Vitrealab: Wiener AR-Brillen-Startup holt 9,4 Millionen Euro
Das Wiener Deeptech-Startup Vitrealab hat eine Series-A-Finanzierungsrunde über 9,4 Millionen Euro abgeschlossen. Das Unternehmen entwickelt photonische integrierte Schaltkreise für Augmented-Reality-Displays und will mit dem frischen Kapital seinen Quantum-Light-Chip zur Marktreife bringen. Die Runde war nach Angaben des Startups deutlich überzeichnet und soll die Industrialisierung der Technologie beschleunigen.
Als Lead-Investoren traten LIFTT Italian Venture Capital und LIFTT EuroInvest auf. Beteiligt haben sich zudem Constructor Capital, der aws Gründungsfonds, Gateway Ventures, PhotonVentures, xista Science Ventures, Moveon Technologies sowie Hermann Hauser Investment. CTO Jonas Zeuner betont, die Finanzierung ermögliche den Übergang von fortgeschrittenen Prototypen zu industrietauglichen Lösungen. Bereits 2021 hatte Vitrealab eine siebenstellige Seed-Runde unter Führung von APEX Ventures eingesammelt.
AR-Brillen weden in einer zweiten Welle wieder als das „nächste große Ding“ nach dem Smartphone gehandelt. Meta ist in Kooperation mit Ray-ban vorgeprescht, Google will dieses Jahr neue AI-Brillen vorstellen, auch Apple soll an solchen Brillen arbeiten.
Vom Quantenlabor zum Chip-Hersteller
Vitrealab wurde 2018 von Chiara Greganti und Jonas Zeuner als Spin-off der Quantum Group der Universität Wien gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern der Forschungsgruppe zählt Anton Zeilinger, der 2022 den Nobelpreis erhielt. Das Unternehmen setzt auf Laser-LCoS-basierte Light Engines für AR-Brillen und adressiert damit zentrale Herausforderungen bei Helligkeit, Energieeffizienz und Formfaktor. Die photonischen Schaltkreise steuern und formen kohärentes Laserlicht, wodurch Systemkomplexität und optische Verluste sinken.
Das Startup verfolgt einen vertikal integrierten Ansatz mit eigenem Reinraum und proprietären Fertigungstechnologien. Jeder Quantum-Light-Chip enthält Hunderte präzise gefertigte optische Wellenleiter, die mit Mikrooptik und RGB-Laserdioden kombiniert werden. Als Basismaterial dient Standard-Displayglas, was die Skalierbarkeit der Produktion unterstützen soll. Die hauseigene Direct-Laser-Writing-Technologie ermöglicht es Vitrealab, photonische Bauteile selbst zu designen und zu fertigen – vom Prototyp bis zur Volumenproduktion.
Skalierung für den Massenmarkt
Mit dem neuen Kapital will Vitrealab die Entwicklung des Quantum-Light-Chips vorantreiben und Partnerschaften mit Kunden intensivieren. Geplant sind Demonstrationen von Light-Engine-Architekturen der nächsten Generation sowie der Ausbau technischer Kapazitäten für den Alltagseinsatz von AR-Displays. Das Unternehmen zielt darauf ab, höhere Helligkeit, breitere Sichtfelder und geringeren Stromverbrauch in kompakten Formfaktoren zu realisieren.
Vitrealab arbeitet nach eigenen Angaben mit führenden Tier-1-OEMs zusammen, um hochleistungsfähige AR-Brillen für den Massenmarkt zu entwickeln. Die Technologie soll Systemgröße und Komplexität reduzieren und gleichzeitig Polarisation sowie Strahlqualität bewahren. Mit der vertikalen Integration von Design bis Fertigung positioniert sich das Wiener Startup als Zulieferer für die nächste Generation leichter AR-Smartglasses.

