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„Wir müssen raus aus Linz“: tech2b-Geschäftsführer Lukas Keplinger über internationale Sichtbarkeit

Lukas Keplinger ist seit Sommer 2025 tech2b-Geschäftsführer. © Trending Topics
Lukas Keplinger ist seit Sommer 2025 tech2b-Geschäftsführer. © Trending Topics

Seit Juli 2025 leitet Lukas Keplinger den oberösterreichischen Inkubator tech2b als Geschäftsführer. Der gebürtige Linzer kehrte nach beruflichen Stationen in Wien und der Schweiz zurück, um einen der etabliertesten Startup-Inkubatoren Österreichs strategisch neu auszurichten. Im Interview spricht er über seine ersten Monate, die Stärken des Standorts und warum Oberösterreich mehr internationale Sichtbarkeit braucht.

Als Full-Service-Inkubator nimmt sich tech2b technologieorientierten Startups an – in Oberösterreich und darüber hinaus. Als zentraler Knotenpunkt im Innovationsökosystem begleitet das tech2b-Team Gründer:innen von der ersten Idee bis zur internationalen Skalierung. Durch eine enge Vernetzung mit Industrie, Forschung und öffentlichen Akteuren schlägt tech2b die Brücke zwischen Innovation und Markt und hilft dabei, aus technologischen Ideen nachhaltig erfolgreiche Unternehmen zu machen.

Trending Topics: Lukas, du hast im Sommer die Geschäftsführung bei tech2b übernommen. Wie waren die ersten Monate?

Lukas Keplinger: Sehr, sehr spannend. An meinen ersten Tag im Büro waren meiner Wahrnehmung nach alle überrascht, als ich als der „Neue“ vorgestellt wurde. Es hatten sich viele aus dem Ökosystem hier beworben, und dann kommt jemand von außen. Mittlerweile sind bereits einige Monate verstrichen und für mich ist klar, wir sind ein richtig cooles Team – über 20 Expert:innen und sehr divers aufgestellt.

Von Anfang an habe ich viel Zeit damit verbracht, das Team, unsere Startups und Partner kennenzulernen – und bin beeindruckt von der Expertise, der Leidenschaft und dem Praxisbezug, der hier gelebt wird. Gleichzeitig haben wir bereits erste strategische Weichen gestellt, um unsere Unterstützung noch zielgerichteter und internationaler auszurichten. Besonders wichtig war und ist mir, den Dialog mit Gründer:innen, Industriepartnern und der Politik zu vertiefen, um gemeinsam die Rahmenbedingungen für Innovationen zu verbessern.

War es ein Vorteil, mit deinem Blick von außen einzusteigen?

Ja, ich bin überzeugt, dass dies eine bewusst getroffene Entscheidung war. Durch meine beruflichen Erfahrungen außerhalb Oberösterreichs – insbesondere im Ausland – kann ich neue Perspektiven einbringen und dazu beitragen, dass wir nicht ausschließlich in regionalen Strukturen denken. Wir müssen raus aus diesem „nur Linz, nur Oberösterreich“.  Ein zentrales Thema wird für uns sein, stärker über die Landesgrenzen hinauszublicken. Wir möchten die Zusammenarbeit mit den anderen Bundesländern intensivieren und gleichzeitig internationale Partnerschaften ausbauen.

Was hat dich persönlich an der neuen Aufgabe gereizt?

Mich reizt die Kombination aus technologischer Tiefe, unternehmerischer Gestaltungsfreiheit und gesellschaftlicher Wirkung. tech2b ist weit mehr als ein Inkubator – wir verstehen uns als Plattform, die Brücken schlägt: zwischen Forschung und Markt, zwischen Startups und Industrie, zwischen Ideen und skalierbaren Geschäftsmodellen.

Ich habe in der öffentlichen Verwaltung, in einem internationalen Konzern und in einem Startup gearbeitet. Schließlich stand ich vor der Wahl, meine Karriere im Ausland fortzusetzen oder in Österreich etwas Sinnstiftendes aufzubauen. Mir ist wichtig, gerne ins Büro zu gehen und einen echten Impact zu erzeugen. tech2b bietet mir ein äußerst spannendes Umfeld, in dem ich meine Erfahrungen aus verschiedenen Welten zusammenführen kann.

tech2b existiert bereits seit über 20 Jahren. Wie würdest du eure derzeitige Kernmission beschreiben?

tech2b ist ein Full-Service-Inkubator für technologieorientierte Gründer:innen, die aus einer innovativen Idee ein international wettbewerbsfähiges Unternehmen entwickeln möchten. Dabei liegt ein Fokus auf Ausgründungen aus dem universitären Umfeld – vorausgesetzt, es handelt sich um hochinnovative, skalierbare Technologien.

Wir begleiten Startups sehr früh, von der ersten Idee bis zur Markteinführung und Skalierung. Unser interdisziplinäres Team bringt selbst Gründungserfahrung mit und unterstützt sehr praxisnah – von IP-Strategien über regulatorische Fragestellungen bis hin zum Marktzugang.

Kurz gesagt: Wir sind ein Katalysator, der technologischen Ideen hilft, sich zu erfolgreichen Unternehmen zu entwickeln und damit die Innovationskraft der Region nachhaltig stärkt.

Was unterscheidet tech2b von anderen Inkubatoren?

Drei Faktoren:

  1. Unser Team: Viele Mitarbeiter:innen haben selbst gegründet, Exits erlebt oder Misserfolge bewältigt. Dieses Wissen geben wir direkt an die Teams weiter.
  2. Individuelle, langfristige Begleitung: Wir arbeiten nicht nach einem fixen Schema, sondern orientieren uns an den spezifischen Bedürfnissen der Startups und bleiben auch bei komplexen Themen eng an ihrer Seite.
  3. Unsere Industrienähe: Mit rund 30 Industriepartnern aus dem PIER 4-Netzwerk ermöglichen wir Startups Zugang zu etablierten Unternehmen – eine der größten Hürden in der Frühphase.

Wo steht der Inkubator heute im österreichischen Vergleich?

Wir gehören zu den drei größten Inkubator Österreichs und konnten seit unserer Gründung stark gewachsen. Auch bei der Anzahl der Gründungen liegen wir in Oberösterreich auf Platz zwei. Was uns besonders auszeichnet, ist unsere enge Verbindung zur Industrie. Ich vergleiche uns gerne mit „dem kleinen München“: Dort fokussiert sich aktuell viel Dynamik – starke Industrie, starke Hochschulen, viel Kapital. Dieses Potenzial haben wir ebenfalls, wenn auch in kleinerem Maßstab.

Wo siehst du aktuell die größten Herausforderungen für Gründer:innen in der Frühphase?

Die größte Herausforderung ist der Marktzugang. Selbst sehr erfahrene Unternehmer:innen haben Schwierigkeiten, Zugang zur österreichischen Industrie zu finden und erhalten häufig schneller Aufträge in Deutschland oder Frankreich als im eigenen Land. Hier müssen wir Bewusstsein schaffen. Mit PIER 4 bieten wir Startups gezielte Möglichkeiten, Pilotprojekte umzusetzen und schnell herauszufinden, ob ihr Angebot tatsächlich gebraucht wird.

Zweitens fehlt Kapital. Wir arbeiten daran, mehr Investor:innen nach Linz zu bringen – sowohl aus Wien als auch aus internationalen Märkten. Es gibt hier Initiativen im Umfeld der KI-Exzellenzstrategie des Landes Oberösterreich. Wir setzen auch große Hoffnung in den angekündigten Dachfonds der Bundesregierung.

Drittens ist die Talentfindung zentral. Teams müssen interdisziplinär gut aufgestellt sein – vom wirtschaftlichen Know-how bis zur technischen Expertise. Gutes Matchmaking ist entscheidend.

Wie hilft tech2b konkret dabei, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln?

Wir beginnen immer mit der Analyse des Teams – das ist aus unserer Sicht der wichtigste Faktor. Investor:innen achten zunehmend stärker darauf als auf das Produkt selbst. Wir prüfen Mindset, Skills und Zusammensetzung des Teams.

Anschließend validieren wir die Technologie und analysieren Marktpotenzial und Finanzplan. Darüber hinaus können sich Startups Mentor:innen aussuchen, deren Expertise wir mitfinanzieren. Wenn uns spezifisches Know-how fehlt, binden wir erfahrene Gründer:innen oder Führungskräfte aus der Industrie ein. Und wir begleiten kritisch – wir geben ehrliches Feedback, ob ein Ansatz funktioniert oder nicht.

Welche strategischen Schwerpunkte setzt du für die kommenden Jahre?

Drei zentrale Hebel:

  1. Internationalisierung: Für technologieorientierte Startups ist Internationalisierung keine Option, sondern Notwendigkeit. Wir erweitern unsere Programme und Netzwerke und suchen aktiv Partnerschaften, etwa auf Events wie der Slush in Helsinki oder dem Web Summit in Lissabon.
  2. Investorenakquise: Wir bringen gezielt Investor:innen nach Linz und entwickeln englischsprachige Formate, um internationale Zielgruppen anzusprechen.
  3. Vernetzung zwischen Startups, Industrie und öffentlicher Hand: Wir wollen aktiv an der KI-Exzellenzstrategie des Landes Oberösterreich mitwirken und Brücken zwischen den Akteuren bauen.

Gibt es konkrete Technologiefelder, auf die sich tech2b fokussiert?

Wir sehen großes Potenzial in DeepTech und Industrie 4.0 – insbesondere in den Bereichen KI, Robotik und neue Materialien. Mit fast 3.000 KI-Studierenden an der JKU, sowie starken Instituten an der FH sind wir sehr gut positioniert.  Der Softwarepark Hagenberg verfügt auch über eine hohe Expertise Bereich der Quanten, einem der Zukunftsfelder. Historisch ist Oberösterreich zudem stark in Robotik und in der Automotive-Zulieferindustrie.

MedTech und Life Sciences sind regulativ anspruchsvoll, aber global wachsend. Hier können wir mit unseren Partnern unsere Stärken bei Zertifizierung und Marktzugang besonders gut einbringen.

Ein weiteres Thema, das an Bedeutung gewinnt, ist Peacetech. Da in diesem Bereich nahezu ausschließlich öffentliche Mittel fließen, sollte die Wertschöpfung möglichst in Österreich oder Europa bleiben und nicht ins Ausland abwandern. Hier ergeben sich relevante alternative Geschäftsmodelle im Dual-Use Bereich, sowohl für Startups als auch für etablierte Unternehmen.

Wie beurteilst du das Startup-Ökosystem in Oberösterreich?

Das Ökosystem ist sehr lebendig. Oberösterreich verzeichnet nach Wien die zweitmeisten Gründungen und verfügt über hervorragende Voraussetzungen: starke Forschung, engagierte Startups, gute Netzwerke. Dennoch sehe ich weiteres Potenzial – insbesondere darin, den Gründungsgedanken an Universitäten, Fachhochschulen und in der Gesellschaft noch stärker zu verankern.

Woran würdest du den Erfolg deiner Geschäftsführung messen?

Einerseits an klaren KPIs, etwa an der Anzahl der Gründungen und deren Entwicklung. Eine kürzlich durchgeführte Studie zeigt, dass Startups aus unseren Programmen langfristig erfolgreicher sind – darauf dürfen wir uns jedoch nicht ausruhen.

Andererseits ist für mich entscheidend, das gesamte Team gut mitzunehmen und ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Startups bestmöglich entwickeln können. Erfolg bedeutet für mich auch, die Rahmenbedingungen für das gesamte Ökosystem zu verbessern.

Wie soll sich tech2b in den nächsten Jahren entwickeln?

Wir wollen unsere Sichtbarkeit weiter erhöhen. Innovation erscheint manchmal noch als Nischenthema – das müssen wir ändern. Unser Ziel ist, dass künftig nahezu jedes technologieorientierte Startup mit uns in Berührung kommt.

Wir möchten die erste Adresse für Gründer:innen in Oberösterreich sein, aber auch unsere Bekanntheit in der gesamten DACH-Region steigern. Darüber hinaus wollen wir ein noch stärkeres Tor zu globalen Märkten sein.

Ein großes Potenzial liegt in der internationalen Studierendenschaft. Viele Studierende aus Drittstaaten sind bereits hier, aber zu wenige bleiben nach dem Abschluss im Land. Wir möchten Anreize schaffen, damit sie hier gründen oder in der Industrie tätig werden – und ihr Know-how in die Region einbringen.

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