Wind- und Solarenergie überholten 2025 fossile Brennstoffe in ganz Europa
Der Energiemix Europas erreichte 2025 einen Wendepunkt. Laut dem kürzlich veröffentlichten European Electricity Review des Thinktanks Ember erzeugten Wind- und Solarenergie im vergangenen Jahr erstmals mehr Strom in der EU als fossile Brennstoffe. Wind- und Solarenergie lieferten einen Rekordanteil von 30 Prozent der EU-Energie und überholten damit fossile Brennstoffe mit 29 Prozent, berichtet Electrek.
Anhaltender Boom der Solarenergie
„Dieser Meilenstein zeigt, wie schnell sich die EU in Richtung eines von Wind- und Solarenergie gestützten Stromsystems bewegt“, sagt die Autorin des Berichts, Beatrice Petrovich. „Da die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen die Instabilität auf der globalen Bühne fördert, ist die Bedeutung der Umstellung auf saubere Energie deutlicher denn je.“
Der Bericht bietet einen Überblick über die Stromerzeugung und -nachfrage in allen 27 EU-Ländern im Jahr 2025 und verfolgt, wie sich der Energiemix der Region von fossilen Brennstoffen hin zu sauberer Energie verlagert.
Als Hauptgrund für den Vorsprung von Wind- und Solarenergie im letzten Jahr nennt Ember den anhaltenden Boom der Solarenergie. Die Solarstromerzeugung stieg 2025 um 20,1 Prozent und verzeichnete damit das vierte Jahr in Folge ein Wachstum von über 20 Prozent. Sie lieferte rekordverdächtige 13 Prozent des Stroms in der EU und übertraf damit sowohl Kohle als auch Wasserkraft.
Wachstum fand in jedem EU-Land statt
Dieses Wachstum war überall zu beobachten. Jedes EU-Land erzeugte mehr Solarenergie als im Vorjahr, angetrieben durch einen massiven Ausbau neuer Solarkapazitäten. In Ungarn, Zypern, Griechenland, Spanien und den Niederlanden lieferte die Solarenergie mehr als 20 Prozent des gesamten Stroms.
Insgesamt machten erneuerbare Energien im Jahr 2025 etwa 48 Prozent der Stromerzeugung in der EU aus. Das Wetter spielte dabei eine Rolle: Die Stromerzeugung aus Wasserkraft ging um 12 Prozent zurück, die aus Windkraft um 2 Prozent, während sonnigere Bedingungen die Solarstromproduktion ankurbelten. Dennoch blieb Windkraft mit 17 Prozent die zweitgrößte Stromquelle der EU und produzierte mehr Strom als Gas.
Der Wandel wird zunehmend strukturell. In 14 der 27 EU-Länder erzeugten Wind- und Solarenergie im Jahr 2025 mehr Strom als alle fossilen Brennstoffe zusammen. In den letzten fünf Jahren stieg der Anteil von Wind- und Solarenergie von 20 Prozent im Jahr 2020 auf 30 Prozent im Jahr 2025. Im gleichen Zeitraum sank der Anteil fossiler Brennstoffe von 37 Prozent auf 29 Prozent, während der Anteil von Kern- und Wasserkraft weitgehend unverändert blieb oder leicht zurückging.
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Mehr Gas zu mehr Kosten produziert
Die Stromerzeugung aus Gas stieg 2025 um 8 Prozent und füllte damit weitgehend die Lücke, die durch die geringere Wasserkraftproduktion entstanden war. Trotz dieses Anstiegs ist der Gasverbrauch in der EU langfristig rückläufig und lag immer noch 18 Prozent unter seinem Höchststand von 2019.
Mehr Gas bedeutete jedoch auch höhere Kosten. Die Gasimportkosten der EU für Strom stiegen 2025 auf 32 Milliarden Euro, ein Anstieg von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es war der erste Anstieg der Gasimportkosten für Strom seit der Energiekrise 2022, wobei Italien und Deutschland die höchsten Kosten zu tragen hatten. Stunden mit hohem Gasverbrauch führten auch zu Strompreisspitzen, wobei die Durchschnittspreise während dieser Stunden in der gesamten EU im Vergleich zu 2024 um 11 Prozent stiegen.
Kohle hingegen verlor weiter an Bedeutung. Ihr Anteil an der Stromerzeugung in der EU sank 2025 auf einen neuen historischen Tiefstand von 9,2 Prozent. Vor einem Jahrzehnt lieferte Kohle noch fast ein Viertel des Stroms in Europa. Heute beziehen 19 EU-Länder entweder gar keinen Strom aus Kohle oder weniger als 5 Prozent. Selbst in kohleintensiven Ländern wie Deutschland und Polen sank die Stromerzeugung aus Kohle auf einen historischen Tiefstand.
„Die nächste Priorität für die EU sollte darin bestehen, die Abhängigkeit von teurem importiertem Gas deutlich zu verringern“, so Petrovich. „Gas macht die EU nicht nur anfälliger für Energieerpressung, sondern treibt auch die Preise in die Höhe. Im Jahr 2025 gab es erste Anzeichen dafür, dass mehr Batteriespeicher eingesetzt werden, um selbst erzeugte erneuerbare Energie in Zeiten mit hohem Gasverbrauch zu übertragen. Wenn sich dieser Trend beschleunigt, könnte dies den Gasbedarf in den Abendstunden begrenzen und somit die Preise stabilisieren.“
