryptografischen Werkzeugen verbinde, die es 2009 noch gar nicht gab.
Fünf Umbauten am Fundament
Buterin beschreibt fünf Änderungen, die Ethereum in den kommenden Jahren grundlegend verändern sollen:
- Prüfen statt nachrechnen: Heute rechnet jeder Knoten im Netzwerk jeden Block komplett nach. Künftig sollen die Knoten nur noch Stichproben der Daten ziehen (PeerDAS) und kryptografische Beweise, sogenannte SNARKs, prüfen. Das senkt die Hardware-Anforderungen drastisch.
- Gebündelte Signaturen: Statt vieler einzelner Signaturen pro Block soll nur noch eine zusammengefasste Signatur auf der Chain landen.
- Verteilter Blockbau: Mit dem Mechanismus FOCIL soll die Macht, Blöcke zusammenzustellen, auf mehrere Teilnehmer:innen verteilt werden, was Zensur erschwert.
- Privatsphäre als Standard: Private Transaktionen über Zero-Knowledge-Beweise sollen vom Nischenprodukt zur eingebauten Funktion werden.
- Paralleler Zugriff auf den Zustand: Das Netzwerk muss riesige Datenmengen parallel verarbeiten können. Buterin hält das für möglicherweise schwieriger als die Effizienz der ZK-Beweise.
Schneller, aber nicht so schnell wie ein Server
Konkret nennt Buterin Ziele für 2030: Die Blockzeit soll von derzeit rund 12 Sekunden auf 4 bis 8 Sekunden sinken, die Finalität, also der Punkt, ab dem eine Transaktion unumkehrbar ist, von mehreren Minuten auf 8 bis 32 Sekunden. Eine Einschränkung macht er selbst: „Ethereum selbst wird nie eine Latenz haben, die mit Servern konkurriert, aber die Infrastruktur, die darum herum gebaut wird, könnte das.“ Dezentralität könne die Leistung „in einigen wenigen Fällen“ sogar steigern, etwa bei paralleler Speicherung und Berechnung.
Auf dem Weg dorthin liegen zwei Upgrades: Glamsterdam und das darauf folgende Hegota im kommenden Jahr. Hegota bezeichnet Buterin als wahrscheinlich letzten „normalen“ Fork, dessen Technik „für jemanden aus dem Jahr 2015 noch wiedererkennbar“ wäre: „Alles danach betrifft rekursive STARKs, automatisierte formale Verifikation, hochoptimierte Konsens-Algorithmen und Quantensicherheit.“
Druck von den Layer-2s und von Solana
Der Essay ist auch eine Antwort auf die Kritik der vergangenen Jahre. Ethereum hatte einen Großteil seiner Skalierung an Layer-2-Netzwerke wie Arbitrum, Base und Optimism ausgelagert, was Gebühren und Nutzer:innen von der Hauptchain abzog. Gleichzeitig wirbt Solana mit deutlich schnelleren Transaktionen. Buterins Plan holt die Skalierung zurück auf die Basisschicht, ohne die Dezentralität aufzugeben.
Das Timing ist günstig: Die Ether-ETFs in den USA haben in der vergangenen Woche fast 690 Millionen US-Dollar eingesammelt und liegen für 2026 wieder im Plus, wie wir kürzlich berichtet haben. Ob die Vision aufgeht, wird sich an den nächsten Upgrades zeigen. Ethereum hat mit dem Merge 2022 bewiesen, dass es tiefe Eingriffe im laufenden Betrieb schafft. Die jetzt angekündigten gehen noch tiefer.

